Aachen: Alemannias Niederlage gegen Uerdingen hinterlässt Spuren

Aachen : Alemannias Niederlage gegen Uerdingen hinterlässt Spuren

Als Fuat Kilic am Ende des Tages einvernommen wurde, war sein Vorrat an guter Laune längst aufgebracht. Alemannias 0:2-Niederlage gegen den Tabellenführer KFC Uerdingen hatte ziemliche Spuren hinterlassen, der Trainer machte keinen Hehl aus seiner schlechten Laune.

Die Niederlage war nicht unverdient gegen einen deutlich prominent besetzteren Gegner. Aber mit den Umständen dieses Rückschlags freundeten sich Kilic und seine Spieler nicht an. „Ich kann mich mit Niederlagen gegen bessere Gegner anfreunden“, sagte der 44-Jährige. „Aber heute waren andere Mächte mit im Spiel“, ärgerte er sich über die Leistung von Schiedsrichter Florian Visse ohne ihn beim Namen zu nennen.

Man merkte Trainer Fuat Kilic die schlechte Laune an. Foto: Wolfgang Birkenstock.

Als das intensive Spitzenspiel abgeheftet wurde, stand auf der Habenseite stolze 9700 Zuschauer (Saisonrekord), auf der anderen Seite aber waren drei Platzverweise für Aachener Spieler und Trainer, zahlreiche strittige Aktionen und ein verletzter Spieler vermerkt.

„Das fühlte sich heute nicht nach einer fairen Spielleitung an“, reklamierte auch der eher besonnene Peter Hackenberg. „Problemlos könnte man 16, 17 taktische Fouls der Gäste hintereinander schneiden, die nicht mit Karten geahndet wurden. Die Karten waren für uns reserviert.“

Kilic hatte notgedrungen seine Abwehr renoviert, Fiedler verteidigte nun auf dem rechten Flügel für den gesperrten Alex Heinze, auf der anderen Seite lief Maurice Pluntke auf. Die Aachener setzten auf eine intensive Manndeckung, Ruhe bekamen beide Teams selten ins Spiel. Die Bälle flogen hin und her über das Mittelfeld, wurden häufig postwendend zurück an den Absender geschickt.

Der Tabellenführer begann dominanter, aber die erste nennenswerte Gelegenheit war ein Konter, nachdem Torwart René Vollath einen Kühnel-Freistoß abgefangen hatte. Sekunden später lief der ehemalige Bundesliga-Stürmer Maximilian Beister alleine auf Aachens Torwart Mark Depta zu — und scheiterte an dessen breiter Brust (20.). Alemannia kam nur mühsam zu Abschlüssen. Die beste Gelegenheit hatte Mergim Fejzullahu, der einen Gegenspieler austanzte, um dann aus 17 Metern freistehend mit einem Flachschuss an Vollath zu scheitern (26.).

Die Gäste hatten ein paar Chancen mehr, aber es langte auch nicht zu eindeutigen Feldvorteilen. Den Rückpass von Florian Rüter semmelte Oguzhan Kefkir aus 16 Metern nur hauchzart am Tor vorbei — eine Kombination zweier ehemaliger Aachener (31.). Beister trieb den ambitionierten Aufsteiger weiter an. Nach einem Fehlpass von Pluntke strebte er aufs Tor zu, auch diesmal war sein Abschluss zu unpräzise (36.). Bei nächster Gelegenheit legte er für Kefkir auf, der am reaktionsschnellen Depta wieder einmal scheiterte (38.).

Schiedsrichter Florian Visse wurde bereits vor dem Wechsel von einer Form des „Gelbfiebers“ befallen. Innerhalb von drei Minuten verteilte er Strafmandate an Uerdingens Dorda und Bitroff und an Aachens Nils Winter.

Die Partie blieb ausgeglichen, der starke Depta lenkte einen Fernschuss von Kefkir gekonnt zur Ecke ab (46.), Fejzullahus Freistoß verpasste nur knapp sein Ziel (49.). Der Kampf wogte hin und her, nichts deutete auf das hektische Ende hin. Der Aachener Unmut entzündete sich an einer Szene in der 64. Minute. Uerdingens Connor Kempicki war mit Ball über die Torauslinie gedribbelt, bekam dennoch zur eigenen Verblüffung einen Eckball zugeteilt. Eine Fehlentscheidung von Schiedsrichter Visse.

Eine Fehlentscheidung von Aachens Abwehr folgte, und so konnte Tanju Öztürk den Eckball unbehelligt aus elf Metern Entfernung zum 0:1 verwandeln (64.). Die Gäste legten spektakulär nach, Beister schlenzte aus 22 Metern den Ball passgenau in den Winkel (70.). Und damit war die Messe gesungen. Winter sah auch für sein zweites Foul die zweite Gelbe Karte (81.), Konditionstrainer Stefan Kniat wurde auf die Tribüne verwiesen, weil er den Schiedsrichter-Assistenten auf ein taktisches Foulspiel hingewiesen hatte. Matti Fiedler humpelte nach einem heftigen Check von Johannes Dörfler vom Platz (90.).

Und in all dieser Hektik sah auch noch Mergim Fejzullahu zwei Gelbe Karten innerhalb weniger Sekunden. Die erste Strafe bekam er aufgebrummt, weil er sich engerisch den Ball für einen Freistoß bei einem Gästespieler besorgte. „Das soll Gelb gewesen sein?“, erkundigte er sich und kassierte auch noch eine zweite Verwarnung.

Fejzullahu schaute den Schiedsrichter fassungslos an als sei der Hui Bui das Schlossgespenst. „Das war heute ein Paradebeispiel wie es in dieser Liga zugeht“, war der Torjäger angefressen nach dem ersten Platzverweis seiner Karriere.

Am Ende mischten sich auch die Zuschauer ein. Ein paar unverbesserliche Aachener machten sich auf dem Weg zum gut gefüllten Fanblock der Gäste, wurden von den Ordnungshütern aufgehalten. Und Beister hatte noch eine letzte gute Szene, obwohl er längst ausgewechselt war. Er fischte einen provozierenden KFC-Fan vom Spielfeld. „Wenn sie sich prügeln wollen, sollen sie in den Wald gehen, solche sinnfreien Aktionen braucht niemand“, fasste der Mann des Tages zusammen.

Aachens Fuat Kilic trommelte seine Mannschaft nach dem Abpfiff sofort in der Kabine zusammen, um ihr ein paar Komplimente zu machen. „Ich habe keine Qualitätslücke zum Gegner gesehen, die Jungens haben einen großen Kampf abgeliefert.“

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