Düsseldorf: Das „besondere” Debüt von Tim Krumpen

Düsseldorf: Das „besondere” Debüt von Tim Krumpen

Um 13.52 Uhr an diesem heißen Sonntagmittag zerriss Erik Meijer den Bogen mit den Mannschaftsaufstellungen und seine Eintrittskarte. Gerade mal 22 Minuten waren gespielt, doch der Manager von Alemannia Aachen hatte bereits zu diesem Zeitpunkt die Idee einer seriösen Analyse der Partie aufgegeben.

0:2 lagen die Schwarz-Gelben bei Fortuna Düsseldorf zurück, sie spielten schon ab der zwölften Minute in Unterzahl und mit einem „Greenhorn” im Tor. Im Hinterkopf spukte der Gedanke ans nächste Debakel herum, doch später konnte Meijer immerhin feststellen, dass die Mannschaft „nicht nur den Schaden begrenzt hat”. Mit 1:3 quittierte Alemannia das letzte Auswärtsspiel der Saison, Trainer Peter Hyballa referierte „im Grunde über zwei Partien” - bis zur zwölften und ab der zwölften Minute.

Skurril, absurd, grotesk: Solche Abläufe wie in Düsseldorfs mobilem Stadion (in der großen Arena hat sich der Eurovision Song Contest breitgemacht) sind offensichtlich nur mit Aachener Beteiligung möglich. „Wir haben gut angefangen, Spielfreude gezeigt”, sagte Hyballa, der mit der Umstellung auf das 4-3-3-System Fortunas Außen „als Pressing-Opfer” nutzen wollte. Der schöne Ansatz war pulverisiert, als Lukimya „Langholz” spielte, Sascha Rösler seinen Freund Thomas Stehle in die Tasche steckte und David Hohs an der Notbremse zog.

Ein „leidiges Thema” auch für Aachens Nummer eins: „Klar bin ich letzter Mann. Den Elfer wollte Rösler haben. Aber ein Feldspieler sieht in dieser Situation nur die Gelbe Karte.” Schiedsrichter Peter Sippel verhielt sich regelkonform und zeigte Hohs „Rot”, und plötzlich stand Tim Krumpen im Blickpunkt des Geschehens. „Als der Schiri an die Gesäßtasche griff, habe ich mir gleich Handschuhe und Schienbeinschoner gepackt”: Der Blutdruck des 22-Jährigen war sekundenschnell „ganz oben”. Den Rückstand durch Langeneke konnte Krumpen nicht verhindern, „ich habe mich leider für die falsche Ecke entschieden”.

Das Profidebüt hatte noch eine Steigerung parat. Sechs Minuten später holte Krumpen dann selbst einen Düsseldorfer von den Beinen; es gab wohl zwei Gründe, warum nicht auch der ehemalige U- 23-Keeper vom Platz gestellt wurde. Zum einen bewegte sich Beister (der den Aachener mit dem Knie am Kinn erwischte) leicht seitlich weg vom Tor, zum anderen wollte Sippel wohl nicht auch noch Alemannias Nummer zwei unter die Dusche schicken. „Glück gehabt”, sagte Hyballa, der sich schon mit dem Gedanken beschäftigte, Manuel Junglas zwischen die Pfosten zu zitieren. Fortuna nutzte erneut die Chance vom Elfmeterpunkt gegen Krumpen, Rösler erhöhte (22.).

Wer nun gedacht hatte, dass der Weg zu einem Kantersieg frei war, der sah sich getäuscht. Dass Düsseldorf, wie in der vergangenen Saison heimstärkste Mannschaft der Liga, 80 Minuten lang mit einem Mann mehr unterwegs war, ließ Alemannia nicht erkennen. „Unsere zehn haben das gut gemacht und Gas gegeben”, in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit sah Hyballa den Anschlusstreffer durch Thomas Stehles Kopfball nach Ecke. Und wer weiß, welchen Verlauf diese Partie genommen hätte, wäre Marco Högers Kopfball (57.) nicht knapp am Tor vorbeigezischt. Für die Entscheidung sorgte schließlich Beister (70.) mit einem Sonntagsschuss aus 20 Metern in den Winkel.

Was den Cheftrainer am meisten ärgerte: die Szene, die alle Pläne über den Haufen warf. „Die Innenverteidigung hat wieder mal gepennt. Das ist uns schon ein paar Mal passiert - ein langer Ball des Gegners reicht”, schimpfte Hyballa. „Und David Hohs ist das arme Schwein.” Für Erik Meijer war das Verhalten von Stehle gegen Rösler „der Beweis, dass man Freunde nicht gegeneinander spielen lassen sollte”. Tim Krumpen hatte sich unterdessen seinen Einstand in der Zweiten Liga „anders vorgestellt. Aber hier vor 20.000 Zuschauern und bei dieser Stimmung zu spielen - das war schon was Besonderes.”