Alemannia und der WDFV: Der Wunsch nach mehr Transparenz im Sündenregister

Alemannia und der WDFV : Der Wunsch nach mehr Transparenz im Sündenregister

Vor ein paar Tagen ist Martin vom Hofe zum Präsidium des Westdeutschen Fußballverbandes nach Duisburg gefahren. Alemannias Geschäftsführer kam nicht alleine zur Audienz auf der Vorstandsetage, auch die Kollegen von RW Oberhausen, RW Essen und vom Wuppertaler SV schauten vorbei.

Es gibt durchaus ein paar Themen, die den Klubs unter den Nägeln brennen. Diesmal war es ein entspannter freiwilliger Termin, aber meistens werden die Vereine eher vorgeladen, sie sind Stammgäste bei der Spruchkammer des Westdeutschen Fußballverbandes, weil in unschöner Regelmäßigkeit ihre Fans über die Stränge schlagen. Die Regionalliga-Klubs verbindet ein üppiges Sündenregister, aber auch der Wunsch nach mehr Transparenz.

Die Straftarife variieren ziemlich stark, ein Feuerzeugwurf am ersten Spieltag wird zum Teil anders geahndet als am 24. Spieltag. Im Gegensatz zu den ersten drei Ligen gibt es keinen nachvollziehbaren Strafenkatalog, den mahnte das Quartett noch einmal an. Schon seit langem will der Verband den Rahmen für die Sanktion von Verstößen nachvollziehbar vorgeben.

Alemannias letztes Urteil hat inzwischen Rechtskraft erlangt. Die Spruchkammer unter der Leitung von Sportrichter Hubert Jung hatte einen „Kassensturm“ bei der Partie in Wattenscheid Anfang Dezember mit 4500 Euro sanktioniert. Zuvor stand in dem schriftlichen Verfahren eine Buße von 6000 Euro im Raum. Alemannia hat das verhängte Strafmaß akzeptiert, auch wenn sich vom Hofe mit dem Begriff „Kassensturm“ in diesem Fall nicht anfreunden mag.

In Wattenscheid seien neun namentlich bekannte Fans ins Stadioninnere gelaufen, schildert er. Sie hätten anderen Anhängern möglichst schnell zur Seite stehen wollen, die gerade Stress mit den Ordnungsbehörden hatten. Alle neun Kassenstürmer seien in Besitz von Eintrittskarten gewesen. Das schützt natürlich nicht vor Strafe der Spruchkammer. Alemannia kläre gerade juristisch, ob die Auslöser der jüngsten Geldbuße vom Verein in Regress genommen werden können, sagt vom Hofe. Unverändert gelte: „Ich gehe nicht zum Fußball, um körperliche Gewalt zu erleben. Das lehnen wir komplett ab.“

Das nächste Verfahren zeichnet sich schon ab, nachdem der Schiedsrichter der Partie gegen den Wuppertaler SV, Jörn Schäfer, einen Zusatzbericht beim Verband eingereicht hat. Darin hält er fest, dass aus dem Stehplatzbereich eine Wasserflasche aufs Spielfeld geworfen wurde, und ärger noch: Sein Assistent sei von einem Feuerzeug am Arm getroffen worden.

Der Feuerzeugwerfer habe sich umgehend den Ordnungsbehörden selbst gestellt und sich sofort beim Assistenten entschuldigt, sagt vom Hofe. Der Mann, der sich widerrechtlich in dem Sitzblock aufhielt, habe im Affekt gehandelt, hat er ausgesagt. Er war genervt von einer Partie, die immer wieder minutenlang unterbrochen wurde, weil Wuppertaler Spieler dahinsanken wie Schneemänner im Solarium. In Alemannias Sündenkartei taucht der Werfer bislang nicht auf, sagt vom Hofe. „Er ist vorher noch nie aufgefallen.“

(cp)
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