Netzschau zum DFB-Pokalspiel Alemannia Aachen gegen Bayer Leverkusen

Netzschau zum DFB-Pokalspiel der Alemannia : Tivoli ausverkauft!

Erstmals seit sieben Jahren mischte die Alemannia am Samstag wieder im DFB-Pokal mit. Zu Gast in der ersten Runde: Bayer Leverkusen. Regionalliga gegen Bundesliga. Aber auf den Rängen war Champions League angesagt. Ist noch immer heiser: unsere Netzschau.

Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren wurde der Neue Tivoli eröffnet. Seine erste Dekade ist nicht gerade mit vielen Erfolgen gekrönt, er ist das Symbol für den Absturz des traditionsreichen und stolzen Klubs aus dem tiefsten Westen. Doch zwischendurch hatte er seine Highlight-Spiele, immer wieder blitzte auf, dass das neue Stadion genau das sein kann, was auf den Info-Flyern vor Baubeginn versprochen wurde: „Eng. Steil. Laut. Gelb.“

Am Samstagnachmittag war es wieder soweit. Nach Jahren der sportlichen Tristesse hatte sich die Alemannia mit dem Sieg im FVM-Pokal für den DFB-Pokal qualifiziert und empfing Bayer Leverkusen. Die Tickets für das Messen mit dem Bundesligisten und Champions-League-Teilnehmer waren im Handumdrehen vergriffen. Erstmals seit Februar 2015, damals stand das Regionalliga-Spitzenspiel gegen Rot-Weiss Essen auf dem Spielplan, hieß es wieder: Tivoli ausverkauft!

Und die Vorfreude? Die war riesig!

Oder anders ausgedrückt:

Aachen hatte Bock auf seine Pokalhelden, denn …

Doch nicht nur die Fans waren heiß. Auch im Süden der Republik wurden die Daumen gedrückt. Ex-Alemanne Tobias Mohr, der die Jugendmannschaften der Schwarz-Gelben durchlief und in der ersten Mannschaft den Durchbruch als Profi schaffte, wollte „seinen“ Verein eine Runde weiterwünschen. An dieser Stelle Grüße nach Fürth, Tobi!

Und auch die Alemannia hatte sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Wohl kein Alemannia-Fan erinnert sich nicht an die Pokalsaison 2003/04. Mit Siegen über die Bundesligisten 1860 München, Bayern München (falls Oliver Kahn mitlesen sollte: Stichwort „Blank“) und Borussia Mönchengladbach spielten sich die Aachener bis ins Finale nach Berlin. Erst dort unterlag man dem Deutschen Meister Werder Bremen 2:3 – und zog dennoch nach Europa ein! Das Finale bestritten die Alemannen in schwarzen Trikots mit dünnen gelben Streifen. In Anlehnung an diesen Dress gab es am Samstag spezielle Pokaltrikots für das Spiel auf der großen deutschen Fußballbühne.

Auch die Fans wurden kreativ. Mehrere Tausend versammelten sich bereits um 11 Uhr auf dem Aachener Markt, um anschließend gemeinsam durch die Stadt zum Tivoli zu marschieren.

Ende Juni säumten die Anhänger von „Fridays for Future“ die Krefelder Straße, am Samstag war diese ganz in Schwarz-Gelb gehalten:

Schwarz-Gelb wohin man sieht:

Im Stadion gab es dann ein Bild, das seit einigen Jahren leider nicht mehr alltäglich ist: Ein voller Stehplatzbereich, Menschen statt gelber Sitzschalen, Gästefans. Hatten wir es schon geschrieben? Tivoli ausverkauft! Und gemeinsam mit Jupp Eberts intonierten die Schwarz-Gelben „Wir sind wieder da!“

Und die Sehnsucht nach mehr war da, bei solchen Anlässen ist träumen auch erlaubt. Und in Sevilla und Athen, war es schließlich sehr schön!

Kann man sich daran sattsehen? Absolut nicht, finden wir auch:

Da fühlten sich doch gleich viele in die guten alten Zeiten zurückversetzt.

Und das erging nicht nur dem Fotografen so:

Noch ein bisschen Gänsehaut? Kein Problem:

Und warum sollte es bei dieser einen Partie bleiben? Große Spiele kann die Alemannia. Wir schließen uns an: Mehr davon!

