Aachen: Kilic zeigt Reue: „Ich habe überreagiert“

Aachen : Kilic zeigt Reue: „Ich habe überreagiert“

Tags darauf hatten sich die Gemüter langsam wieder beruhigt. „Ich bin auch nur Mensch, habe überreagiert. Für alles, was nach der Herausstellung passiert ist, entschuldige ich mich“, räumte Aachens Trainer Fuat Kilic am Sonntag ein.

Trotzdem dürfte die Nachspielzeit der Partie für ihn noch ein Nachspiel vor der Spruchkammer haben: Noch vier Minuten hatte der Unparteiische Jonas Seeland angezeigt, da tankte sich Emre Yesilova durch und wurde im Strafraum vom Wattenscheider Keeper Edin Sancaktar zu Fall gebracht. Der Pfiff blieb aus — damit war die 1:2 (1:0)-Niederlage von Alemannia Aachen in der Fußball-Regionalliga gegen die 09er besiegelt.

Aachens Coach reagierte heftig: Nach einem Wortwechsel mit dem Assistenten verbannte ihn der Schiedsrichter auf die Tribüne, Kilic musste von zwei Mann vom Platz gedrängt werden. Auch nach dem Schlusspfiff suchte Kilic die körpernahe „Diskussion“, erneut nur mühsam gebändigt.

Direkt nach dem Spiel kartete er verbal nach, fühlte sich vom Linienrichter provoziert. „Ich hatte das Gefühl, er hat schon lange darauf gewartet, dass er mich da hat, wo er mich jetzt hat. Mich ärgert die Arroganz, wie mit uns Trainern umgegangen wird“ Tags darauf gab es eine Entschuldigung des Coaches vor der Mannschaft: „Natürlich werde ich meine Strafe nach dem Katalog akzeptiere und sie auch doppelt bezahlen.“

Die Szene war sicher umstritten: „Der SG-Keeper hat sich nur zwischen den Ball und Yesilova geworfen“, war für Kilic klar. Yesilova hatte aber Kontakt mit dem gegnerischen Torwart gesucht — und bezeichnend nicht reklamiert, als der Pfiff ausblieb. Spielentscheidend war die Szene jedoch nicht, auch wenn ein erfolgreicher Strafstoß wohl noch einen Punkt eingebracht hätte. Denn die Aachener hatten nach der Pause das Spiel selbst aus der Hand gegeben.

Hälfte eins: Die Gastgeber waren feldüberlegen, hatten mehr Ballbesitz gegen kompakt und tiefstehende Wattenscheider. Nur bei zwei Distanzschüssen — von Steve Tunga Malanda (20.) und Demir Tumbul (33.) — musste Keeper Patrick Nettekoven sich strecken. Aachen erarbeitete sich Möglichkeiten, aber „zu oft haben wir noch mal und noch mal quergelegt, statt einfach mal draufzuhalten“, bemängelte Kilic die Chancenverwertung.

Daniel Hammel (9.) reagierte nach einer Flanke von Mergim Fejzullahu zu langsam, sein Schuss wurde noch geblockt. Immer wieder rannten sich die Angreifer in dem kompakten SG-Abwehrblock fest. So musste ein Standard her: Meik Kühnel schoss die Ecke platziert auf den freistehenden Marcel Damaschek (16.): 1:0 per Kopf. Fejzullahu hatte beste Chancen zu erhöhen, doch Sancaktar lenkte den Ball zur Ecke (36.) bzw. konnte parieren (44.).

Hälfte zwei: Die SG stellte um, wechselte Felix Clever ein, stand höher, machte mehr Druck — und die Alemannen, denen mitspielende Teams eigentlich besser liegen, als mit Geduld gegen ein Abwehrbollwerk anzulaufen, gaben die Hoheit im Spiel aus der Hand, ließen sich zurückdrängen. Zudem musste Maurice Plunkte (60./Oberschenkelprobleme) angeschlagen raus, Matti Fiedler kam in die Innenverteidigung.

Nur noch selten fand Aachen Lösungen. Wie bei einer Balleroberung, als sich Hammel (56.) durchtankte und knapp vergab. „Warum das Spiel gekippt ist? Ich weiß es nicht“, analysierte Kapitän Nils Winter. „Wir sind nicht mehr in die Zweikämpfe gegangen, vielleicht fehlte auch die Laufbereitschaft, der Gegner war uns auf einmal immer einen Schritt voraus.“

Das 1:1 war das Spiegelbild des 1:0: Clever (74.) bedankte sich für eine Ecke bei Manuel Glowacz. Zwar war es ein Standard, der den Umschwung brachte, im Spiel hatte sich das aber angedeutet. Und das 2:1 durch Joseph Boyama (77.) unterstrich das: Jonas Erwig-Drüppel kam nach einem Konter über rechts und flankte unbedrängt auf seinen Kollegen.

Ein „Nachspiel“ hat die Partie auch für Aachens Torschützen Marcel Damaschek, der sich in der Nachspielzeit verletzte und heute mit einem dicken Knöchel zur Kernspintomographie muss.

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