Erik Meijer: Auch mit 50 Jahren noch bei 100 Prozent

Geburtstag von Erik Meijer : Auch mit 50 noch bei 100 Prozent

Erik Meijer wirkt völlig entspannt. „Jetzt ist meine Ruheperiode“, sagt der TV-Analyst, Trainer, Business-Redner und seit neuestem auch Triathlet. Wie zur aktiven Zeit als Fußballprofi macht Meijer auch jetzt eine Sommerpause. Selbst an seinem 50. Geburtstag am Freitag hat er nicht viel geplant.

Seine Eltern und die beiden Schwestern kommen daheim in Lanaken auf ein Stück Vlaai vorbei. Eine Feier mit Freunden soll es erst in ein paar Wochen geben. Als Aktiver fiel sein Geburtstag oft in die Zeit des Trainingslagers. Jetzt ist Meijer zu Hause, aber die Freunde sind im Urlaub.

Im Jahr 2006, nach dem Aufstieg in die Bundesliga mit Alemannia Aachen, hat Meijer am Tivoli seine Karriere beendet. „Die Zeit ist schnell vergangen“, sagt er. Er habe das Glück gehabt, lange zu spielen, mit 36 Jahren und einem Aufstieg abzutreten, ist nicht jedem vergönnt. „Dann gehst du das erste Mal in Rente. Und ganz ehrlich: Ich wollte nicht vier Mal die Woche mit Kalla Pflipsen und Thomas Stehle auf den Golfplatz gehen“, sagt er und lacht. Meijer wurde Co-Trainer von Michael Frontzeck, nachdem Cheftrainer Dieter Hecking die Alemannia nach dem dritten Spieltag in Richtung Hannover verlassen hatte.

Einer, der den Fußball erklärt

Mit dem Abstieg im Mai 2007 endete Meijers Tätigkeit. Um das neue Stadion zu vermarkten, kehrte er 2008 zurück – Meijer wurde zum Zugpferd der Marketingkampagne für den neuen Tivoli. Und dann wurde er, nachdem der Klub Andreas Bornemann mitten in der Saison verjagt hatte, Ende 2009 zum Geschäftsführer Sport berufen. Am Ende seiner Mission verabschiedete sich die Alemannia 2012 aus Liga 2, die erste Insolvenz folgte, und die Auswirkungen machten auch vor dem einstigen Klubhelden nicht Halt. Im Rahmen des Verfahrens wurde gegen Meijer und seinen Nachfolger Uwe Scherr wegen Insolvenzverschleppung ermittelt – ergebnislos. Viel reden über die Alemannia-Zeit will Meijer nicht mehr. „Ich musste erst suchen, bis ich das Richtige für mich gefunden habe“, sagt er nur.

Das Richtige kam 2012. Am selben Tag erhielt Meijer gleich zwei Angebote, als TV-Analyst zu arbeiten: in den Niederlanden als Experte beim Sender Fox für die Ehrendivision, in Deutschland als Fachmann bei Sky für die Champions League. Beide Offerten nahm Meijer an. „Ich bin da so reingerutscht“, sagt Meijer, der seine Rubrik „100 % Meijer“ bei Sky als Mischung aus Entertainment und Analyse bezeichnet. Gemeinsam mit Manuel Baum, bis zur vergangenen Saison Chefcoach beim FC Augsburg, erstellt der gebürtige Meerssener die Analyse zum Topspiel des jeweiligen Champions-League-Spieltages. Mit großem technischen Aufwand schneiden beide die wichtigsten Szenen zusammen. Wenn die Kamera angeht, ist Meijer-Zeit – dann ist der frühere Vollblutstürmer in seinem Element und zerlegt das Spiel leidenschaftlich in seine Einzelteile.

Fit auch als TV-Experte: Erik Meijer. Foto: imago/Philippe Ruiz/imago sportfotodienst

Gerade hat er seinen Vertrag bei Sky bis 2021 verlängert, die Resonanz auf das Format sei gut. Als Niederländer im deutschen Fernsehen über Fußball reden zu dürfen, sei schon etwas Besonderes. „Sie wollten keinen, der drumrumredet“, sagt Meijer. Den modernen Fußball erlebt er als viel athletischer, jedes Detail im Umfeld sei professioneller geworden. „Und es geht um höhere Beträge – also wird es auch nicht ehrlicher. Und das finde ich scheiße. Schauspielern und Zeitspiel, das habe ich schon als aktiver Spieler gehasst. Das hat sich nicht geändert.“

Der erste Triathlon

Ab der neuen Saison ist Meijer bei Sky auch als Experte für die Premier League im Einsatz. Statt von Dienstag bis Donnerstag ist er dann von Sonntag bis Donnerstag in München. Seine Tätigkeit bei Fox und als Co-Trainer bei seinem Jugendverein MVV Maastricht hat er aufgegeben. In der Vorbereitung, bei jedem Heimspiel und jeden Montag und Donnerstag hat Meijer mit den MVV-Stürmern Extra-Einheiten abgehalten – ohne Bezahlung. „Damit wollte ich meinem Heimatverein etwas zurückgeben.“ Die Zeit auf dem Platz mit jungen Spielern werde er vermissen, sagt der jetzt 50-Jährige. An sportlicher Betätigung mangelt es ihm dennoch nicht. Vor zwei Monaten hat er in Luxemburg seinen ersten Triathlon über die Halbdistanz beendet, er gehört zudem einem Rennrad-Team an, seine Frau Sandra, mit der er seit Jugendtagen zusammen ist, läuft Marathon. „Ich habe die Überzeugung: Wer seinen Körper fit hält, trifft auch im Kopf die besseren Entscheidungen.“ Drei Kilo weniger als zu Zeiten als Profi wiege er heute.

Als Ein-Mann-Unternehmen können Firmen Meijer für Vorträge buchen. Mit seinem Vortrag „You’ll never work alone“ spricht er dann vor Managern und Mitarbeitern, er war schon bei großen Firmen zu Gast. Das ist sein eigenes, kleines Projekt, selbst die Rechnungen schreibt er selbst. „Ich spreche über mein Leben und die Dinge, die ich wichtig finde“, sagt er. Zu den Dingen, die er wichtig findet, gehört auch karitativer Einsatz. Seit seiner aktiven Zeit ist Meijer Schirmherr der Aktion „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ an der Gemeinschaftsgrundschule Pannesheide. Immer wieder ist er in der Schule vor Ort, nimmt seine Aufgabe ernst. Und mit der Stiftung „Golf und Humor“ haben der Ex-Fußballer und acht Freunde aus dem Aachener Raum mit ihrem jährlichen Charity-Golfturnier bereits über 300.000 Euro für notleidende Kinder in der Region eingesammelt. „Wir unterstützen damit verschiedene kleinere Projekte in der Region, die wir auch besuchen“, erzählt er.

Die Wünsche zum 50. Geburtstag sind bescheiden, Erik Meijer ist rundum zufrieden. „Als junger Metzger hätte ich mir nie erträumt, dass ich mal so ein Leben habe. Wenn die zweite Hälfte auch so wird, dann war es ein geiles Spiel!“

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