Es wird wieder Zeit für ein bisschen Hühnerpelle! Wie wäre es mit einem Klassiker? You’ll never walk alone!

Gespielt wurde übrigens auch. Und die Alemannia lieferte eine Spitzenleistung ab. Das Team von Fuat Kilic stellte die Werkself vor tatsächliche Probleme, war giftig in den Zweikämpfen, setzte vorne Nadelstiche und ließ hinten kaum Möglichkeiten zu. Für die Bundesliga war das noch ein bisschen wenig, was die Mannschaft von Peter Bosz da zeigte. Bezeichnend dafür: Die Führung für die Leverkusener fiel praktisch aus dem Nichts und musste auch noch von einem Aachener selbst erzielt werden. Kapitän Peter Hackenberg sorgte mit einem Eigentor für den Rückstand. Vorwürfe? Auf keinen Fall. Kopf hoch, Hacki! Passiert. Und wenn du ihn nicht gemacht hättest, wäre Karim Bellarabi wahrscheinlich am langen Pfosten da gewesen.

Brachte das 0:1 die Gastgeber aus dem Konzept? Keinesfalls. Beim 0:2 durch Kevin Volland blitze dann mal die Klasse der Leverkusener durch, die ja auch immerhin drei (!!!) Ligen über der Alemannia spielen. Pause.

Angetrieben vom Publikum fiel dann in der Anfangsphase der zweiten Hälfte der Anschlusstreffer durch Stipe Batarilo. David Bors verlängerte einen langen Ball von Alex Heinze auf Florian Rüter, der quer zu Batarilo, eiskalt drin das Ding. Regionalligist? Von wegen!

Und der Tivoli? Champions League! Komplette Ekstase! DANKE, DANKE! BITTE, BITTE!

Mit etwas Glück wäre kurz danach sogar der Ausgleich möglich gewesen. Stattdessen hatten die Leverkusener Joker-Glück, da Leon Bailey 21 Sekunden nach seiner Einwechslung traf, den Schlusspunkt setzte Nationalspieler Kai Havertz, der in seiner Jugend das Trikot der Alemannia trug.

So stand letztendlich ein 1:4 auf der Anzeigetafel. Das Ergebnis? Sicher ein Tor zu hoch für Bayer ausgefallen, die mehr clever spielten, ihre spielerische Klasse aber nur selten aufblitzen ließen. Die Alemannia? Machte ein phänomenales Spiel – auf dem Rasen und auf den Rängen! Das Gesamtpaket gehört nicht in die Regionalliga!

Am Ende überwog einfach nur der Stolz bei den Fans …

und auch beim Geschäftsführer der Schwarz-Gelben, der vor dem Spiel, wie immer, seine Runden um den Tivoli drehte, die Zuschauer teils persönlich begrüßte und sich in fast allen Blöcken sehen ließ. Auch hier gilt: phänomenale Performance und Eigenwerbung at its best!

Hatten wir das „Thema“ Stolz schon?

Schade ist es tatsächlich, dass bei solchen Spielen einige Zuschauer immer bereits vor Abpfiff das Weite suchen? Gerade nach diesem Spiel hatten sich die Jungs von Fuat Kilic den Applaus nach Spielschluss von ALLEN verdient.

Jetzt steht hier schon so viel. Was fehlt noch? Richtig: die internationale Zusammenfassung für die englischsprachigen Leser. Haben wir.

Zufrieden war übrigens auch Kai Havertz, für den ein Traum in Erfüllung ging:

Und nun? Das Abenteuer DFB-Pokal ist für die Alemannia in dieser Saison beendet. Der Auftritt hat aber Lust auf mehr gemacht. Der Weg dorthin führt wieder über den FVM-Pokal, den es in dieser Saison zu verteidigen gilt, um in rund einem Jahr wieder bei den Großen mitmischen zu können!

Zuvor steht aber erst einmal wieder der Ligaalltag an. In der kommenden Woche ist spielfrei, weiter geht es am 20. August. An diesem Dienstag schaut der TuS Haltern vorbei, dessen Vorstandvorsitzender übrigens der ehemalige Nationalspieler Christoph Metzelder ist.

Für das Spiel soll es übrigens noch ein paar Restkarten geben. Wem also das Spiel am Samstag gefallen hat: Gerne wiederkommen! Hat seine Karte natürlich schon längst sicher und freut sich auf die nächste Partie der Schwarz-Gelben: unsere Netzschau.