Aachen: Alemannias Spieler nutzen die Castingshow nicht

Aachen : Alemannias Spieler nutzen die Castingshow nicht

Der Trainer der Siegermannschaft beendete den Arbeitstag mit einer Entschuldigung. „Wir laden hier zu einem Familientag ein und bieten dann eine Halbzeit so eine schlechte Leistung“ , war Alemannias Fuat Kilic durchaus sauer. „So laufen wir Gefahr, uns auf den letzten Metern diese gute Saison noch kaputt zu machen.“

Der Trainer der Verlierermannschaft beendete den Tag mit einem Riesenkompliment für seine Mannschaft, die gerade abgestiegen war.

„Für uns war es das neunte Spiel in vier Wochen und wir haben wieder eine gute Mentalität gezeigt“, war Wegberg-Beecks Trainer Friedel Henßen zufrieden, obwohl seine Mannschaft schnell wieder in die Mittelrheinliga zurückkehrt. Alemannia siegte durchaus verdient 4:2 im Nachbarschaftsduell, aber am Ende wirkte der Verlierer zufriedener als der Gewinner. Kilic hatte die Mannschaft wie erwartet kräftig umgemodelt und auf ein paar Spieler gesetzt, die zuletzt selten im Einsatz war. So gesehen war diese Partie auch eine Castingshow. Eine Gelegenheit, sich für einen neuen Vertrag oder für weitere Einsätze zum Beispiel im Pokalfinale zu bewerben.

Das Angebot des Trainers wurde nicht angenommen. Die Mannschaft war 45 Minuten so leidenschaftslos und unemotional unterwegs, als handle es sich um ein Prominentenkick auf Sylt. Wegberg hatte einen Eckball im ersten Durchgang, der reichte für die Führung. Joshua Holtby lenkte die Kugel auf den Kopf von Thomas Lambertz, der durchaus sehenswert zum 0:1 verlängerte (26.). Da war es auch kein Trost für die Aachener, dass Holtby ab der nächsten Saison die Standards für die Alemannia gegen den Ball treten darf. Die Aachener hatten zwar die restlichen Chancen der ersten Halbzeit, zwingend war ihr Spiel aber zunächst zu keiner Phase. Nach fünf Minuten konnte Arda Nebi eine Vorlage von Emre Yesilova nicht im leeren Tor unterbringen, Kapitän Nils Winter scheiterte mit einem platzierten 18-Meter-Schuss an Tobias Kraus (23.), der trotz Hüftprellung spielte.

Wegbergs Schlussmann erlebte ansonsten einen gemütlichen ersten Durchgang. Joy-Slayd Mickels tauchte noch einmal vor ihm auf, verstolperte die Gelegenheit und traf nur das Außennetz (29.). Schon vor dem Pausenpfiff eilte Kilic in die Kabine, seine Pulsuhr schlug gewaltig aus, er beruhigte sich kaum und wurde deutlich. „Es hat gescheppert“, bestätigt später Ohrenzeuge Winter.

Kilic holte entgegen seiner Planung zwei Boliden aus der Garage. Tobias Mohr und Mergim Fejzullahu ersetzten die schwachen Arda Nebi und Emre Yesilova. Personal und System wurden gewechselt. Mit deutlicher Verspätung bekam der Favorit mehr PS auf den Rasen, drehte die Partie innerhalb einer Halbzeit. Der Ausgleich allerdings war irregulär. Fejzullahu rutschte bei einem Freistoß an der Strafraumkante aus, berührte den Ball ungewollt doppelt. Die Kugel landete bei Mickels, der fröhlich das 1:1 köpfte (52.).

Die Gäste mussten wie schon im Hinspiel kurzfristig ihre Innenverteidigung ersetzen, sie wehrten sich weiter. Vielleicht war die 65. Minute ein Schlüsselmoment. In höchster Not bremste Peter Hackenberg einen Konter an der Mittellinie, mehr noch: mit einem feinen Pass spielte er seinen Torjäger frei. Fejzullahu vollendete zum 2:1. Souveräner wurden die Gastgeber nicht, fast slapstickmäßig kassierten sie den Ausgleich durch den Ex-Aachener Armand Drevina (73.).

Winter hatte vorher gepatzt, der Kapitän reparierte den Schaden umgehend. Mit einem platzierten Schuss aus dem Hinterhalt, brachte er sein Team erneut in Front (75.). Die Messe war gelesen, Pluntke und Torunarigha hätten das Ergebnis leicht höher stellen können, für Treffer ist aber in erster Linie Mergim Fejzullahu zuständig, der mit dem Schlusspfiff bereits sein 15. Saisontor erzielte. Der flinke Angreifer, der an allen Treffern beteiligt war, schlug auch noch nach dem Spiel ein paar (verbale) Haken, zu seiner sportlichen Zukunft wollte er sich nicht äußern. Leicht konkreter wurde Nils Winter, der für die nächsten Tage eine Entscheidung ankündigte. Die Mannschaft will ihre bislang überzeugende Saison mit Platz 3 beenden, am Mittwoch steht dann endlich der Zweikampf mit Meister Viktoria Köln am Tivoli an.