Alemannia und die Effektivität: Auch die Bilanz von „Kinesio-Kaiser“ soll sich verbessern

Alemannia und die Effektivität : Auch die Bilanz von „Kinesio-Kaiser“ soll sich verbessern

Im Sommer wurde die Stoppuhr ausgepackt. Das Trainerteam von Alemannia Aachen wollte den schnellsten Sprinter über 30 Meter ermitteln.

Es war eine klare Angelegenheit, ein Zielfoto wurde jedenfalls nicht benötigt, Marcel Kaiser setzte sich im Duell mit seinen neuen Kollegen durch. 0,5 Sekunden hatte der antrittsstarke Angreifer Vorsprung auf seinen ersten Verfolger Alexander Heinze. „Ich habe schon als Jugendlicher gemerkt, dass ich schneller war als viele andere in meinem Alter“, sagt der 27-Jährige. „Und ich kann lange laufen.“

Auch beim Auftaktspiel 2019 machte Kaiser unermüdlich Dampf auf dem rechten Flügel. Belohnt wurde der Aufwand der Aachener gegen die „Zweite“ des 1. FC Köln aber nur mit einem Punkt, was nach Lage der Dinge zu wenig war. „Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison, dass wir zu viele Punkte liegen lassen, obwohl wir uns genug Chancen herausspielen“, sagt Kaiser, der auch mit seiner persönlichen Scorerbilanz nicht zufrieden ist. Auch beim Auftaktspiel zischten seine Schüsse knapp am Ziel vorbei.

Dass erst ein Tor und zwei Vorlagen in elf Spielen zu Buche stehen, hat auch damit zu tun, dass Kaiser in der Hinrunde immer wieder gesundheitliche Rückschläge einstecken musste. Der schnellkräftige Körper des Angreifers hat sich nur langsam an die hohe Belastung im Training gewöhnt und sich ein paar Pausen gegönnt. Auch die tägliche Fahrt von seinem Wohnort Frechen nach Aachen machte sich bemerkbar. „Er muss lernen, mit seinem Körper besser umzugehen“, sagt Fuat Kilic. Der Trainer weiß aber auch, dass Kaiser ein typischer Tivoli-Spieler ist, der mit seinem Willen und seiner Wucht Publikum und Mitspieler durchaus beflügeln kann.

Um den Vollgas-Fußball praktizieren zu können, greift Kaiser regelmäßig auf Kinesio-Tapes zurück, die er an Spieltagen flächendeckend wie eine vorübergehende Tätowierung am Körper trägt. „Kinesio-Kaiser“ – keiner hat einen höheren Verbrauch im Kader. Mit dem hochelastischen Stoff stabilisieren sich Sportler und schützen sich vor Verletzungen oder Entzündungen von Muskeln und Bändern. „Es war schwer in den Rhythmus zu kommen. Mein Körper musste sich erst anpassen“, räumt Kaiser ein. „Ich merke aber, dass es besser geworden ist.“ An kleinen Stellschrauben wurde gedreht: Regelmäßiges Dehnen steht auf dem Tagesplan, auch die Faszienrollen ist zum ständigen Begleiter geworden.

Die personelle Situation bietet viele Optionen

Warten auf den nächsten Heimsieg

Am Sonntag (15 Uhr) soll nicht nur für den schnellen Rechtsaußen eine kleine, eher unschöne Serie reißen. Der letzte Aachener Heimsieg datiert vom 20. Oktober, ein 4:0 gegen den SV Straelen, danach schauten noch Borussia Dortmund II, Viktoria Köln, Rot-Weiß Oberhausen und der 1. FC Köln II vorbei. Verloren hat Alemannia nicht einen dieser Wettkämpfe, aber auch keinen gewonnen. Das Team ist auf Rang elf abgerutscht. „Dieser Tabellenplatz ist völlig unbefriedigend“, sagt Kilic. „Wir wollen unbedingt nach oben klettern.“

Die unfreiwilligen Remiskönige der Regionalliga West haben die nächste Kletterchance gegen Fortuna Düsseldorf II. Der kommende Gegner fühlt sich in der Ferne allerdings durchaus wohl, die Rheinländer haben sechs Mal auf fremden Plätzen gewonnen und präsentierten sich dort überaus torhungrig. „Eine spielstarke Mannschaft, die eine sehr gute Hinrunde gespielt hat“, sagt Co-Trainer Simon Pesch, der seinen Chef beim Pressegespräch vertrat. Kilic war am Freitagvormittag als Kaderplaner unterwegs, eine Vollzugsmeldung blieb am Freitag aber aus. Das hatte am Donnerstag noch anders ausgesehen: Innenverteidiger Patrick Salata gab als fünfter Profi sein Ja-Wort für die kommende Saison.

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