Aachen: Das letzte Häuflein der Aufrechten

Aachen: Das letzte Häuflein der Aufrechten

Vor drei Jahren wollte der damalige spanische Erstligaklub Celta Vigo das Schicksal bezwingen und bat seine Anhänger, beim Spiel gegen Real Madrid alle verfügbaren Glücksbringer mitzuschleppen.

„Knoblauch, geweihtes Wasser, eine Hasenpfote, zur Not einen ganzen Hasen”, zählte der Klub auf. Von solchen Empfehlungen ist Alemannia Aachen noch ein Stück entfernt.

Der Kader lichtet sich zwar seit Wochen immer mehr, dass man sein Ende schon fast erahnen kann. Dennoch vertraut Trainer Peter Hyballa durchaus den gesunden Spielern und setzt weniger auf externe Glücksbringer. „Wir stoßen an Grenzen, bringen aber immer noch elf gute Jungens an den Start, die sich beweisen wollen.”

Ein Klagelied stimmt der 34-Jährige nicht an, auch wenn am Samstag gegen den FC Augsburg die Stammkräfte Alper Uludag und Thomas Stehle (gesperrt) ausfallen. „Das müssen wir mit Teamgeist und gutem Training kompensieren”, sagt Hyballa.

„Besser spielen und punkten”

Dieses Spiel gegen einen der Turnierfavoriten ist gleichzeitig ein Anschluss-Spiel, um den Kontakt an die erste Tabellenhälfte nicht vorzeitig zu verlieren. „Es ist richtungsweisend: Wir müssen besser spielen und punkten.” Ansonsten droht Alemannia in eine Zone abzudriften, in der es deutlich zugiger wird.

Augsburg hat etwas, was Aachen nicht hat: „Riesige finanzielle Mittel und einen breiten Kader.” Da könnte man in Aachen durchaus neidisch werden. Alemannia hat in erster Linie eine imposante Liste von Langzeitverletzten. Hinzu kommen noch einige Profis, „in die der Trainer noch nicht das große Vertrauen hat”, geht Manager Erik Meijer die Liste durch. Das ist kein Hinweis an Peter Hyballa, vielmehr ein Tadel an erfahrene Spieler, die ihr Geld häufig auf der Bank verdienen.

„Schade, dass ein Spieler wie Aimen Demai unter seinen Möglichkeiten bleibt”, wird Meijer deutlicher. Und auch von Babacar Gueye erwartet er unverändert mehr. Zufällig wird gerade auf der linken Seite nach dem Ausfall von Uludag eine Stelle ausgeschrieben, aber Gueye kommt dafür kaum in Frage. Das hat er überzeugend in der letzten Saison dokumentiert. Er wird als Stürmer gelistet, der aktuell allerdings so viele Treffer aufweist wie Torwart David Hohs.

Diese Partie gegen Augsburg entscheidet bereits ein bisschen über Aachens Möglichkeiten in naher Zukunft. Nach der Partie fängt der freie Verkauf für das Pokalspiel am 22. Dezember gegen Eintracht Frankfurt an. Bislang sind 19.000 Tickets verkauft. Diese Pokal-Partie kann die Ausgangslage eines ganzen Klubs verändern. Stand heute ist, dass der Kader um einen Spieler für die linke Seite ergänzt wird. Gelänge den Aachenern der nächste Coup, wäre der Klub um 1,1 Millionen Euro reicher. „Wenn wir noch einen Spieler dazunehmen wollen, brauchen wir wirtschaftlichen Erfolg”, diktiert Meijer, der selbst Abgänge im Winter nicht ausschließt - „wenn der Preis stimmt”.

Ansonsten bleiben immer noch Hasenpfote, geweihtes Wasser oder Knoblauch. Celta Vigo hat es damals nicht geholfen, die Partie ging 1:2 verloren.

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