Aachen: Frithjof Kraemer: „So geht uns die Luft aus”

Aachen: Frithjof Kraemer: „So geht uns die Luft aus”

Das Verhältnis war etwas skurril: Exakt 16 Zuschauer sahen am Donnerstagmorgen 26 Aachener Profis bei der Arbeit zu. Derzeit sind bei Alemannia häufiger mehr Menschen auf als neben dem Sportplatz anzutreffen.

Im Laufe der Zeit wurde das ungleiche Verhältnis leider leicht korrigiert, Kevin Kratz knickte um und wird mit einer Kapsel- und Bänderzerrung am Samstag in Karlsruhe ausfallen.

Diese Partie ist die nächste Herausforderung im Abstiegskampf. „Zwei Teams auf Augenhöhe” treffen da aufeinander, sagt Aachens Trainer Friedhelm Funkel, der gerade überlegt, dort die Mannschaft aufzubieten, die zuletzt die zweite Halbzeit in Frankfurt 3:2 für sich entschied. Für die Kiebitze am Spielfeldrand gibt es aber noch ein größeres Thema als das nächste Kapitel im sportlichen Existenzkampf: Wird die Deutsche Fußball Liga Alemannia von der Profi-Karte im nächsten Jahr nehmen?

Dass der Klub im Frühjahr die Lizenz noch einmal unter den aktuellen Voraussetzungen erhält, gilt nicht nur unter den Beobachtern am Spielfeldrand als gewagte Prognose. In den Worten von Frithjof Kraemer klingt das so: „Wenn nicht eine signifikante Änderung der Tivoli-Finanzierung eintritt, ist es äußerst ambitioniert noch einmal von einer Lizenzerteilung auszugehen.” Der verschwurbelte Satz von Alemannias Geschäftsführer gibt die ganze Dramatik der Situation wieder. Dem Verein droht der Lizenz-Tod, weil ihn die Finanzierung für das schmucke neue Stadion erdrosselt. „Wir müssen eingestehen, dass einige Prognosen der Gesellschaft zu positiv waren”, räumt er ein. Alemannia hat sich übernommen. „So geht uns die Luft aus. Die Versuche, die Finanzierung alleine zu stemmen, kann man sicher wahlweise als naiv oder auch als ehrgeizig bezeichnen. Aber wir haben etwas geschaffen, und jetzt brauchen wir die Chance, den falschen Ansatz zu korrigieren.”

So deutlich ist die Not selten formuliert worden. Der Klub taumelt dem Abgrund entgegen. Schon bis zum 13. Januar will die DFL den Nachweis über 800.000 Euro haben, die der Verein hinter seinem eigenen Wirtschaftsplan liegt. Das Geld könne man aufbringen, sagt Kraemer. „Wir bessern seit Jahren erfolgreich Dellen aus, aber das ist endlich. Wir verschaffen uns nur Zeit.” Der Klub schafft sich nur Verschnaufpausen. „Wir brauchen eine strukturelle Lösung”, fordert Kraemer.

Das Land als Bürgschaftsgeber hat bei den Gesprächen zuletzt ein paar Wege aufgezeigt. Die Signale aus der Stadt klangen allerdings kaum positiv. „Das Land sagt uns, dass man einem Ankauf durch die Stadt nicht zustimmen würde”, hat Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp diese Woche öffentlich erklärt. Ist da schon der rettende Strohhalm abgeknickt? Dem Klub, der durch seine Fehlkalkulationen nicht glaubwürdiger wird, bleiben nur noch wenige Tage, um eine Lösung zu finden. Er steckt im doppelten Abstiegskampf.

Friedhelm Funkel hält sich von dem Thema fern. „Wir müssen unsere Spiele gewinnen, damit mehr Zuschauer kommen und es dem Verein wieder ein paar Prozent besser geht”, sagt der Trainer. Kurzfristig ist das wohl die beste Idee.

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