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3:1 für Alemannia: Ein „Riesenschritt“, aber noch nicht gerettet

3:1 für Alemannia : Ein „Riesenschritt“, aber noch nicht gerettet

Alemannia bringt den Tivoli zum Kochen

Alemannia Aachen besiegt Fortuna Düsseldorf II mit 3:1 und hat den Klassenerhalt in der Fußball-Regionalliga vor Augen. Der steht aber frühestens am Samstagnachmittag fest, wenn die Ergebnisse der Konkurrenz vorliegen.

Wie groß die Erleichterung über den Sieg im letzten Heimspiel der Saison war, zeigte sich unmittelbar nach dem Schlusspfiff. Die Auswechselspieler von Alemannia Aachen bespritzten Fuat Kilic mit dem Inhalt zahlreicher Getränkeflaschen, die Spieler auf dem Platz lagen sich überglücklich in den Armen. Alle Beteiligten suchten dann schnell den Kontakt zu ihren Anhängern, die auch am Freitagabend wieder zahlreich erschienen waren und für Gänsehautmomente gesorgt hatten.

Gemeinsam wurde gehüpft, geschunkelt und gesungen, und vieles deutete daraufhin, dass Mannschaft, Staff und Fans den Verbleib in der Fußball-Regionalliga feiern würden. Da aber erst am Samstagnachmittag feststeht, was dieser 3:1-Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf II Wert ist, schnappte sich Alemannia Aachens Kapitän Peter Hackenberg das Mikrofon und stellte klar: „Wir haben einen Riesenschritt in Richtung Klassenerhalt gemacht, aber wir sind noch nicht gerettet.“ Sollte der Bonner SC bei Rot-Weiss Ahlen nicht über ein Unentschieden hinauskommen, hat das Abstiegsgespenst den Tivoli aber endgültig verlassen und diese so komplizierte verlaufende Saison ein Happy End gefunden.

Schon vor dem Spiel mussten die Spieler eine Botschaft loswerden. „Danke für die tolle Unterstützung“ stand auf einem Transparent, mit dem die gesamte Mannschaft über den Platz lief. Zum finalen Heimauftritt in dieser Saison waren 9900 Zuschauer gekommen, und wieder einmal schafften sie es, den Tivoli in einen Hexenkessel zu verwandeln.

Die Kulisse schien die Gastgeber in den ersten Minuten zu beflügeln, Ergün Yildiz (2.) verpasste nach einer Flanke von Jannis Held die frühe Führung. Die Anfangseuphorie bekam aber schnell einen Dämpfer: Fortunas aus abseitsverdächtiger Position gestartete Patrick Sussek verarbeitete einen langen Ball elegant und schob ihn an dem bis dahin unbeschäftigten Keeper Joshua Mroß vorbei ins Alemannia-Tor (12.).

Die Reaktion auf den unplanmäßigen Schock gefiel dem Trainer nicht, „wir haben zu viele unkontrollierte Bälle nach vorne gespielt“, haderte Kilic. In der schwächsten Phase seiner Mannschaft hätte Düsseldorf nachlegen können: Sussek umkurvte Lukas Wilton und feuerte auf die kurze Ecke, Mroß verhinderte aber den erneuten Einschlag (17.). Seine Vorderleute kamen lediglich zu einigen Halbchancen durch Selim Gündüz (22.) und Dino Bajric (29.), die Fortunas Schlussmann Dennis Gorka aber vor keine großen Probleme stellte.

Den fehlenden spielerischen Zugriff versuchten die Aachener mit Leidenschaft wettzumachen, sie erkämpften sich eine Vielzahl von Eckbällen. Dass ausgerechnet die siebte Hereingabe in der Nachspielzeit der ersten Hälfte zum Ausgleich führte, passte gut ins Drehbuch: Tim Korzuschek fand den Kopf von Franko Uzelac, der auf 1:1 stellte. „Dadurch sind wir mit einem sehr guten Gefühl in die Pause gegangen“, sagt der Torschütze. In der Kabine nahm sein Trainer dann eine Korrektur vor: Er holte mit Tim Korzuschek einen spielstarkten Spieler ins Zentrum, „damit wir im eigenen Ballbesitz mehr Ruhe haben“.

Dass der Plan so schnell aufgehen sollte, dürfte selbst Kilic nicht erwartet haben: Selim Gündüz fand mit seiner Flanke Hamdi Dahmani. Der Schuss des Routiniers wurde noch geblockt, überlegt legte er den Ball aber quer zu Korzuschek, der zum 2:1 traf. Gespielt waren da in Hälfte zwei erst 120 Sekunden. „Wir haben das Spiel innnerhalb von zwei Minuten verloren“, ärgerte sich später Fortuna-Coach Nicolas Michaty.

Die Aachener wirkten jetzt viel ballsicherer, sie kontrollierten den Gegner und setzten immer wieder Nadelstiche. „Wir sind in einen Flow gekommen“, urteilte Korzuschek. Die Chance auf die Vorentscheidung hatte Freistoßspezialist Franko Uzelac auf dem Fuß, seinen Gewaltschuss aus 30 Metern hatte der Düsseldorfer Schlussmann aber im Nachfassen bereinigt (68.). Ein zu schwach getretener Heber von Korzuschek (74.) und ein Weitschuss-Versuch des eingewechselten Marcel Damaschek (75.) sorgten nicht für die Erlösung. Da die Gastgeber aber über 90 Minuten konsequent verteidigten, liefen sie selten Gefahr, den Ausgleich zu kassieren.

Als Dino Bajric sechs Minuten vor dem Ende die neunte Ecke in den Strafraum trat und Hamdi Dahmani Sekunden später aus kurzer Distanz den dritten Treffer erzielte, kannte der Jubel auf den Rängen und dem Platz keine Grenzen mehr. Schiedsrichter Christian Scheper leitete dann mit dem Schlusspfiff die Aachener Feierlichkeiten ein, die auch 20 Minuten nach Spielende noch in vollem Gange waren.

„Wir haben seit Januar hart gearbeitet. Jetzt hier 3:1 vor so vielen Fans zu gewinnen, das ist einfach ein geiles Gefühl“, sagte Korzuschek. Belohnt wurde der Auftritt mit drei ganz wichtigen Punkten im Kampf gegen den Abstieg. Die Gratulationen zum Klassenerhalt von seinem Trainerkollegen wollte Fuat Kilic aber nicht annehmen. „Wir glauben alle daran und hoffen, dass die Ergebnisse morgen in unsere Richtung laufen. Falls das nicht der Fall ist, werden wir die Konzentration und den Fokus darauf legen, dass wir es in Homberg klarmachen.“