Aachen: „Mentalitätsspieler“ Robin Garnier ist in der Spur

Aachen : „Mentalitätsspieler“ Robin Garnier ist in der Spur

Im Laufe einer Saison gibt es immer wieder Schlüsselmomente, die ihre Wirkung auf einer emotionalen und psychologischen Ebene entfalten. Ob auch der Last-Minute-Treffer von Robin Garnier gegen den SC Wiedenbrück (2:2), der seinem neuen Arbeitgeber den ersten Saisonpunkt bescherte, einen Wendepunkt markiert hat, wird sich erst am Ende der Spielzeit abschließend bewerten lassen.

Fest steht aber schon jetzt, dass das wuchtige Kopfballtor dem variablen Außenverteidiger so etwas wie einen Neustart verschafft hat. „Der Treffer hat mir Selbstvertrauen gegeben“, sagt der 24-Jährige, der in den beiden darauffolgenden Spielen über 90 Minuten die linke Seite beackern durfte. Und es passt ganz gut ins Bild, dass Alemannia Aachen in diesen Partien ungeschlagen blieb.

Der Start am Tivoli war kein leichter für Garnier, der in der Vorbereitung von einem Muskelfaserriss im Oberschenkel zurückgeworfen wurde. „Er hat sich am Anfang schwer getan“, hat sein neuer Trainer Fuat Kilic beobachtet. Den Südwest-Regionalligisten Stuttgarter Kickers hatte Garnier im Sommer als Absteiger verlassen, das Selbstvertrauen war angeknackst. „Es war ein schwieriges Jahr“, sagt der 24-Jährige denn auch.

Kilic überzeugte ihn, Alemannias Neustart als Führungsspieler mitzugestalten, die Erwartungen erfüllen konnte der gebürtige Trierer zu Beginn aber nicht. „Ich habe ihn als Spieler kennengelernt, der nie aufgibt und sich in jeden Zweikampf wirft“, sagt Aachens Cheftrainer. Garniers Qualitäten wurden in den Trainingseinheiten aber viel zu selten sichtbar, „die Intensität hat nicht gestimmt“, sagt Kilic. Beim Saisonauftakt in Köln musste sich der Außenverteidiger noch mit der Zuschauerrolle begnügen, und sein Debüt gegen Wattenscheid 09 hätte anschließend nicht viel unglücklicher laufen können, da Garnier mit einem leichten Ballverlust den Führungstreffer der Gäste einleitete. Das Wiedenbrück-Spiel brachte die Wende, „seitdem ist er körperlich viel präsenter, und auch spielerisch passt es zusammen“, sagt Kilic. „Er ist da, wo ich ihn haben will.“

Alemannias Chefcoach hat jetzt seinen erhofften „Mentalitätsspieler“, einen aggressiven Leader, der auch „Drucksituationen gut auflösen kann“. Auch die Flankenqualität sei gut, „aber noch ausbaufähig“. Wie gut sie sein kann, zeigte sich vergangenen Samstag, als Garnier kurz vor der Pause eine Hereingabe genau auf den Kopf von Marco Müller brachte, der den Führungstreffer gegen den SV Rödinghausen knapp verpasste.

Seinen Vorgänger bei der Alemannia auf der linken Außenbahn kennt Garnier nicht persönlich, „in der Kabine wurde aber natürlich auch über Tobi Mohr gesprochen. Es ist toll, dass er den Sprung von der Regionalliga in die Zweite Liga geschafft hat“, sagt Garnier. „Wenn es mir auch so wiederfahren würde, wäre das eine schöne Sache.“

Kurzfristig soll erstmal der positive Trend weitergehen, nicht nur bei Garnier, sondern auch bei seinen Mitspielern, die ihre aufsteigende Formkurve am Sonntag im Live-Spiel beim Wuppertaler SV (> Infobox) bestätigen und die Serie von drei Spielen ohne Niederlage ausbauen wollen. Oder wie Kilic es formuliert: „Wir wollen da hinkommen, wo wir hingehören: über den Strich.“

Der Blick auf die Tabelle löst bei Aachens Trainer (noch) keine Schweißausbrüche aus, „erst nach dem zwölften oder 13. Spieltag lässt sich eine Tendenz ablesen, in welche Richtung es geht.“ Der kommende Gastgeber, der am Dienstag einen Trainerwechsel vollzogen hat und nun mit Adrian Alipour als neuem Coach antritt, kann mit einem Sieg überholt werden. „Ich wäre aber auch nicht unzufrieden, wenn wir einen Punkt aus Wuppertal mitnehmen“, sagt Kilic.

Voraussichtliche Aufstellung: Jakusch — Heinze, Hackenberg, Fiedler — Müller, Bösing, Pütz, Idrizi, Garnier — Temür, Imbongo

Schiedsrichter: Florian Visse (Tecklenburg)

Bilanz: 48 Spiele/24 Siege/11 Remis/13 Niederlagen (78:62 Tore)

TV: 14.55 Uhr/Sport 1

Internet: Liveticker unter www.az-web.de und www.an-online.de