Heimsieg lässt warten: Kein Jubel über Unentschieden der Alemannia

Heimsieg lässt warten : Kein Jubel über Unentschieden der Alemannia

Mit der allerletzten Ballberührung in diesem Spiel schaffte Alexander Heinze noch das 2:2 gegen den 1. FC Kaan-Marienborn. Jubel kam deswegen nicht auf bei Alemannias Torschützen.

Hier fühlt sich gerade überhaupt nichts gut an.“ Der Punktgewinn in letzter Sekunde war hochverdient, aber die 90 Minuten vorher erschütterten das Team zum ersten Mal in den Grundfesten. Bis zu diesem 8. Spieltag war der sichere Eindruck entstanden, dass das neue Team langsam in höhere Gefilden klettern wird. „Das war ein klarer Rückschlag“, urteilte Matti Fiedler. Sein Trainer kündigte eine andere Tonart an. „Es gibt Spieler, die seit Wochen meine Rückendeckung haben, die sich nach diesem Spiel erst einmal hintenan stellen müssen.“ Fuat Kilic wurde deutlich. „Vielleicht ist es gar nicht mal so schlecht, etwas auf die Fresse bekommen, damit sich einiges ändert.“

Die erste Halbzeit war ein einziger Trauermarsch der Aachener durch das Land der Fehler. 4100 Zuschauer inklusive acht Gästefans mussten eine haarsträubende Fehlpassorgie ertragen. Auch ohne Druck wurde der Ball regelmäßig zum Gegner gepasst, in der Pannenstatistik tauchten fast alle Spieler auf. Mühelos konnte sich der Aufsteiger sortieren, in Bedrängnis kam er beim gemächlichen Tempo nur selten. „Das war beschämend. Angsthasenfußball“, sagte der Trainer der Mannschaft, die die letzten vier Spieltage nicht mehr verloren hatte. Das Selbstvertrauen blieb dann aber in der Kabine.

Dabei war schon beim ersten ruhenden Ball erkennbar, dass Standards ein sehr probates Mittel gegen die Feierabend-Kicker sein können. Matti Fiedler verlängerte den Eckball von Temür aber nur in die Arme von Florian Hammel. Gespielt waren da acht Minuten. Als der frühe Torerfolg auch diesmal ausblieb, wurden die Gastgeber schnell fahrig.

Alemannia schafft auch gegen Tabellenletzten nur ein Remis

Und so entdeckten die Gäste, dass man ja auch mal die gegnerische Hälfte erkunden könnte. Problemlos ließ die Abwehr mit einem schnöden Doppelpass aushebeln, Burak Gencal vollendete freistehend aus 14 Metern zum 0:1 (24.). Es war die Strafe für einen pomadigen Aachener Auftritt. Bereitwillig überließen die Gäste den Aachener Ball und Raum, weil sie nicht viel damit anfangen konnten. Heraus kam nur ein spielerischer Flickenteppich. „Das hat nichts zu tun mit dem, was wir trainieren“, sagt Kilic.

Die nächste Chance war ein bisschen ein Zufallsprodukt. Boele Imbongo verpasste eine Hereingabe von Marco Müller, stattdessen stand Robin Garnier frei, um mit einem harmlosen Schuss an Torwart Florian Hammel zu scheitern (34.). Torgefährlich wurde es vor dem Wechsel nur noch einmal. Mahmut Temür steckte durch für seinen Sturmpartner, aber Imbongo traf nur den Tribünenaufgang (42.).

Kilic wechselte nach lautstarker Pausenansprache ins 4-1-4-1-System, Kai Bösing und Stipe Batarilo kamen. Für Temür und Joshua Holtby war nach sehr überschaubarer Leistung früh Feierabend. Den Stempel als Sündenböcke erhielten sich ausdrücklich nicht. „Ich hätte sechs Spieler auswechseln können“, urteilte Kilic. Vielleicht wäre die Aufholjagd gestartet, wenn Julian Engelmann ein deutliches Foul an Matti Fiedler im Strafraum geahndet hatte. Stattdessen entfernte sich der Schiedsrichter hurtig vom Tatort (57.).

Auch der zweite Angriff der Gäste wurde belohnt. Lo Iacono scheiterte noch, den Nachschuss von Kenan Dünnwald ließ Aachens Torwart Niklas Jakusch zum 0:2 durchrutschen (67.). Der Aufsteiger stand vor dem größten Erfolg der Klubgeschichte. Die Aachener stemmten sich dagegen. Maurice Kaiser hätte verkürzen können, sein Heber schlug nicht ein (80.). Tore schießen ist erkennbar bislang nicht die Kernkompetenz der Aachener, diesmal half ihnen Gäste-Keeper Florian Hammel, dessen Bruder Daniel in der letzten Saison noch für die Schwarz-Gelben stürmte.

Hammel wähnte einen Freistoß von Kai Bösing neben dem Tor, er zog die Hände weg, und zu seiner Verblüffung klatschte der Ball ins Tor zum 1:2 (85.). Sekunden später köpfte Blendi Idrizi den Ausgleich, doch der Referee monierte seinen robusten Einsatz und kassierte den Treffer gleich wieder ein. Der nächste Versuch von Batarilo pfiff knapp am Pfosten vorbei (89.).

Die Nachspielzeit tickte schon herunter, die Putzkolonne stand kurz vor dem Einmarsch, als Schiedsrichter Engelmann eine überzogene Rote Karte gegen Mehmet Kurt verhängte (90.). Jakusch schlug den Ball ein letztes Mal vor das gegnerische Tor, und weil sein Zunftkollege Hammel weiter irrlichtete, köpfte Heinze den Ausgleich.

Zu einem ersten Heimsieg hatte es auch gegen den Tabellenletzten nicht gereicht. „Wir müssen viel, viel mehr arbeiten“, kündigte Kilic an. „Wir können nicht immer nur quatschen, wir müssen auch mal liefern.“

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