Aachen: Alemannias „Sechser“ Marco Neppe kennt sich aus im Abstiegskampf

Aachen: Alemannias „Sechser“ Marco Neppe kennt sich aus im Abstiegskampf

Zuletzt beim 2:0 in Verl war er der „Alterspräsident“. 27 Jahre — mehr hatte keiner auf dem Buckel von denen, die vor einer Woche für Alemannia Aachen auf dem Platz standen (Durchschnittsalter der Startelf: 23), und das könnte auch am Samstag (14.00 Uhr) gegen den Aufsteiger SV Lippstadt so sein.

Marco Neppe kann also alleine schon aufgrund seines Geburtsdatums den anderen etwas erzählen, er ist herumgekommen in der 3. Liga und in der Regionalliga. Und er kennt sich aus mit Situationen wie diesen, „ganz gut sogar“, Situationen, in denen es nur darum geht: die Klasse zu halten.

Der gebürtige Offenbacher, fußballerisch „erzogen“ in den Jugendmannschaften von Eintracht Frankfurt, hat „zwei Mal dringesteckt“ im Abstiegskampf. Mit dem Wuppertaler SV ging’s 2010 am Ende schief, in Neppes drittem Jahr am Zoo. Wegen „mehrerer Baustellen“, nicht nur sportlichen — es gab eine latente Unruhe in der Vereinsführung, Ungewissheit über die wirtschaftliche Zukunft, letztlich erstickte der WSV an überzogenen Erwartungen. „Die Erfahrung in Wuppertal war eher prägend als die Erfahrung beim VfL Osnabrück“, sagt Marco Neppe. An der Bremer Brücke entschied sich Mitte der Rückrunde vor zwei Jahren, ob die Mannschaft „noch in den Strudel geraten würde oder nicht“. Der VfL bekam die Kurve, blieb in der Dritten Liga; Neppe wechselte nach dem Klassenerhalt zurück nach Wuppertal in die Regionalliga und im vergangenen Sommer an den Tivoli.

Cheftrainer Peter Schubert bescheinigt: „Marco ist in der Lage, der Mannschaft Stabilität zu geben. Er ist ballsicher, auch wenn es manchmal einen Tick zu viel quer oder nach hinten geht.“ Aber: „Das ist mir lieber, als ins Risiko zu gehen. Je weniger Risiko, desto besser kontrollierst du das Spiel.“ Eine Knöchelverletzung setzte Neppe nach dem vierten Spieltag vorübergehend außer Gefecht, ansonsten ist er eine verlässliche Größe. „Und er kann dafür sorgen, dass es so bleibt.“

Verantwortung des Routiniers

„Wir haben schon eine Hierarchie in der Mannschaft“, sagt der 1,74 Meter große „Sechser“. „Jeder weiß, wo er da steht.“ Marco Neppe nimmt neben der zentralen Rolle seiner Spielposition auch die Verantwortung an, als „Routinier“ die Jüngeren anzuleiten. „Es muss viel kommuniziert werden im Mannschaftssport, jeder muss da aus sich rauskommen.“ Neppe wird nicht müde, in der Kabine und auf dem Platz darauf hinzuweisen.

Während Peter Schubert in den letzten Wochen, ja sogar Monaten stets die Trainingsleistungen lobte, korrespondierte das oft nicht mit dem Leistungsnachweis im Ernstfall. „Gegen Fortuna Köln“, sagt Marco Neppe, „waren wir wieder zu naiv und zu dumm.“ Ein Rückfall, „vor der Winterpause hatte ich das Gefühl, jeder kann sich auf den anderen verlassen“. Den Schuss vor den Bug scheinen sie verstanden zu haben, in Verl wurde Neppe in seiner Hoffnung bestätigt, „dass jeder kapiert hat, worum es geht. Das konnte man am Samstag sehen.“ Schubert lobte die „Extrawege“, wenn Gefahr in Verzug war, „manche Situationen konnte man besser lösen. Aber keiner war sich für irgendwas zu schade.“

Marco Neppe hat festgestellt: „Seit letzten Sommer hat sich ziemlich viel entwickelt, im Training, in der Vorbereitung. Das müssen wir auf den Platz kriegen, als Team zusammenstehen, noch stärker zusammenhalten.“ Auch wenn es banal klingt, „es ist einfach so“. Bald werden Michael Lejan (30, nach Ablauf seiner Sperre) und Aimen Demai (31, nach Muskelfaserriss) die Alterspräsidentschaft übernehmen, das wird Alemannia kaum schaden und Neppes Engagement sicher nicht schmälern. Für zwei Jahre hat er am Tivoli unterschrieben. Dass es schon nach einem Jahr ein böses Ende wie in Wuppertal nehmen könnte, „daran verschwende ich keinen Gedanken“.