Bielefeld: Alemannias Saisonstart in Bielefeld: Timmy Thiele, wer sonst?

Bielefeld: Alemannias Saisonstart in Bielefeld: Timmy Thiele, wer sonst?

Die „Idee in den Bus packen, in die Kabine mitnehmen und dann auf den Platz bringen”. So hatte sich Ralf Aussem das vorgestellt beim Stapellauf der neuen Alemannia. Aachens Cheftrainer wird manches mitnehmen vom Saisonauftakt bei Arminia Bielefeld, was auf Strecke verbesserungswürdig ist.

Immerhin: Mit einem 1:1 und nun zwei Heimspielen vor der Brust starteten die Schwarz-Gelben passabel in die neue Liga. Die schöne Nachricht, dass alle 23 Profis einsatzbereit seien, entsprach nicht ganz den Tatsachen.

Bereits am Mittwoch hatte Mittelstürmer Freddy Borg das Training abgebrochen, die Außenband-Verletzung im Knie (wir berichteten) mit einwöchiger Pause wollte Ralf Aussem dem Gegner nicht noch auf die Nase binden.

Dem Alemannia-Coach war zumindest die Entscheidung abgenommen, was er mit Neuzugang Timmy Thiele nach dessen starker Vorbereitung machen sollte: Der Ex-Schalker stand beim Anpfiff auf dem Platz.

Wer es nicht besser wusste, der musste beim Vorprogramm glauben, dass die Europameisterschaft in die Verlängerung gegangen ist. Nach knapp 21 Minuten war Alemannia dann in der Liga angekommen - jedoch anders als gedacht.

Ein weiter Flankenball von Schönfeld landete auf dem Kopf von Hille, mit einer Bogenlampe war Tim Krumpen erstmals in dieser Saison geschlagen. Ein simples Tor, weil Fabian Baumgärtel seinen Gegenspieler außer Kontrolle gelassen hatte. Die linke Abwehrseite war Aachens Schwachstelle, schon in der 7. Minute hatte sich Baumgärtel von Schönfeld verladen lassen - Olajengbesi köpfte die Flanke auf Hille, der zielte vorbei.

Alemannia war in der Offensive handlungsschneller, technisch besser, für Bielefeld oft zu flink und zeigte das deutlich attraktivere Spiel.

Das Problem: Der Zweitliga-Absteiger brachte seine Qualitäten nicht durchgehend auf den Platz und war vor dem Tor nicht zwingend genug. Die besten Chancen leitete der starke Kapitän Albert Streit ein, Thiele (8.) und Oguzhan Kefkir (12.) vergaben.

Krumpen verhindert das 0:2

Bielefeld verdiente sich die Pausenführung durch kämpferischen Einsatz und viel Laufarbeit, pochte durch Schönfeld (56.) und Burmeister (59.) auf das 2:0 - Krumpen verhinderte es. Vor 12.110 Zuschauern, darunter die Ex-Aachener Thomas Hengen, Alexander Klitzpera und Kai Michalke, verlor Alemannia zusehends den Faden und ließ sich von der Bielefelder Aggressivität beeindrucken. Es dauerte bis zur 69. Minute, als der eingewechselte Kristoffer Andersen mit einem Flachschuss knapp die erste Ernte der Saison verpasste.

Irgendwie schien diese Partie ohne Aussicht darauf, noch einen Punkt zu retten, über die Zeit zu gehen. Doch dann kam der Auftritt von Timmy Thiele. Der Stürmer, schon in der Vorbereitung der treffsicherste Alemanne, sah sich die Offensiv-Kunst, die eher brotlos wirkte, nicht mehr länger an.

Er stand in halblinker Position, guckte Torwart Platins aus, zog ab - und traf zum 1:1 (77.). Es war Thieles Premierentreffer in der Dritten Liga - und ein ganz wichtiger zum Start der ganzen Mannschaft. Und am Ende war Alemannia dem Sieg näher als die Arminia.

„Ich habe gedacht, ich haue das Ding rein. Das hat zum Glück geklappt”, jubelte Thiele über seinen Treffer. „Das war ein recht gutes Spiel mit dem verdienten Ausgleich. Aber die Dritte Liga ist definitiv kein Selbstläufer. Es war ein anstrengendes Spiel, und wir haben noch viel zu tun.”

Trainer Ralf Aussem war zufrieden:: „Ich war fest davon überzeugt, dass wir das Tor noch machen. Meine Mannschaft hat sich über 90 Minuten einen guten Kampf geliefert.”

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