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Sieg gegen Lippstadt: Durchatmen bei der Alemannia

Sieg gegen Lippstadt : Durchatmen bei der Alemannia

Alemannia schickt Lippstadt mit 3:1 nach Hause

Die Mannschaft holte sich noch den verdienten Applaus ab, als der Trainer die Mixed-Zone betrat. Fuat Kilic blies die Wangen auf und atmete kräftig durch, die Zeichen der Erleichterung waren deutlich zu erkennen.

Mit 3:1(2:0) hatte sich Alemannia Aachen gegen den SV Lippstadt durchgesetzt. Es war ein über weite Strecken souveräner Erfolg, der um ein paar Tore zu niedrig ausgefallen und in der Schlussviertelstunde unnötigerweise in Gefahr geraten war. „Ich bin überglücklich, dass wir den Vorsprung nicht aus der Hand gegeben haben“, sagte Alemannias Coach. „Alles andere als ein Sieg von uns wäre heute unverdient gewesen.“

Die Analyse war durchaus zutreffend, vor allem, weil der Leistungsunterschied in der ersten Halbzeit gravierend war. Aus Aachener Sicht hätte das zweite Heimspiel in Folge nämlich schon früh in die richtigen Bahnen gelenkt werden können, Steven Rakk (3.) traf nach einer flachen Hereingabe von Robin Garnier aber nur die Latte. Es war der Startschuss für eine Angriffswelle, die Lippstadt nur schadlos überstand, da Schiedsrichter Laurent Kopriwa Vincent Boesen (4.) und Matti Fiedler (5.) bei ihren Treffern im Abseits wähnte.

Die Marschrichtung blieb unverändert, mit viel Leidenschaft und einer gehörigen Portion Galligkeit kauften die Hausherren den verunsicherten Gästen den Schneid ab. Kilic hatte den elf Spielern das Mandat für die Startelf erteilt, die schon in der Vorwoche gegen RW Oberhausen beginnen durften, und der Trainer sollte von seinen Schützlingen nicht enttäuscht werden. „Wir wussten, welche Wucht auf uns zukommt“, sagte SV-Coach Felix Bechtold. „Unter dem Strich konnten wir froh sein, dass wir nicht noch früher in Rückstand geraten sind.“

Nach 14 Minuten war es dann aber so weit, und nach Lage der Dinge hatten sich die Gäste den Gegentreffer redlich verdient: Einen Einwurf von Marco Müller verlängerte Alex Heinze mit dem Kopf vor die Füße von Stipe Batarilo. Der technisch versierte Mittelfeldspieler war großzügig mit Platz ausgestattet worden und schoss den Ball von der Strafraumgrenze flach ins Tor – 1:0. Auch nach der Führung hielt das Kilic-Team das Tempo hoch. Boesen (17.) traf nur den Außenpfosten, Garnier (24.) die falsche Entscheidung: Statt selbst aus zehn Metern den Abschluss zu suchen, entschied er sich für einen Querpass, der keine Konsequenzen für Lippstadt hatte. „In der Halbzeit habe ich mich sehr darüber aufgeregt. Zumal wir vorher noch besprochen haben, frühzeitig abzuschließen“, sagte der Rotschopf.

Auch der Torschütze verpasste es, den Vorsprung auszubauen, Batarilo (28.) scheiterte an Christopher Balkenhoff. Lippstadts Keeper war an diesem nass-kalten Nachmittag nicht zu beneiden, da seine Vorderleute ihn häufig im Stich ließen; auch Sergio Gucciardo, der bis vor ein paar Wochen noch am Tivoli unter Vertrag stand und in der Startformation der Gäste stand, erwischte keinen guten Tag. Und einen Gegentreffer aus knapp 30 Metern zu kassieren, ist für einen Torhüter stets undankbar: Sebastian Schmitt (38.) ließ Balkenhoff mit einem perfekten Schuss in den Knick keine Chance – 2:0. „Das war eine spontane Entscheidung. Dass ich den Ball so treffe, war natürlich glücklich“, gab sich der schnelle Linksaußen bescheiden.

Es war der verdiente Lohn für einen hervorragenden Auftritt in den ersten 45 Minuten. Ricco Cymer erhielt nur einmal die Gelegenheit sich auszuzeichnen, den einzigen Lippstädter Torschuss in der ersten Halbzeit von Kevin Hoffmeier (40.) parierte Alemannias unterbeschäftigter Schlussmann allerdings stark. Ein dritter Treffer wäre dagegen fast noch auf der anderen Seite gefallen, Fiedlers Kopfballaufsetzer ging jedoch über den SV-Kasten (45.). Zur Pause spiegelte sich die Aachener Dominanz dann auch im Zahlenwerk wider: 6:0 Ecken, 11:1 Torschüsse.

„In der zweiten Halbzeit haben wir die Bälle zu schnell hergeschenkt und zu wenig gemacht“, bilanzierte Kilic. Die Gäste hatten sich in der Kabine neu sortiert und beteiligten sich erstmals aktiv am Spielgeschehen, die Hausherren agierten dagegen nicht mehr so druckvoll. Die Kräfteverhältnisse verschoben sich, die besseren Chancen gingen aber weiterhin auf das Aachener Konto: Batarilos Versuch (53.) aus 14 Metern wurde zur Ecke geblockt, Heinze (63.) köpfte nach einer Rüter-Ecke freistehend am Tor vorbei. „Ein 2:0 ist immer ein gefährliches Ergebnis“, sagte Bechtold – und der Gästetrainer sollte Recht behalten.

Lucas Arenz (65.) hätte per Kopf bereits für den Anschlusstreffer sorgen können, der SV-Angreifer bekam aber nicht genug Druck auf den Ball. Besser machte es sein Kapitän, Janik Brosch (76.) traf wuchtig aus 18 Metern zum 1:2. Das Zittern begann, da es Boesen (78.) aus zehn Metern nicht gelang, die Nerven seiner Mitspieler zu beruhigen. Der vierte Treffer außerhalb des Sechzehners sorgte dann für die Entscheidung: Ein Freistoß landete über Umwege vor den Füßen von Garnier (84.), der diesmal aus dem Rückraum direkt abzog – und belohnt wurde. „Normalerweise musst du 4:1 oder 5:1 gewinnen“, sagte Kilic, der sah, wie seine Mannschaft noch zwei Hochkaräter durch den eingewechselten „Aushilfsstürmer“ Patrick Salata (87.) und Batarilo (89.) vergab. Beide scheiterten freistehend an Balkenhoff.

Das änderte nichts mehr daran, dass am Ende des Arbeitstages ein zufriedener Trainer zurückblieb. „Die Mannschaft findet immer mehr zusammen“, sagte Kilic nach dem vierten Spiel ohne Niederlage. „Wir haben diesen Zwang abgelegt, irgendetwas erreichen zu müssen. Es geht einfach nur darum, dass Maximale herauszuholen.“