Alemannia belohnt sich noch für den Aufwand: Kai Bösing erzielt in der Schlussphase das 1:0 gegen den SV Lippstadt

Alemannia belohnt sich noch für den Aufwand : Kai Bösing erzielt in der Schlussphase das 1:0 gegen den SV Lippstadt

Am Ende des strapaziösen Arbeitstages war der Blick auf die Tabelle eine kleine Belohnung, auch wenn Fuat Kilic der Zwischenstand wenig interessierte. Tabellenplatz 3 in der Fußball-Regionalliga ist dort nach zwölf Spieltagen für Alemannia Aachen gelistet - nach dem vierten Sieg und dem neunten Spiel ohne Niederlage in Folge.

Vor 4800 Zuschauern gab es am Samstagnachmittag ein verdientes 1:0 (0:0) gegen den SV Lippstadt.

Das Spiel war noch nicht angepfiffen, da musste Kilic schon seine Startformation ändern. Dimitry Imbongo Boele signalisierte beim Warmmachen, dass es nicht gehen würde. Marcel Kaiser sprang ein. Schon zuvor hatte festgestanden, dass Matti Fiedler mit muskulären Problemen passen musste. Und die Partie war erst sechs Minuten alt, da musste der Alemannia-Coach seine Viererkette weiter umbauen: Alexander Heinze musste nach einem Kopfballduell mit SV-Stürmer Exauce Andzouana verletzt raus, für ihn übernahm Mahamed Redjeb die Position in der Abwehr. „Alexander hat eine Schädelprellung, zum Glück aber keine Einblutung. Er wird wohl ein paar Tage im Krankenhaus bleiben müssen“, konnte der Coach hinterher teilweise Entwarnung geben.

Aachen startete munter, drängte den bis dato Tabellendritten Lippstadt, der mit einer gut sortierten, konzentrierten Abwehr und einem sehr gut aufgelegten Keeper Christopher Balkenhoff daherkam, gleich zurück. Die erste Chance hatten die Gäste, die nach Balleroberungen schnell konterten. Doch den Schuss von Gerrit Kaiser (6.) parierte Aachens Keeper Niklas Jakusch sicher. Bei einem schönen Angriff über rechts von Robin Garnier und David Pütz wollte Kaiser (16.) es besonders schön mit der Hacke machen – und scheiterte. „Ja, das war nicht zielführend“, musste Aachens Stürmer hinterher zugeben. Chancen hatte die Kilic-Elf genug, nicht alle zwingend, zu oft wurde der Ball noch einmal quer gelegt oder das Spielgerät blieb in der Lippstädter Abwehr hängen – und mehrfach zeichnete sich Balkenhoff aus, wie als er gegen Kaiser (37.) im langen Eck abwehrte. Drei Minuten später kam erneut Kaiser über rechts, doch er fand keinen Abnehmer. Aachen ließ die Zügel zunehmend schleifen, agierte nicht mehr so druckvoll wie in der Anfangsphase, und Lippstadt setzte sofort nach. Doch nach einem Angriff über rechts von Simon Schubert wurde der Schuss von Paolo Maiella (45.) noch abgewehrt.

„Zweifel hatte ich nicht, aber ich hatte gehofft, dass wir wieder mehr Druck vor allem auf den Flügeln erzeugen könnten“, bewertete Kilic die etwas schwächere Phase in Hälfte eins und stellte um: von 4-2-3-1 auf ein 4-1-4-1-System und in der Endphase der Partie sogar auf 3-5-2. Die Gastgeber gingen nun deutlich energischer in die Zweikämpfe, verlegten die Partie größtenteils in die Hälfte der Gäste. Erneut scheitert Kaiser (58.) an Balkenhoff, der sicher parierte.Und eine Flanke von Idrizi jagte Stipe Bartilo-Cedric (61.) knapp links vorbei. Noch einmal rettete Balkenhoff vor Imbongos Ersatz (68.), der selbst kurz darauf für Mahmut Temür Platz machte. „Toll, Marcel hatte Luft für 15, 20 Minuten, aber er hat sich 70 Minuten lang reingebissen“, gab es ein Lob des Coaches für Kaiser und später für die gesamte Mannschaft.

Aachen bestürmte die Lippstädter Festung nun ohne Unterlass, Marco Müller (71.) hielt aus 20 Metern einfach mal drauf- es fehlten nur Zentimeter. Lippstadt konnte immer weniger für Entlastung sorgen, wie bei einem Angriff von Kevin Holz (73.), doch Andzouana setzte den Ball knapp rechts vorbei, und einem Distanzschuss von Sven Köhler (79.), der knapp übers Gehäuse ging. Dann endlich: Der eingewechselte Steven Rakk flankte, Bösing überwand Abwehr und Keeper Balkenhoff, der weit herausgelaufen war, und stand auf einmal alleine vor dem leeren Tor – 1:0 (85.). „Ich hatte darauf spekuliert, dass die Abwehr den Ball im Spiel hält“, bedankte er sich artig für die unfreiwillige Kopfballvorlage der Gäste.

In der Nachspielzeit brannte es noch einmal lichterloh im Strafraum – allerdings im Aachener. Die bekamen den Ball nicht aus der gefährlichen Zone, und Marcel Hoffmeier (90.+1) donnerte den Ball ans Lattenkreuz. Noch einmal mussten die Gastgeber nach einer Ecke mit Mann und Maus verteidigen, dann endlich ertönte der Schlusspfiff.

„Aachen war uns heute in vielen Belangen überlegen, in der Physis, im Zweikampfverhalten. Wir kamen für einen Sieg nicht in Frage, obwohl wir sogar Chancen hatten, in der Schlussphase noch auszugleichen und sogar das Spiel zu drehen“, zollte Lippstadts Coach Daniel Berlinski Aachen den verdienten Respekt. „Die Jungs haben das überragend gemacht“, widersprach auch Kilic dem Kollegen nicht.

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