Aachen: Chaos-Verteidigung und Chancen-Festival

Aachen: Chaos-Verteidigung und Chancen-Festival

Ein Dutzend Bundesliga-Scouts hatte sich zur Zweitliga-Partie zwischen Alemannia Aachen und Greuther Fürth angesagt. Ihr Fazit zu Halbzeit eins dürfte nach dem 2:2 einhellig ausgefallen sein: Kein Aachener Spieler will in absehbarer Zeit den Tivoli verlassen.

Den zweiten Durchgang fasste Torjäger Benny Auer zusammen, nachdem die Alemannia den 1:2-Rückstand zur Halbzeit zwar noch ausgleichen, aber trotz einer Handvoll hochkarätiger Chancen nicht mehr zu einem Sieg drehen konnte: „Wir haben es dem gegnerischen Torwart zu einfach gemacht.”

Aachens Trainer hatte das Team im Vergleich zum Pokal-Spiel gegen die Bayern auf zwei Positionen verändert. Linksfuß Shervin Radjabali-Fardi empfahl sich nachhaltig für die Rechtsverteidiger-Position (Hyballa: „Das war richtig gut, so eine Leistung hätte ich mir von einigen der Älteren gewünscht.”), Bilal Cubukcu startete als Spielmacher - und wurde zur Halbzeit rausgenommen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Aachen bereits zwei Treffer kassiert: Felix Klaus hatte sich mit dem ersten Angriff durch Timo Achenbach und Tobias Feisthammel durchgespielt, seine Flanke brachte Bernd Nehrig Richtung Tor, Christopher Nöthe vollendete mit der Fußspitze (7.). Auch beim zweiten Treffer, als Stephan Fürstner einen von Alemannia-Torwart David Hohs abgewehrten Schuss über die Linie bugsierte (40.), waren die Innenverteidiger nur andächtige Zuschauer. „Chaos-Verteidigung” befand Trainer Hyballa. „Viel schlechter als in Hälfte eins hätte es nicht sein können”, meinte Benny Auer, der ein Zuspiel von Timo Achenbach zum zwischenzeitlichen Ausgleich verwertet hatte (19.).

Nur den eignenen Körper über die Linie gebracht

Eine komplett andere Darbietung bekamen die offiziell gezählten 19468 Zuschauer in den zweiten 45 Minuten geboten - zumindest diejenigen, die auch im Stadion waren und nicht den Liga-Teil ihres Kombi-Tickets verfallen ließen. Der eingewechselte Tolgay Arslan sollte als „Zehner” im Trainer-Auftrag das Spiel in die Hand nehmen, und tatsächlich erkämpfte und erspielte sich die Hyballa-Elf einige 100prozentige Torgelegenheiten, doch nur Manuel Junglas netzte per Kopf eine Flanke von Zoltan Stieber zum Ausgleich ein (50.). Eine Dreifach-Chance durch Stieber, Auer und Arslan wurde dreimal geblockt (61.), Marko Höger vergab freistehend vor Gäste-Torwart Alexander Walke (57.) oder wurde abgeblockt (67.). Auer brachte in aussichtsreicher Position nur den eigenen Körper über die Linie (81.), den präzisen Kopfball von Tolgay Arslan kratzte Walke in der Nachspielzeit mit den Fingerspitzen von der Linie. „Den habe ich eigentlich schon drin gesehen”, ärgerte sich Arslan über die vergebene Chance kurz vor Schluss.

Dass die Alemannia zu diesem Zeitpunkt noch Hopp-oder-Topp spielen konnte, war Torhüter David Hohs zu verdanken, der mit glänzenden Paraden Fürther Konterchancen zunichte machte. „Das war eine überragende Torwart-Leistung”, zollte Aachens Trainer in Sonderlob, in das er auch Fürths Torwart Walke einschloss. „Ich habe ihm aber auch gesagt, dass man so ein Spiel mal zu null nach Hause bringen kann”, fügte der 35-Jährige grinsend an.

„Ein Punkt ist definitiv zu wenig”, ärgerte sich Auer nach einem hin und her wogenden Spiel, das auch 6:6 hätte ausgehen können. „Wir hätten in der Tabelle einen riesigen Schritt nach oben machen können, vor allem, da die Mannschaften, die oben drinstehen, auch reichlich Federn gelassen haben.” Dreigeteilt fiel das Fazit seines Trainers aus: „Vom Unterhaltungswert her war das Klasse, taktisch offensiv war es toll, taktisch defensiv nur Schrott.”

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