Aachen: Das tägliche Déjà-vu in Alemannias Kabine

Aachen : Das tägliche Déjà-vu in Alemannias Kabine

Theoretisch könnte Joy-Lance Mickels am Wochenende ein Comeback für Alemannia Aachen feiern. Sein neuer Verein Wacker Nordhausen hat am Samstag spielfrei. Und für Alemannia steht sein eineiiger Zwillingsbruder Joy-Slayd im Kader in der Partie am Samstag gegen RW Oberhausen (14 Uhr).

Unterscheiden lassen sich die beiden Spieler mit der ansteckenden Fröhlichkeit nur für Eingeweihte wie Aachens Abwehrchef Maurice Pluntke, der mit den beiden Brüdern früher in Mönchengladbachs Nachwuchsleistungszentrum kickte. Joy-Slayd hat eine Tätowierung an der linken Schulter, aber welcher Schiedsrichter hat schon den Überblick über den kompletten Körperschmuck, der in der Regionalliga am Ball ist? Es wird ohnehin nicht so kommen, eine solche Verwechslungskomödie ist nicht vorgesehen. Bis auf weiteres geht Joy-Lance in der Regionalliga Nordost auf Torejagd, auch wenn er von einer „gewöhnungsbedürftigen“ neuen Umgebung spricht.

Zwillingsgeschichte: Joy-Slayd Mickels stürmt gerade für Alemannia, sein Bruder Joy-Lance (Foto unten links) war Publikumsliebling. Foto: imago

Die drei Mickels-Brüder — Leroy-Jacques spielte in der letzten Saison auch einige Wochen am Tivoli — sind in einer Whatsapp-Gruppe zusammengeschlossen. Und man kann sich vorstellen, wie lebhaft es dort zugeht. Natürlich war vor einigen Wochen der anstehende Wechsel von Joy-Slayd zur Alemannia ein Thema. Bei seinen Erkundungen erfuhr Joy-Slayd, dass da gerade ein Trainer amtiert, „der für viele Späße zu haben ist, aber bei dem man wissen muss, wo die Grenze ist“.

Natürlich erlebt auch Fuat Kilic täglich ein Déjà-vu, wenn er vor der Mannschaft steht. „Inhaltlich“ lassen sich die beiden 23-Jährigen durchaus unterscheiden. Kilic hält Joy-Slayd für „etwas reifer“, obwohl dieser acht Minuten jünger ist als sein Bruder. Das mag auch daran liegen, dass der Jüngere schon mehr Verantwortung übernehmen muss, Joy-Slayd ist Vater von drei kleinen Mädchen. „Joy-Slayd weiß sehr gut, wann etwas Zurückhaltung angesagt ist. So haben wir schnell zueinander gefunden“, sagt der Trainer, der nie einen Hehl daraus gemacht, wie sehr ihm Joy-Lance im letzten Jahr ans Herz gewachsen ist.

Fußballerisch gibt es deutliche Unterschiede, die Bewegungsmuster sind unterschiedlich: „Joy-Slayd ist kämpferischer und besser im Torabschluss“, sagt sein Bruder, „vielleicht bin ich dafür besser im Spielaufbau.“ Der Trainer mag das gradlinige Spiel seines aktuellen Stürmers. „Er fackelt nicht lange, ist ohne Ball aktiver.“ In der Bruderwertung führt Joy-Slayd mit einem Saisontreffer.

Das soll erst der Anfang sein, der 23-Jährige ist gierig nach weiteren Toren. Die Rolle des Publikumslieblings ist nach dem Weggang von Joy-Lance erst einmal nicht vergeben. „Das will ich mir erarbeiten“, sagt sein Zwillingsbruder. Treffer erhöhen die Zuneigung, auch wenn Trainer die Dinge komplexer bewerten.

Noch hat Kilic nicht entschieden, welche Rolle Joy-Slayd am Samstag gegen Oberhausen spielt. Zweiter Stürmer, Angreifer auf dem Flügel, Joker? „Ich muss sehen, was am besten zu dem Gegner passt.“ Joy-Slayd wird trotzdem einen guten Tag am Tivoli haben. Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind die Mickels-Brüder mit einem unfassbar breiten Grinsen zur Welt gekommen sind. „Wir sind als Frohnaturen geboren“, sagt Joy-Lance.

Eines Tages, so geht der Zwillings-Traum, wollen sie wieder in einer Mannschaft gemeinsam auf dem Platz stehen. Der ehemalige Publikumsliebling Joy-Lance kann sich sogar ein schnelles Comeback am Tivoli vorstellen. Er hat nur zwei kleinere „Bedingungen“: Er möchte dann wieder die Startnummer 11 tragen, „und Fuat Kilic muss Trainer sein“.

Mögliche Aufstellung: Depta - Winter, Heinze, Fiedler, Mohr - Pluntke - Fejzullahu , Pütz, Hammel - J.-S. Mickels, Torunarigha

Schiedsrichter: Jonathan Lautz (Burbach)

Bilanz: 82 Siege/35 Siege/25 Remis/22 Niederlagen/ 117:100 Tore