Aachen: Feisthammel vor dem Endspiel: „Auf uns setzt keiner einen Pfifferling”

Aachen: Feisthammel vor dem Endspiel: „Auf uns setzt keiner einen Pfifferling”

Sollte jemand auf die überflüssige Idee kommen und einen Spieler der Saison am Tivoli küren wollen, Tobias Feisthammel wäre neben Boy Waterman, Kim Falkenberg oder Aimen Demai einer der ganz wenigen Kandidaten.

Seine Bilanz: 28 Spiele, so viele Treffer wie Gelbe Karten, nämlich 3. Unser Redakteur Christoph Pauli unterhielt sich mit dem 24-jährigen Innenverteidiger, dessen Vertrag ausläuft.

Wie bekommt man seine Nerven vor so einem Finale in den Griff, oder gibt es inzwischen einen routinierten Umgang mit solchen Situationen?

Feisthammel: Trotz aller Routine ist es schwer, alles wegzuschieben. Wir wissen ja, was alles von diesem einen Spiel abhängt. Der Druck ist einfach da. Ich versuche mir so wenig Gedanken wie möglich zu machen, abzuschalten und auszuruhen, um dann am Sonntag Leistung zu bringen.

Wird man nicht irgendwann müde, wenn man sich von Endspiel zu Endspiel hangelt?

Feisthammel: Körperlich sind wir alle am Limit. Die Saison hat viele Kräfte geraubt, obwohl sie schlecht war. In den letzten Wochen mussten wir permanent über die Schmerzgrenze gehen, weil wir ständig unter Siegzwang standen. Mental ist das extrem. So eine Partie wie gegen Karlsruhe schlaucht enorm.

Alle statistischen Daten sprechen gegen Alemannia, was spricht für die Alemannia?

Feisthammel: Für uns spricht, dass wir seit Wochen abgeschrieben sind. Auf uns setzt keiner mehr einen Pfifferling. Mit Ausnahme von Duisburg haben wir aber zuletzt immer gut gespielt unter Ralf Aussem. Und irgendwann muss ja Geschichte auch mal neu geschrieben werden, damit es wieder neue Statistiken gibt.

Gibt es einen Kabinenschwur?

Feisthammel: Wir ziehen uns gegenseitig hoch, wir wollen, dass Alemannia in der 2. Liga bleibt. Und kein Geheimnis: Jeder spielt auch für sich selbst, weil keiner einen Vertrag im Abstiegsfall besitzt.

Ist es möglich, sich um die eigene Karriere Gedanken zu machen und gleichzeitig alle Energie für den aktuellen Arbeitgeber zu verwenden?

Feisthammel: Das ist eine Frage des Typs. Wer etwas labiler ist, macht sich mehr Gedanken. Es ist eine Doppelbelastung, aber wir wissen, dass wir mit einem Spiel diese Scheiß-Saison noch retten können. Das motiviert.

Ihr Vertrag läuft aus, Sie spielen eine gute Saison, wohin geht die Reise?

Feisthammel: Es gibt Anfragen, ich habe auch mit Aachen schon gesprochen. Es gibt keine Entscheidung, ich will erst einmal wissen, wo meine Mannschaft in der nächsten Saison spielt. Es ist abgesprochen, dass ich von anderen Offerten jetzt nichts hören will. Die Konzentration gilt nur Alemannia.

Was ist schiefgelaufen, dass sich diese Mannschaft so entschieden der 3. Liga nähert?

Feisthammel: Wir sind mit dem ersten Spiel in Aue schon in einen negativen Strudel geraten, wir waren von Anfang an in dieser Zone. Meiner Meinung nach haben uns die vielen Unentschieden das Genick gebrochen. Zudem haben wir bei Spielen in Braunschweig, in Frankfurt, in Cottbus oder in Ingolstadt in letzter Sekunde einen Punkt oder einen Sieg durch Pech oder Dummheit verschenkt. Zusammengetragen hat das alles zu dieser Situation beigetragen. Aber wir haben immer noch die eine Chance.

Verkraftet eine Mannschaft drei Trainer in der Saison?

Feisthammel: Mit jedem Trainerwechsel werden neue Reize gesetzt, die Idee steckt ja immer dahinter. Zumindest der Wechsel zu Ralf Aussem war positiv, wir sind selbstbewusster, spielen offensiver, werden torgefährlicher.

Ist er der wichtigste der vielen Trainer?

Feisthammel: Ralf Aussem bringt Feuer rein, holt mehr aus der Mannschaft heraus. Marco Stiepermann ist das beste Beispiel, der zum ersten Mal auf der richtigen Position spielt. Die Arbeit der aktuellen Trainer ist gut, sie haben einen Draht zur Mannschaft.

Verfolgt Sie diese Situation in den privaten Bereich hinein?

Feisthammel: Meine Freundin tut mir schon leid in dieser Saison, weil ich nach Niederlagen schlecht gelaunt nach Hause komme.

Sie wird doppelt bestraft: Sie bringen keine Siegprämie, dafür schlechte Laune mit nach Hause.

Feisthammel: So ist es leider. Ich kann nicht mehr gut abschalten, weil es zu viele Rückschläge gibt. Es ist eine furchtbare Saison. Aber meine Freundin kennt den Schlüssel, sie weiß, wie sie mich wieder zum Lachen bringt.

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