Aachen: Geschäftsführer vom Hofe beweist bei Sponsorenakquise Ideenreichtum

Aachen : Geschäftsführer vom Hofe beweist bei Sponsorenakquise Ideenreichtum

Unter Klaustrophobie leidet Martin vom Hofe ganz offensichtlich nicht. Und sein schauspielerisches Talent hat der Geschäftsführer von Alemannia Aachen mehrfach in Spots bewiesen. Beides beweist er jetzt in einem kurzen Film unter dem Motto „Alemannia packt‘s an“.

Hier klettert vom Hofe in die riesige Tankröhre eines Lastzuges, um diese von innen auf Hochglanz zu polieren. Dieses Engagement zeigt der Mann, der jetzt seit elf Monaten am Tivoli die wirtschaftlichen Fäden in Händen hält, gerne, wenn es darum geht, einen Sponsor zu hofieren. Lkw statt Klinken putzen.

Filmische Trickkiste

Für ein entsprechendes Entgelt kann man verschiedene Alemannen für Aktionen buchen, erklärt vom Hofe auf informativ-sympathische Art. „Der macht das echt sehr locker“, zollt ihm Kameramann Daniel Kosch Respekt für den Einsatz in der gewaltigen Stahlröhre. Kosch hilft der Alemannia schon länger in PR-Angelegenheiten und ist professioneller Filmemacher. Und wenn es darum geht, den Etat der Alemannia zu verbessern, greifen alle auch schon mal in die filmische Trickkiste.

An vielen Stellen wird derzeit auf Hochtouren gearbeitet, um den Weg in eine bessere Zukunft zu bahnen. „Natürlich ist das im Fußball immer ein wenig ein Blick in die Glaskugel“, stellt Martin vom Hofe fest — nicht zuletzt mit Blick auf das erste Heimspiel am Montagabend um 20.15 Uhr gegen Wattenscheid 09. „Was die Mannschaft in der zweiten Halbzeit bei Viktoria Köln gezeigt hat, das war aller Ehren wert.“

Viele kleine Veränderungen

Natürlich hofft der Geschäftsführer, dass wie vor Jahresfrist — damals gegen Mönchengladbach II — mehr als 9000 Zuschauer zur Heimpremiere ins Stadion kommen, aber er bleibt Realist. 5900 Zuschauer sind der kalkulierte Schnitt, bis Freitag waren knapp 2000 Dauerkarten unter die Fans gebracht. Im Vorverkauf hatten bis Freitag insgesamt 2500 Karten den Besitzer gewechselt. 6000 werden erwartet.

An den Ticketpreisen hat sich im Übrigen nichts geändert (siehe www.alemannia-tickets.de). Für Trainer Fuat Kilic ist das erste Heimspiel nach der Insolvenz ein eher „normales schweres Heimspiel“. Er möchte eine mögliche Erfolgsgeschichte nicht vom Tagesgeschehen abhängig machen. „Wir müssen uns als Verein vorwärts bewegen und Strukturen schaffen.“

Ansonsten gibt es zum Heimauftakt viele kleine Veränderungen. Zu den obligatorischen gehört die neue Kollektion mit dem gelben Heim- und dem schwarzen Auswärtstrikot. Mit der Firma Masita hat man in der niederländischen Nachbarschaft einen Anbieter gefunden, der nicht nur bessere Bedingungen bietet, sondern auch in 30 Minuten zu erreichen ist.

Die Vorbereitungsphase hat auch das Alemannia-Bier namens „Kaiserstädter“ positiv überstanden. Das Bräu aus dem Ideenfundus vom Hofes hat sich als Produkt des Vereins zum Renner entwickelt. „Das hat noch nie ein Verein vorher gemacht“, versichert er und berichtet von enormen Nachfragen in Getränkemarkten. Mit jedem verkauften Kasten verdient die Alemannia nicht nur, sie will auch ein Identitätsprodukt zwischen Fans, Verein und Stadt schaffen.

Verkauft wird das Bier auch im Klömpchensklub in der Regie der gemeinnützige Via Integration, die auch die Fan-Shops betreibt. Geschäftsführer Alois Poquett wird das Bier in speziellen Alemannia-Pfandbechern verkaufen und bei der Rückgabe um Verzicht aufs Pfand zugunsten der Alemannia-Jugend bitten. Das Bier wird jetzt bei Spielen neben alkoholfreien Alternativen im ganzen Stadion verkauft.

Es sind viele kleine Mosaiksteinchen, die sich zu einem neuen Alemannia-Bild fügen sollen. „Hier passiert gerade etwas. Es gibt keine Skandale, und der Verein packt mit Demut an“, beobachtet Daniel Kosch. „Und wir sind erst seit einem Monat aus der Insolvenz raus“, ergänzt der Geschäftsführer und betont den konservativen Ansatz des Etats. Auch deshalb drückt er die Hoffnung aus: „Das Vertrauen in die Alemannia wächst wieder.“ Das signalisierten inzwischen viele Gespräche.

Neben dem Geschäftsführer kümmern sich inzwischen fünf Mitarbeiter in der Geschäftsstelle um den Neustart. „Aber auch die doppelte Zahl würde sich nicht langweilen“, sagt vom Hofe. Neue Sponsoren sind gekommen, einige aber auch abgewandert. Immerhin ist nur noch eine Werbebande rund ums frisch erneuerte Rasengrün, das ein wenig an Wimbledon erinnert, frei. Die verkauften Logen und VIP-Tickets bewegen sich auf dem Niveau des Vorjahres, aber das ist noch eine Momentaufnahme.

Hoffen auf weitere Anrufe

Martin vom Hofe hofft auf entsprechende Anrufe von weiteren Interessenten. Ob es nun um Logen oder gewagte Engagements für Sponsorenfilmchen geht. Er setzt sich an Supermarkt-Kassen, lässt eigenes Bier brauen und klettert in Tankzüge. Wenn es denn der Alemannia hilft — und kommentiert dies pragmatisch mit einem Lachen: „Dafür werde ich schließlich bezahlt.“

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