Aachen: „Euphorie in der Stadt”, aber noch nicht an den Kassen

Aachen: „Euphorie in der Stadt”, aber noch nicht an den Kassen

(Fast) alles auf null. Selbst bewanderte Kenner der Vereinshistorie können nicht mehr nachhalten, der wievielte Neuanfang das jetzt ist. In einem Punkt scheint Einigkeit zu herrschen: Schlimmer als in der vergangenen Saison wird Alemannia Aachen auf keinen Fall Fußball spielen.

Peter Hyballa, der jüngste Cheftrainer in den drei deutschen Profiklassen, hat nach den Wochen der Vorbereitung, nach einem schwungvollen Blitzturnier und einem „tollen Spiel” im DFB-Pokal bei Schwarz-Weiß Essen sogar schon „Euphorie in der Stadt” erkannt.

Doch viele Fans nehmen nach einem Jahr voller Enttäuschungen erst mal die abwartende Haltung ein. Für den Ligaauftakt am Freitag (18 Uhr) gegen Union Berlin hatten bis Mittwochmittag nur 15.500 Zuschauer ein Ticket erstanden - so zäh ist noch kein Vorverkauf gelaufen seit Inbetriebnahme des neuen Tivolis.

„Oldies” Demai und Achenbach

Dabei spricht vieles für eine gesunde Portion Zuversicht. Drei Jahre nach dem Abstieg aus der Bundesliga gibt es wieder eine Antwort auf die Frage, für welchen Fußball Alemannia eigentlich steht: aktiv, aggressiv, offensiv, spielfreudig. „Wir vertrauen auf unsere Stärken”, sagt Hyballa, der seine Profis nicht mit Informationen über den Gegner überfrachten will. Selten hat es an der Krefelder Straße solch ein Reservoir an hochtalentierten Spielern gegeben, die ihre Chance auch vor dem Hintergrund finanzieller Zwänge erhalten. Sieben Mann der potenziellen Startelf könnten noch in der U23 auflaufen, Aimen Demai und Timo Achenbach sind mit 27 Jahren schon die „Alterspräsidenten”.

Der Chefcoach spricht von einem „unheimlich großen Vertrauen” in seine Spieler. „Sie merken bei vielen Lösungen, die wir vorschlagen, dass sie funktionieren. Sie glauben immer mehr daran.” Schwachpunkt bislang war allerdings die Chancenverwertung. „Den Torabschluss haben wir in der Vorbereitung vielleicht etwas vernachlässigt” vor lauter anderer Baustellen. In den letzten Einheiten vor dem Union-Spiel wird nun „bis zum Erbrechen” geübt.

Ein, zwei Positionen in der Aufstellung will Peter Hyballa noch überdenken, obwohl sich letzten Endes in Essen „alle reingespielt haben”. Unwahrscheinlich ist der Start-Einsatz von Benny Auer nach Innenbandanriss, der Torjäger soll jedoch in den Kader gebracht werden.

(Fast) alles auf null. Mit einem Jahr Verspätung - vielleicht erklärt das manches aus den vergangenen zwölf Monaten - wird der neue Tivoli am Freitag eingesegnet. „Mein Vater ist Theologe, der freut sich darüber”, sagt Peter Hyballa. „Aber wir wollen uns nicht nur auf den Fußballgott verlassen. Sondern uns selber helfen.”

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