Alemannia gewinnt in Herkenrath: Drei Punkte und einige Makel

Alemannia gewinnt in Herkenrath : Drei Punkte und einige Makel

Am Ende der Woche stand die optimale Punkteausbeute gegen zwei Abstiegskandidaten. 2:0 am Dienstag in Wiedenbrück, am Samstag dann 2:1 beim TV Herkenrath. Am Ende der Woche standen dann aber auch ziemlich viele Punkte auf dem Aufgabenzettel von Fuat Kilic.

Der Erfolg beim Auf- und Absteiger Herkenrath stand fest nach der schlechtesten Leistung seit Monaten. Die Mannschaft gönnt sich gerade fast kollektiv einen Spannungsabfall. „Eine Frage der Einstellung”, fasste Aachens Trainer den schlappen Auftritt zusammen. „Daran werden wir arbeiten.” Immerhin schafft es sein Team gerade auch mit überschaubarer Leistung optimal zu punkten. Zufriedenheit zog deswegen nicht ein.

Herkenraths Trainer Guiseppe Brunetto bedankte sich später für die Aachener Komplimente, aber der Improvisationskünstler machte aus seiner schlechten Laune kein Geheimnis. Er fühlt sich vom eigenen Vorstand im Stich gelassen, der keine konkreten Ansagen mache, in welcher Liga das Team in der nächsten Saison startet. Und auch das eigene Publikum honoriere nicht die imponierende Leistung der Mannschaft, die im Winter neu zusammengesucht wurde, nachdem mehr als ein Dutzend Stammspieler den klammen Verein verließen. „Von den 540 Zuschauern heute kamen mehr als 500 aus Aachen, aus Herkenrath waren nur ein paar Familienangehörige der Spieler da”, war der Trainer des Schlusslichts erkennbar frustriert.

Sein Aachener Zunftkollege Kilic hatte dieselbe Mannschaft wie vier Tage zuvor in Wiedenbrück aufgeboten. Es ließ sich noch gut an beim abgeschlagenen Tabellenletzten. Wieder brachte Dimitry Imbongo seine Mannschaft in Führung (10.). Die Hausaufgaben waren gemacht, aber das 1:0 hatte anästhesierende Wirkung, Alemannia dimmte das Tempo, machte es sich gemütlich. „Wir sind lethargisch geworden”, wunderte sich David Pütz. Vor dem Anpfiff hatte sein Trainer gefordert, man solle den Gegner in dessen Hälfte „stressen”, ihn unter Druck setzen, zu Fehlern zwingen. Gestresst war aber dann nur Kilic selbst, denn seine Mannschaft war ohne große Körperspannung unterwegs. Ziemlich mühelos hielten die Gastgeber die Aachener von ihrem Tor fern. Das Spiel bekam immer mehr Löcher. Die langweilige Partie war unerwartet offen. Und so war der Ausgleich nicht einmal unverdient. Kenen Akalp dribbelte sich unbehelligt durch Aachens Abwehr und vollendete zum 1:1 nach 26 Minuten.

Die Aachener verließen auch nach dem Seitenwechsel nur selten das Tal der Antriebslosigkeit, eigene Torchancen gab es nicht. Es hätte noch ärger kommen können, bei einem der seltenen Konter der Gastgeber musste Matti Fiedler energisch einschreiten, sonst hätte Michael Hasemann aus zehn Metern gar die Führung für den Absteiger erzielt (60.).

Kilic reagierte, hatte bereits nach 66 Minuten alle Wechsel vollzogen, Bösing, Garnier und Schmitt sorgten für etwas mehr Tiefe im Aachener Spiel. Zwingend wurde es deswegen nicht. Die ärmste Sau im Stadion blieb Alemannias Liveticker-Beauftragter, denn selbst mitder größten schwarz-gelben Vereinsbrille ließ sich kaum ein berichtenswerter Moment festhalten. Es gab nur den einen Lichtblick, und es war kein Zufall, dass das Siegtor ein Abwehrspieler mit einer enormen Willensleistung schaffte. Nach einem abgewehrten Eckball machte sich Alexander Heinze auf, spurtete über das gesamte Spielfeld, Doppelpass mit Robin Garnier, und der Abwehrhüne schob ein zum Siegtreffer nach 81 Minuten. „Das war ein dreckiger Sieg, wir können es besser”, analysierte der Schütze später. Zum desolaten Auftritt passte auch, dass sich Pütz seine fünfte Gelbe Karte und damit eine Zwangspause gegen RW Essen am nächsten Spieltag einfing.

„Das Spiel sollte uns warnen”, urteilte Kilic vor der Heimfahrt. Schließlich lässt sich Herkenrath in der Gewichtsklasse des 1. FC Düren einordnen, der im Pokalhalbfinale auf die Aachener lauert.

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