Aachen: Der Tivoli erwacht zu neuem Leben

Aachen: Der Tivoli erwacht zu neuem Leben

Es war für Alemannia ein Tag wie in der Glücksfabrik eigens angefertigt. Der Zweitligist schlägt den Tabellenführer der Bundesliga, den FSV Mainz 05, mit 2:1. Das war vorher als Sensation ausgerufen, nach 90 aufregenden Minuten war es etwas anderes: hoch verdient.

Niemand konnte bisher sagen, wie laut dieser Tivoli sein kann. Die Premiere verschlug den 32.900 Besuchern im vorletzten Sommer glatt den Atem, danach wurde es immer leiser. Am Mittwoch erwachte das Stadion zu neuem Leben. „Wir wären froh, wenn wir heute den Hexenkessel wachgeküsst hätten”, sagte ein erschöpfter, aber glücklicher Aachener Trainer Peter Hyballa.

Seine junge Rasselbande hat sich aufgemacht, um für Furore zu sorgen. Und noch kann niemand vorhersagen, wohin dieser Weg führt. Nebenbei lösten die Aachener noch einen Scheck über 531000 Euro ein, der mit dem Einzug ins Pokal-Achtelfinale verbunden ist.

Die Teams begegneten sich auf Augenhöhe. Dass sich Aachen dafür auf die Zehenspitzen stellen musste, war klar. Dass das problemlos klappte, wurde schon nach 38 Sekunden deutlich, als sich Arslan im Strafraum durchsetzte, seine Flanke verpassten Auer und Uludag.

Da standen sich zwei Teams mit einem ähnlichen Konzept gegenüber. Balleroberung, schnelles Umschalten. Nur setzte sich die klassenhöhere Mannschaft nicht durch. Mainz wusste nicht wohin mit den Pässen. So kam es, dass Keeper Wetklo bis zur Pause die meisten Ballkontakte hatte.

Auch Heimkehrer Lewis Holtby fiel nicht viel ein, er wurde zur Pause ausgewechselt. Die Aachener waren galliger, „sie haben uns den Schneid abgekauft, das haben sie richtig gut gemacht”, erkannte Mainz´ Manager Christian Heidel an.
Die Klasse von Mainz blitzte nach 25 Minuten zum ersten Mal auf, Holtbys Zuspiel zirkelte Ivanschitz knapp vorbei. Trainer Tuchel hatte vier neue Spieler berücksichtigt, sein Mittelfeld hatte er verlangsamt. Ivanschitz, Karhan und Soto liefen häufiger der Musik hinterher, die die Aachener anstimmten.

Glück beim Abseitspfiff

Keeper Hohs wäre fast ein Scorerpunkt gelungen. Sein wuchtiger Abschlag landete präzise bei Zoltan Stieber, der Ungar scheiterte unbedrängt mit einem Heber (25.) an Wetklo. Aachens linke Seite nahm Fahrt auf. Konter über Arslan und Stieber, und dessen präzise Hereingabe brauchte Benjamin Auer nur noch ins Tor schubsen - 1:0 nach 26 Minuten.

Die gute alte Pokalstimmung machte sich breit. Und zufrieden nahmen die meisten der 25657 Besucher auf, dass Schiedsrichter Peter Gagelmann einen Treffer von Sami Allagui ins Abseits verlegte. Eine Fehlentscheidung (30.).

Halbzeit: Tuchel versuchte zu korrigieren, und Ivanschitz scheiterte gleich am bärenstarken David Hohs (48.). Es wurde nur eine kurze Drangphase, Stieber ließ zwei prächtige Chancen fast fahrlässig aus (50./58.).

Das rächte sich diesmal nicht im ewigen Duell David-Goliath. Weil Marco Höger ein Treffer gelang, den man ausschneiden und ins Museum tragen sollte. Aus 22 Metern zirkelte er den Ball mit seinem vermeintlich schwächeren linken Fuß ins Tor: 2:0 (60.).

Mainz kam noch einmal auf, der eingewechselte Szalai verkürzte zum 2:1, aber die Attraktion der letzten Wochen kam nicht auf Touren. „Wir waren heute nicht so frisch und klar wie in den letzten Wochen”, bilanzierte Tuchel, der kurz vor Schluss noch wegen fortgesetzten Reklamierens auf die Tribüne verwiesen wurde.

Die Schlussphase gehörte Aachen. Die eingewechselten Gueye und Junglas hätten die Spannung reduzieren können. Dennoch musste sich Aachen nicht durchzittern bis zum finalen Jubel. „Wir haben das richtig gut gemacht”, jubelte Alper Uludag am späten Abend.

Die „Söhne Aachens” schafften es auch gegen die Hochprominenz, ihr Spiel durchzusetzen. „Wir haben heute gegen den Tabellenführer der Bundesliga verdient gewonnen. Das muss erst einmal sacken”, staunte der heisere Keeper David Hohs.

Sonntag ist wieder Liga-Alltag. Zwei spannende Fragen stehen an. Wie viele Fans kommen auch gegen den VfL Osnabrück? Und dann bekommt auch noch die Sportschau in der ARD ab 18 Uhr Bedeutung, wenn der Gegner für das Pokal-Achtelfinale ausgelost wird.

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