Aachen: Marek Mintal sagt Aachen ab

Aachen: Marek Mintal sagt Aachen ab

Alemannias Fußball-Jahr endete mit dem schönen Weihnachtslied: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin.” Zwei Tage vor dem großen Fest träumten Tausende Fans am Tivoli nach dem Pokalerfolg über Frankfurt schon einmal von einem größeren Ausflug am 21. Mai, wenn in der Hauptstadt das deutsche Pokalfinale ausgetragen wird.

Der erste Ausflug im neuen Jahr führt Alemannia dann tatsächlich nach Berlin, bei Union Berlin wird am Freitagabend die Rückrunde gestartet. Diesmal geht es allerdings um die 2. Liga, und die Begeisterung ist etwas geringer: 100 Karten wurden im Vorverkauf abgesetzt.

Der Alltag setzt in Aachen wieder ein, auch wenn dieses Pokal-Viertelfinale gegen den FC Bayern alles überstrahlt. Die Nachfrage ist so groß, dass der ursprünglich ab heute geplante freie Vorverkauf abgesagt wurde. Alleine die Mitglieder und Dauerkarteninhaber sorgen für eine ausverkaufte Hütte am 26. Januar.

Nach Berlin in der 2. Liga zu fahren, aber nicht an Berlin im Pokal zu denken, ist dann die nächste Herausforderung für die Mannschaft. „Die Mannschaft fühlt sich besser als Platz 10, das soll sie auch zeigen”, ist die Vorgabe für die nächsten Monate. Kurzfristig will Trainer Peter Hyballa „sich tabellarisch schnell da unten wegdrücken”. Das Kerngeschäft dürfe nicht unter dem Saisonhöhepunkt leiden, fordert der 35-Jährige.

Den ersten Versuch am Freitagabend in Köpenick wird Hyballa mit nahezu identischem Personal wie zuletzt gegen Frankfurt angehen. Aimen Demai und Thomas Zdebel laborieren immer noch an ihren Waden, Nico Herzig hat neben den Knieproblemen auch die Folgen einer Blinddarm-OP zu überstehen. Olajengbesi, Müller, Uludag und Daun stehen ohnehin auf der Liste der Langzeitpatienten. Ergebnis: Das Dutzend Profis aus dem letzten Pokalspiel ist auch bei den „Eisernen” erste Wahl, nur der aufgepäppelte Zoltan Stieber kehrt zurück, um Babacar Gueye zu ersetzen. Der notwendige Konkurrenzkampf hat noch nicht eingesetzt, weil der Klub (zu) viele Profis auf der Krankenstation beklagt.

Nach Berlin kehren auch die beiden Neuzugänge für die linke Seite zurück: Die Ex-Herthaner Shervin Radjabali-Fardi und Bilal Cubukcu stehen zumindest im Kader. Ein neuer Stürmer ist entgegen der internen Pläne noch nicht in Sicht. Daniel Ginczek, Junioren-Nationalspieler von Dortmund II, will, darf aber nicht, weil sich sein Klub sperrt. „Er wäre gerne gekommen”, sagt Manager Erik Meijer. Der Kontakt bleibt bestehen.

Und auch der prominenteste Kandidat sagte ab. Marek Mintal will mit seiner Familie ein neues Land kennenlernen. Der ehemalige Torschützenkönig der Bundesliga wird den 1. FC Nürnberg kurzfristig verlassen, dem 33-Jährigen liegt ein interessantes Angebot aus Philadelphia vor, das er annehmen wird. „Wenn er es in den USA nicht schon so schön angetroffen hätte, wäre er zu uns gekommen”, sagt Meijer. In dem Fall war die Absage keine Frage des Preises, auch wenn unverändert die Maxime gilt: „Wir können auch nach dem Pokalerfolg das Geld nicht mit vollen Kübeln auskippen”, sagt Hyballa.

Die Einkaufsliste wird weiter abgearbeitet, inzwischen ist Chef-Einkäufer Meijer in der Abteilung „jung, hoffnungsvoll mit hoher Entwicklungsqualität” gelandet. „Wir fühlen uns nicht als Kindergarten-Cops, die ausschließlich auf junge Spieler setzen”, sagt Peter Hyballa, „aber viele gute ältere Spieler können wir uns einfach nicht leisten.” Zudem sind die Regale im Wintermarkt nicht sonderlich gut gefüllt.

Das jüngste Team der Liga und der jüngste Trainer im Profibereich setzen weiter auf den Nachwuchs. Der (Spar-)Weg führt ja auch manchmal zum Ziel - und im Ausnahmefall sogar bis nach Berlin.