Aachen: Gegen den Wuppertaler SV ist die Alemannia plötzlich treffsicher

Aachen : Gegen den Wuppertaler SV ist die Alemannia plötzlich treffsicher

Nach dem Spiel klatschten Joy-Lance Mickels, Jerome ­Propheter und Dominik Ernst Trainer Fuat Kilic ab. Wie früher. Die Ex-Spieler schauten an einem spielfreien Sonntag mal wieder am Tivoli vorbei. Auch Dennis Dowidat kehrte noch mal zum Ex-Klub zurück. Für den Techniker war es allerdings ein Pflichttermin mit seinem neuen Verein Wuppertaler SV.

Seine Laune hielt sich in Grenzen: Alemannia siegte mit 4:1 und beendete eine turbulente Woche in der Fußball-Regionalliga West auf Tabellenplatz 8, ab dem es Prämien gibt. Innerhalb weniger Tage hat die Mannschaft mit zwei Siegen gegen Spitzenteams einen satten Stimmungsumschwung hinbekommen.

Ein Tänzchen mit dem Trainer und ein Kraftpaket: Tobias Lippold, Schütze des 2:0 aus mehr als 35 Metern, vergnügt sich mit Fuat Kilic, derweil demonstriert Junior Torunarigha seine ganze Kraft. Foto: Jérôme Gras

Viele Zweikämpfe

Kilic hatte Emre Yesilova durch Tobias Lippold ersetzt. Mit dem Spieler- wurde auch ein Systemwechsel zum 3-5-2 vollzogen. Die achte Minute bekommt in dieser Woche ganz groß raus bei Alemannia. In Dortmund erzielte Junior Torunarigha das Führungstor. Diesmal brachte die achte Minute einen anderen Torschützen hervor. Mergim Fejzullahu steckt durch für Tobias Mohr, der davon stob und aus nicht einmal optimalen Winkel den verdutzten Torwart Sebastian Wickl überraschte.

Es blieb ein intensives und zerfahrenes Spiel. Der Ball war mehr in der Luft als am Boden. Zweikämpfe wurden alle 3,4 Sekunden verbissen geführt, es hagelte Freistöße. Chancen blieben eine Rarität. Fejzullahu zog nach innen, seinen platzierten Schuss in den Winkel hob Wickl über sein Gehäuse (22.).

Fernschüsse schienen ein gutes Rezept zu sein, wenn im Strafraum überwiegend Abwehrspieler mit der Figur von Türstehern den Weg versperren. Lippold wagte den nächsten Versuch. Aus etwa 41 Metern knallte er den Ball in den Winkel zum 2:0. „Ich war selbst ein bisschen verdutzt, weil ich dachte, dass der Ball über das Tor fliegt“, sprach der Schütze nach dem Spiel.

Gespielt waren da schon 43 Minuten, die Nachspielzeit brachte dann noch mehr Aufregung als die Zeit davor. Patrick Nettekoven warf sich Christoph Kramer entgegen, der aus vier Metern nicht am Torwart vorbei kam (44.). Es folgte ein Eckball und ein imposantes Menschenknäuel am Boden im Aachener Fünfmeterraum, der Ball flipperte hin und her, über die Torlinie wollte er nicht.

Die Nachspielzeit war schon lange überschritten, da konterten die Aachener noch einmal. Zu dritt sprinteten sie unbedrängt auf das Tor zu. Fejzullahu legte vor zu Lippold, der einschob. Indes: Schiedsrichter Marco Goldmann hatte als einer der wenigen im Stadion eine Abseitsposition entdeckt.

Pluntke fehlt in Uerdingen

Matti Fiedler ersetzte den angeschlagenen Mohr (Oberschenkelprobleme), sein Einstand missriet. Gaetano Manno setzte sich energisch am Flügel durch, den Rückpass verwandelte Gino Windmüller zum 2:1 (47.). „Es wurde unruhig, die Fans kennen natürlich die jüngste Geschichte“, beobachtete Kilic am Spielfeldrand. Sein Team aber blieb in der Spur. „Wir wollten schon zeigen, dass uns ein Rückschlag nicht umwirft“, analysierte Maurice Pluntke, der nächste Woche in Uerdingen gesperrt fehlt.

Alemannia kehrte zurück, und der Umschwung in diesem Spiel und in dieser Woche hat allerhand mit Junior Torunarigha zu tun. Vor zehn Tagen war das noch ein Stürmer mit vielen Zweifeln, innerhalb kurzer Zeit ist aus ihm ein Torjäger geworden. Zunächst legte er auf für Fejzullahu, der knapp vor dem Tor scheiterte (60.). Zwei Minuten später erledigte der bullige Stürmer die Sache selbst.

Er schüttelte seine Kontrahenten ab wie lästige Fliegen und erzielte das 3:1 (62.) — sein viertes Tor in dieser Woche. Beim letzten Treffer war er wieder Vorbereiter. Seinen Drehschuss konnte Wickl noch abwehren, gegen den Abstauber von Mike Kühnel war er machtlos (85.). „So richtig erklären kann ich mir den Lauf auch nicht“, sagt Torunarigha. „Ich spüre hier viel Vertrauen und weiß, dass sich harte Arbeit immer irgendwann auszahlt.“

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