Aachen: Der neue Tivoli: Viel mehr als nur ein Stadion

Aachen: Der neue Tivoli: Viel mehr als nur ein Stadion

Links der Straße Brachgelände, an Gut Wolf, ein Ambiente, das an die Nachkriegsjahre erinnerte. Auf der rechten Seite der TÜV, Gewerbebetriebe, Schotterflächen, ein Sportgelände, hinter Hecken versteckt - schließlich der alte Tivoli. So empfing Aachen über viele Jahre Einreisende.

Eine fragwürdige Visitenkarte. Das Bild hat sich gewandelt. Die Stadt zeigt sich von einer ihrer repräsentativsten Seite, und die Verschönerungskur ist noch nicht beendet. Der Neubau des Tivoli hat dies möglich gemacht. Denn - und das war entscheidend - es sollte nicht „nur” ein neues Stadion gebaut werden: Ab dem Prager Ring sollte eine ganz neue städtebauliche Situation geschaffen werden. Eine, die Generationen von Besuchern Lust auf Aachen macht.

An der Krefelder Straße dominieren heute eindrucksvolle Bauten, die von der Umsetzung einer konzeptionellen Rahmenplanung zeugen. Das Finanzzentrum setzte einen ersten Akzent, der nach einem Pendant verlangte. Dies schafft der Sportpark Soers. Die Stadionlandschaft aus Spring- und Dressurstadion des ALRV sowie dem neuen Tivoli sucht wohl deutschlandweit ihresgleichen.

Drei Schwerpunkte

Die Gestaltung des Umfeldes ist eine integrale Aufgabe zum Gelingen des Ganzen. Darüber bestand bei Politik und Verwaltung nie ein Dissens. Mit drei Maßnahmen hat die Stadt den Neubau des Tivoli durch die Alemannia flankiert: die Umgestaltung der Krefelder Straße, den Bau des Vorplatzes und vor allem durch die Errichtung einer zweiten Fußgängerbrücke auf Höhe des Finanzzentrums. Ihre Konzeption steht, Fördergelder sind beantragt, 2010 sollen Sportfans über sie flanieren.

Die Dimension dieser drei Maßnahmen bedurfte einer exakten Abstimmung, eine Aufgabe, die für Heike Ohlmann zum Fulltime-Job wurde. Sie ist seit zwei Jahren Gesamtkoordinatorin des Sportparks Soers. „Eine lange Geschichte”, erzählt sie, „die mit einem Standortvergleich begann.

Schließlich mussten die Alternativen Merzbrück und Krefelder Straße verglichen werden.” Die Entscheidung fiel zugunsten der direkten Nachbarschaft zum alten Tivoli. Ein wenig stolz ist Heike Ohlmann, wenn sie von ihrer Idee erzählt, den Grundriss des neuen Tivoli schräg zur Krefelder Straße zu positionieren.

So stehen die drei Stadien des Sportparks in rechtwinkliger Symmetrie. Und vor dem neuen Tivoli entstand ein großer dreieckiger Platz - weit mehr als ein Treffpunkt vor dem Spiel. Ein Vergleich veranschaulicht seine Dimension: Auf ihm hätten Dom, Katschhof und Rathaus Platz.

Die Größe der Bodenplatten und deren durchgängig gleiches Format sorgen für optische Ruhe. Der puristische Stil wird durch Bauminseln und Stufenrondels - gleichzeitig Sitzgelegenheiten - nicht beeinträchtigt.

Der Vorplatz ist mit sechs Millionen Euro der kostenintensivste Part. Die Krefelder Straße selbst musste auch aufwändig umgeplant werden. Zusätzliche Busspuren als funktionaler Aspekt gingen einher mit einer neuen Baumreihe, die optische und ökologische Verbesserungen bringt. 1,75 Millionen Euro kostet diese Maßnahme. Absoluter Blickfang wird aber die neue Fußgängerbrücke.

Über zehn Millionen Euro kostet das neue Entree in die Stadt. Eine Investition für Jahrzehnte. Aachen hat ein zukunftsweisendes Portal bekommen.


Dieser Beitrag stammt aus der 36-seitigen Sonderbeilage „Na, gespannt?” zum neuen Tivoli, die am Samstag, 15. August 2009, in den Druckausgaben von Aachener Zeitung und Aachener Nachrichten erscheint.

Mehr von Aachener Nachrichten