Aachen: Der „Sechser” vermisst mehr Kreativität

Aachen: Der „Sechser” vermisst mehr Kreativität

So ein „alter Fahrensmann” wie Friedhelm Funkel ist durchaus erfrischend in dieser Zeit von aufstrebenden jungen Fußballtrainern, die Flip-Charts so lange mit Edding-Stiften bearbeiten, bis das Blatt eine nahezu künstlerische Reife erlangt. Der Chefcoach von Alemannia Aachen denkt grundsätzlich weniger verquast, und in Situationen wie jetzt, wo es für die Schwarz-Gelben nur noch um den Klassenerhalt geht, erinnert Funkel gerne an die alten und doch weiterhin gültigen Erkenntnisse.

„Wer nicht versucht, zum Torabschluss zu kommen, der wird auch kein Tor erzielen”; seine Mannschaft versuche das noch „viel zu wenig”. Der 57-Jährige ermuntert auch im Training immer wieder, „da bekommt keiner mit mir Probleme, wenn der Ball aus 20, 25, 30 Metern vorbei geht”. Denn irgendwann wird er „auch mal abgefälscht und geht rein”. Nächste Möglichkeit: am Sonntag ab 13.30 Uhr bei Eintracht Frankfurt, als „krasser Außenseiter”.

Bas Sibum ist der Einladung zum „Draufhämmern” zuletzt äußerst emsig gefolgt. Der Niederländer versteckt sich prinzipiell nicht, deshalb wurde er im Sommer von NEC Nimwegen an den Tivoli geholt. Wenn auf dem Platz ein emotionaler Brandherd entsteht, ist der 28-Jährige schnell zur Stelle; die erste Gelbsperre hatte sich Sibum schon am 11. Spieltag abgeholt.

„Eigentlich denke ich ja nur defensiv”, sagt der „Sechser”. „Ich bin einer, der den Ball klaut, und keiner wie Lionel Messi.” Die Zwischenbilanz vor dem Ausflug an den Main: „Das hatte ich mir anders vorgestellt. Ich bin nicht zufrieden” - ein Blick auf die Tabelle genügt - „alle tragen schuld, ich auch.”

Von Funkel geschätzt

Eines lässt Bas Sibum allerdings nicht auf sich sitzen: Kritik an seiner Passqualität nach erfolgreicher Balleroberung. „Damit bin ich nicht einverstanden. Meine Qualität ist auch, dass ich relativ wenige Bälle verliere.” Friedhelm Funkel schätzt an dem Rechtsfuß neben seiner Erfahrung (176 Einsätze in der Ehrendivision), „dass er antizipiert, zweikampfstark ist und die Übersicht behält”. Das räumt Sibum ein: „Ich bin ein Spieler, der nicht 9 oder 10 spielt”, die Top-Noten im niederländischen Fußball, „sondern lieber immer 6.” Solide, ohne Firlefanz.

Alemannias grundsätzliches Problem: „Wir haben zu wenige, die den Unterschied machen zwischen Gewinnen und Verlieren”, sagt Bas Sibum. „Wir haben zu wenig Kreativität.” Anouar Hadouir, das sei „so ein kreativer Typ”, aber der braucht nach einigen Rückschlägen noch seine Zeit. „Den wahren Anouar werden wir erst im nächsten Jahr sehen”, kündigt Friedhelm Funkel an. „Wenn er krankheits- und verletzungsfrei bleibt.”

Der Trainer hat in den nahezu zwei Wochen seit dem letzten Spiel gegen den MSV Duisburg durchaus ein paar Hinweise erhalten, die zum Nachdenken über die Startelf anregen. „Der eine oder andere hat schon auffallender trainiert.” Namen nennt Funkel nicht, doch sollen sich Manuel Junglas und Marco Stiepermann in den Vordergrund gearbeitet haben.

Ob Alemannia ein so spielstarker Gegner wie die Eintracht willkommener ist als die Konkurrenten aus der Abstiegszone? „Das”, sagt der Coach, „kann ich nach dem Spiel beantworten.”

Armin Veh rechnet mit einem Geduldsspiel

Bis zu 45.000 Zuschauer erwartet die Eintracht - und Armin Veh keinen Selbstläufer. „Einfach wird es mit Sicherheit nicht”, sagt der Trainer, Alemannia habe „definitiv Klasse. Das ist kein Gegner, den man einfach klar dominiert.” Veh vermutet auf Konter spielende Aachener. „Das heißt für uns vor allem, dass wir eine gewisse Geduld aufbringen müssen.” Bei den Gastgebern fällt Rob Friend wegen einer Kapselzerrung aus.

Die Stadt Frankfurt droht der Eintracht unterdessen mit einem Bußgeld für das Spiel am Totensonntag. An diesem besonderen Feiertag seien gewerbliche Sportveranstaltungen verboten, erklärte Sportdezernent Markus Frank (CDU). Eintracht-Chef Heribert Bruchhagen: „Wir werden für die Ordnungswidrigkeit bezahlen.”

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