Aachen: Mit Erik Meijer kehrt „Mr. Euphorie” zurück

Aachen: Mit Erik Meijer kehrt „Mr. Euphorie” zurück

Auf den Tag ist der Erfolg fünf Jahre her. Alemannia siegt im Uefa-Cup bei AEK Athen 2:0 und kam unerwartet weiter. Den Führungstreffer erzielte Erik Meijer. Das war gestern. Heute wird aus dem Torjäger von damals der Sportdirektor von morgen. Der 40-Jährige wurde am Dienstag vorgestellt.

Was ändert sich mit der Personalie?

Präsident Alfred Nachtsheim und Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Linden haben 2010 als „Jahr des Aufbruchs” ausgerufen. „Ich habe die Euphorie in den letzten Monaten vermisst”, sagt nicht nur Linden. Die Trennung von Andreas Bornemann habe mit fehlender Perspektive zu tun. „Erik Meijer bietet sie.”

Was sagt die Entscheidung über Andreas Bornemann aus?

Man kann viele Sätze, die in diesen Stunden fallen, gegen den alten Sportdirektor verrechnen. Wenn Linden sagt, man habe jemanden gesucht, „in dessen Adern schwarz-gelbes Blut fließt”, ist das sicher ein Seitenhieb auf den Freiburger.

Gibt es beim Übergang einen Philosophie-Wechsel?

Philosophie ist ein zu großes Wort. Eine Idee wieder aufnehmen, würde schon ausreichen. Auch für Bornemann galten Grundsätze. Junge, deutschsprachige Spieler sollen am Tivoli gehegt und gepflegt werden - stand schon in der letzten Ausschreibung. Zum Einstand hat Bornemann dann einen 32-jährigen Deutschen (Seitz) und einen 20-jährigen Afrikaner (Oussalé) geholt.

„Man muss nicht fünf Stunden fliegen, man kann auch nach einer Stunde Autofahrt gute Spieler sehen”, sagt der neue Geschäftsführer Sport. Meijer spricht von „Kampf, Begeisterung, Identität”. Keine neuen Grundsätze, aber Werte, die in diesem Jahr nicht sonderlich gepflegt wurden.

Kann man die beiden Sportdirektoren vergleichen?

Kann man, muss man aber nicht. Nur so viel: Meijer ist ein Anführer. Undenkbar wäre, dass er sich in der Kabine verkriecht, wie dies sein Vorgänger gemacht hat, als sein Team bei den Fans am Pranger stand.

Sind das nicht viele Vorschusslorbeeren für einen Berufseinsteiger?

Abwarten. Er ist ein Rookie, aber das war er schon öfter. „Wenn ich etwas mache, dann zu 100 Prozent”, ist Meijers Credo. Der Erfolg gibt ihm Recht - zumindest in der Marketing-Abteilung.

Welche finanziellen Möglichkeiten hat er?

Das weiß er selbst noch nicht, seltsamerweise war das wohl kein Thema in den Vorgesprächen. Der Verein ist nicht gut bei Kasse, dennoch hat Bornemann für über eine Million Euro die Mannschaft verstärken dürfen.

Warum endet die Amtszeit des neuen Geschäftsführers diesmal im Winter?

Das sind Erfahrungswerte. Es wirkt sinnvoller, wenn der Verantwortliche für die kommende Saison auch definitiv im Sommer noch da ist.

Wie sieht die Aufgabenteilung zwischen den Geschäftsführern Kraemer und Meijer aus?

Frithjof Kraemer ist um den Sportbereich „erleichtert”. Er muss ihn nicht mehr verantworten. Der Geschäftsführer der GmbH hat sich auf fremdem Terrain zweimal vertan. Erst hielt er (mit Meijer) Andreas Bornemann für einen sehr guten Manager und verpflichtete ihn, dann hielt er Andreas Bornemann immer noch für einen sehr guten Manager und wollte dessen Vertrag verlängern.

Kraemer selbst hat die Trennung der Bereiche forciert, für ihn ist es die „logische Konsequenz”. Linden sagt, die Arbeit werde optimiert. Aber natürlich ist der Schritt eine Korrektur: Die noch junge GmbH repariert ihre Konstruktionsfehler.

Ist Kraemer durch sein öffentliches Vorpreschen für Bornemann beschädigt?

Es war unglücklich, aber aus seiner Sicht richtig. Die Personalie fiel in sein Ressort. Und das ist das Problem der neuen GmbH, dass alles in sein Ressort fiel. Stadion, Personalführung, Bilanzwesen, Report an die Gremien... Kraemer wurde extrem viel zugemutet, er hat die meisten Aufgaben trotzdem bewältigt. „Wir sind sehr froh, dass wir ihn haben”, sagt Linden. Kraemer kann sich nun auf sein Kerngebiet zurückziehen.

Was entscheidet noch der Aufsichtsrat?

Nur noch außergewöhnliche Ausgaben und Entscheidungen über Leitende Angestellte (Trainer) sind zustimmungspflichtig.

Was ändert sich kurzfristig?

Es gibt keine Ankündigungen, Schritt für Schritt will Meijer die Mannschaft entwickeln. Er hat sich bislang weder mit dem Trainer noch den Spielern intensiv beschäftigt. Er will ein Team zusammenstellen, das auch mit schon vorhandenen Leuten gebildet werden könnte.

Hat er ein Vorbild?

„Den Besten, den anderen Wurstverkäufer aus dem Süden”, spielt der Metzgersohn auf Uli Hoeneß an. Aber es geht auch eine Nummer kleiner. Jörg Schmadtke habe ihm sehr imponiert, weil er aus wenig Mitteln sehr viel geschaffen habe. Der Kreis schließt sich. 2003 holte der Berufseinsteiger Schmadtke den Freund Meijer nach Aachen, der nun sein Nachfolger wird.

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