Hamm: Kein Fest für Edel-Techniker: Alemannia schlägt Rhynern 2:0

Hamm : Kein Fest für Edel-Techniker: Alemannia schlägt Rhynern 2:0

Fuat Kilic war schnell klar, dass er seinen Matchplan anpassen musste, als er am Dienstagnachmittag den Platz in der Arena in Hamm betrat. „Vergesst alles, was wir uns vorgenommen haben“, teilte Alemannias Trainer seinen Spielern vor der Nachholpartie bei Regionalliga-Schlusslicht SV Westfalia Rhynern mit.

„Wir müssen unser Spiel den Bedingungen anpassen und versuchen, mit langen Bällen hinter die zweite Reihe zu kommen.“ Die Korrektur des Plans ging auf, die Aachener erkämpften sich auf dem holprigen Geläuf einen souveränen 2:0 (2:0)-Erfolg, und Kilic hielt nach intensiven 90 Minuten fest: „Meine Mannschaft hat das sehr gut gelöst.“

Da das Spitzenspiel gegen Ligaprimus KFC Uerdingen am Samstag nicht folgenlos geblieben war, musste Alemannias Trainer unfreiwillig die Rotationsmaschine anwerfen. Für Kapitän Nils Winter, Toptorjäger Mergim Fejzullahu (beide gelb-rot-gesperrt) und Matti Fiedler (Verdacht auf Faserriss) rückten Severin Buchta, Kai Bösing und Alexander Heinze in die Aachener Startformation.

Dass das letzte noch ausstehende Hinrundenspiel der Alemannia kein Fest für Edel-Techniker werden würde, zeigte sich schnell. Gepflegtes Kurzpassspiel war nur unter erschwerten Bedingungen möglich — ein Umstand, der den Gästen in den Anfangsminuten trotz Kilics Ansprache durchaus Schwierigkeiten bereitete. Die Hausherren hatten weniger Anpassungsprobleme, Manuel Konate Lueken musste eine Hereingabe vor dem einschussbereiten Lennard Kleine klären (8.). Die einzige kritische Phase überstanden die Aachener schadlos.

Die Schwarz-Gelben bekamen im weiteren Spielverlauf mehr Sicherheit in ihr Spiel und erhielten zusätzlichen Freiraum, um ihre Angriffe vorzutragen. Und so führte die erste Chance schließlich auch zum ersten Tor: Joy-Slayd Mickels nutzte den sich bietenden Platz und gab aus 20 Metern einen platzierten Schuss ab, nach dem sich SV-Keeper Alexander Hahnemann vergeblich streckte — 1:0 (12.).

Die Partie nahm ihren erwarteten Verlauf, der Tabellendritte erhöhte die Schlagzahl und erarbeitete sich hochkarätige Möglichkeiten. Bösing hätte sich gleich zwei Mal in die Torschützenliste eintragen können, Hahnemann entschied beide 1:1-Duelle jedoch für sich (15., 26.). Als Vorbereiter machte es der agile Angreifer besser: Bösing behielt die Übersicht und passte zu Meik Kühnel, der das Leder von der Strafraumgrenze in den Winkel des Westfalia-Tores beförderte — 2:0 (29.). „Als der Ball den Fuß verlassen hat, habe ich schon gemerkt, dass er ganz gut kommt“, analysierte der Kunstschütze seinen Treffer.

Dem zuletzt formverbesserten Ligaschlusslicht fehlten die Mittel, um die Alemannia aus der Bahn zu werfen. Aachens Keeper Mark Depta erhielt nur ein einziges Mal im ersten Durchgang die Gelegenheit sich auszuzeichnen, als er einen von Kempes Waldemar Tekiela geschossenen Freistoß aus rund 20 Metern über die Latte bugsierte (42.).

Rhynern steckte nicht auf und versuchte nach dem Seitenwechsel sich noch einmal in die Partie zu kämpfen. Die Gäste hielten dagegen und erspielten sich immer wieder Gelegenheiten, das Spiel endgültig in die richtigen Bahnen zu lenken. Die Vorentscheidung blieb jedoch aus. Das lag auch daran, dass ein klares Foul an Bösing im Strafraum nicht vom Unparteiischen Tobias Severins geahndet wurde (56.).

Vielmehr hatte es aber mit den schnellen Umschaltsituationen zu tun, die nicht konsequent genug zu Ende gespielt wurden. Torschütze Mickels scheiterte an Hahnemann (79.), der eingewechselte Emre Yesilova (88.) schoss nach einem Konter freistehend am SV-Kasten vorbei. „Da hätten wir den Deckel draufmachen können“, wusste Kilic. Am Ende war der Übungsleiter aber nicht nur über den Sieg und die drei Punkte glücklich: „Ich bin sehr froh, dass sich auf diesem Boden kein Spieler verletzt hat.“

Die Alemannia festigt durch den Erfolg Platz drei, den das Team auch bis Saisonende nicht mehr abgeben will. Oder wie Verteidiger Alexander Heinze es formulierte: „Wir wollen so gut wie möglich die Saison beenden. Es sind noch viele Punkte zu vergeben — und es kann noch so viel passieren...“

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