Aachen/Walchsee: Casper: „Aggressiv und mit Leidenschaft spielen”

Aachen/Walchsee: Casper: „Aggressiv und mit Leidenschaft spielen”

Alemannias „Kronzeugen” Mirko Casper und Thomas Stehle sind wohl die besten Kronzeugen, wenn es darum geht, die Entwicklung der Mannschaft zu beurteilen. Thomas Stehle, 29, und Mirko Casper, 28, schuften seit sechs bzw. fünf Jahren für Alemannia. Die Verteidiger sind die dienstältesten Profis am Tivoli. Im Interview äußern sie sich zu den Vorbereitungen auf die neue Saison.

Welchen Eindruck haben Sie von der neuen Mannschaft?

Casper: Ich spüre eine Aufbruchstimmung. Wir haben viele neue Leute, die sich durchsetzen wollen.

Stehle: Dass in so einer Phase alle Gas geben, ist normal. Es geht um die Plätze. Aber wir haben hier schon eine spezielle Mischung.

Casper: Das Besondere ist, dass wir sehr viele neue, hungrige Spieler haben. Und viele, die geblieben sind und nicht noch einmal eine solche Saison erleben wollen. Das pusht.

Moderiert wird die Veranstaltung von einem jungen frischen Trainer.

Casper: Das kommt noch dazu. Von seiner Seite werden neue Reize gesetzt.

Ist dieses Team lebendiger als in der letzten Saison?

Stehle: Ich kann es nicht exakt beurteilen, weil ich erst nach der Verletzung am Ende der Rückrunde eingestiegen bin. Da war schon erkennbar, dass wir nicht mehr viel reißen. Da hängen die Köpfe eben. Es war verkorkst.

Casper: Wir haben hier am Walchsee vor einem Jahr auch gut gearbeitet. Es ist nun die Aufgabe von uns erfahrenen Spielern, dass wir den Weg beibehalten. Wenn die ersten Steine im Weg liegen, müssen die weggeräumt werden. Stolpern sollte man darüber nicht.

Sie stehen an manchen Tagen bis zu fünf Stunden auf dem Platz. Kennen Sie solche Intensität?

Casper: Die Art und Weise ist anders, es wird auf kurze, explosive Aktionen hingearbeitet. Vor einem Jahr haben wir mehr Wert auf Ausdauer gelegt. Die Arbeit ist völlig anders, ich habe da keine Erfahrung vorher gemacht.

Stehle: Es ist völlig anders für uns, niemand hat das bislang mitgemacht, dass alles auf dem Platz gemacht wird. Unterm Strich ist das die anstrengendste Vorbereitung. Es geht nicht nur um die Dauer, dazu kommt, dass das Trainergespann enorm viel Wert auf Details legt. Es ist mental anstrengend, dass wir ständig auf Kleinigkeiten hingewiesen werden und uns damit beschäftigen. Die Abläufe sollen sich automatisieren, die Arbeit hier strengt Körper wie Geist an.

Casper: Es gibt viele Besprechungen nach den Einheiten. Fernab vom Platz bekommt man die Ideen der Trainer in den Kopf reingehämmert. Bei der Müdigkeit kann man nicht alles aufnehmen, deswegen werden die Dinge eben häufig wiederholt, bis wir sie verinnerlicht haben.

Hat sich die Ansprache an das Team geändert?

Stehle: Jeder Trainer hat seine eigene Art. Dieser ist sehr dynamisch in seiner Ansprache. So jung und frisch wie er auf dem Platz rüberkommt, ist er auch in der Kabine.

Casper: Er macht keinen Unterschied zwischen erfahrenen und jungen Spielern. Er bewertet nur das, was er sieht.

Haben Sie ein Gefühl dafür entwickelt, wofür diese Mannschaft stehen könnte?

Casper: Der Plan ist, aggressiv und mit Leidenschaft zu spielen. Das ist unsere große Überschrift. Wir wollen früher attackieren, um wieder schneller vor dem gegnerischen Tor zu sein.

Stehle:Wir wollen mutiger spielen, höher stehen. Bei Ballverlust nicht zurückziehen, sondern auch in der gegnerischen Hälfte pressen.

Die Mannschaft ist in den letzten drei Jahren anders gecoacht worden, hat eher auf den Gegner reagiert.

Casper: Man muss den Mut haben, dran zu bleiben. Jedes Team hat Probleme, wenn es zu wenig Druck auf den ballführenden Spieler ausübt. Daran arbeiten wir im Trainingslager gerade intensiv: gut und aggressiv anlaufen, Passwege zustellen, den Gegner in Verlegenheit bringen. Einfach mutig sein.

Gibt es eine Vorfreude auf die neue Saison?

Casper: Ich habe einen positiven Blick auf die Saison, aber die Vorfreude ist noch gedämpft, wir müssen noch lernen, so weit sind wir noch nicht. Der Fokus liegt auf der Arbeit.

Stehle: Wir haben noch die vergangene Saison im Kopf, wir wollen einfach besser werden, mit mehr Spaß auf den Platz gehen. Das ist die Motivation, neu und besser zu starten.

Ist ein Ziel für die Spielzeit besprochen?

Stehle: Tabellarisch nicht. Für mich geht es primär darum, ein anderes Gesicht an den Tag zu legen und Spaß am Fußball zu demonstrieren.

Casper: Mit ordentlichen Leistungen kommen die Ziele von ganz alleine.

Mehr von Aachener Nachrichten