Aachen: Alemannias Vincent Boesen und die neu entdeckten Joker-Qualitäten

Aachen : Alemannias Vincent Boesen und die neu entdeckten Joker-Qualitäten

Sollte es in der WG von Vincent Boesen und Robin Garnier ein Stimmungsbarometer geben, es dürfte zuletzt deutlich nach oben geschnellt sein. Das liegt natürlich auch ein bisschen an den Toren, die Alemannia Aachens Neuzugänge in den vergangenen beiden Regionalliga-Spielen erzielt haben, viel wichtiger für die Stimmung war allerdings die Wirkung, die von diesen Treffern ausging.

Garnier rettete beim 2:2 gegen den SC Wiedenbrück mit einem wuchtigen Kopfballtreffer in der Nachspielzeit den ersten Saisonpunkt, Boesen erzielte bei Fortuna Düsseldorf II kurz vor Toreschluss den Treffer des Tages, der seinem neuen Arbeitgeber den ersten Sieg in dieser Spielzeit bescherte. „Es spricht für die Moral der Mannschaft, dass wir uns nie aufgeben haben“, sagt Matchwinner Boesen. Der 19-Jährige hat in dieser Saison eine Qualität entwickelt, von der er selbst bislang nicht wusste, dass er sie besitzt: die Joker-Qualität.

Zwei Mal wurde der Angreifer bislang im Ligabetrieb eingewechselt, zwei Mal stand am Ende ein Torerfolg. Die verborgenen Fähigkeiten hatten sich schon im letzten Test vor dem Saisonstart gezeigt, als Boesen gegen Eintracht Stadtallendorf nach seiner Einwechslung traf. „In der Vergangenheit war es häufig so, dass ich eine kurze Anlaufzeit gebraucht habe, bis ich richtig im Spiel war“, berichtet der junge Stürmer.

Das hat sich seit seinem Wechsel an den Tivoli ein Stück weit geändert, „ich stehe aber natürlich immer noch lieber in der Startelf“. Durch die Verpflichtung des erfahrenen Dimitry Imbongo Boele hat sich die Wahrscheinlichkeit verringert, dass Boesen in naher Zukunft regelmäßig über die volle Distanz geht. Und doch hegt der junge Angreifer keinen Groll. „Ich kann viel von ihm lernen“, ist der 19-Jährige überzeugt. Die Mannschaft wächst in diesen Tagen immer mehr zusammen, der Sieg in Düsseldorf war der Brustlöser für das neu formierte Team.

Am Ende hat in der Landeshauptstadt auch das Modell mit zwei Angreifern funktioniert, da der engagierte Boele den Treffer von Boesen vorbereitete. Und so sagt der Torschütze: „Ich kann mir auch vorstellen, dass ich mit Dimi gemeinsam stürme.“ Dass der 19-Jährige in der Stürmerhierarchie nur auf Platz zwei steht, wusste er schon vor seinem Wechsel nach Aachen. „Damals bin ich aber noch davon ausgegangen, dass Junior vor mir steht.“ Aber da der Fußball ja bekanntlich ein schnelllebiges Geschäft ist, kam es anders. Torunarigha wechselte zum polnischen Erstligisten Zagebie Sosnowiec, und Boele besetzte die freie Planstelle am Tivoli.

Es wäre keine Überraschung, wenn der wuchtige Mittelstürmer auch am Samstag im Heimspiel gegen den SV Rödinghausen den Vorzug gegenüber Boesen erhalten würde, denn die Erfahrung spricht für Boele — und gegen Boesen. „Vincent ist manchmal noch ein bisschen übermotiviert und will zu viel“, hat Fuat Kilic beobachtet. Dennoch ist Alemannias Trainer froh, dass er so eine treffsichere Alternative in der Hinterhand hat. „Der Konkurrenzkampf in dieser Saison ist viel größer als in der Vorsaison“, sagt Kilic.

Der hat in dieser Spielzeit schon dazu geführt, dass sich Alexander Heinze im Spiel bei Rot-Weiß Oberhausen nur auf der Bank wiedergefunden hat. „Aber jetzt ist Alex wieder in der Spur. Er war in Düsseldorf einer der Besten auf dem Platz.“

Der Trainer hofft, dass sein Team die Euphorie nach dem ersten Saisonsieg mitnimmt und auch dem finanzstarken ostwestfälischen Konkurrenten, der aktuell auf Platz drei liegt, ein Bein stellen kann. „Wir haben Respekt. Aber wir brauchen nicht vor Ehrfurcht erstarren“, sagt Kilic vor dem Aufeinandertreffen mit den noch ungeschlagenen Rödinghausenern.

Mögliche Aufstellung: Jakusch — Heinze, Hackenberg, Fiedler — Müller, Bösing, Pütz, Idrizi, Garnier — Temür, Imbongo

Schiedsrichter: Philip Holzenkämpfer (Essen)

Bilanz: 8 Spiele; 6 Siege/2 Niederlagen/17:5 Tore

Internet: Video, Liveticker und Bildergalerie unter az-web.de/an-online.de

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