Aachen: Alemannias Joy-Slayd Mickels: „Das ist gerade die wichtigste Phase für mich“

Aachen : Alemannias Joy-Slayd Mickels: „Das ist gerade die wichtigste Phase für mich“

Es war ein unvergessener Dezembertag, als der Keeper von Bishop Auckland, Harry Sharratt, während des Spiels einen Schneemann baute und deswegen verwarnt wurde. Fußball im Winter hat so seine Tücken. Auch Joy-Slayd Mickels ist gerade ziemlich erleichtert, dass die Schneemann-Zeit endlich vorbei ist. Sein Knie zwickt zuverlässig bei den Einheiten auf tiefgefrorenen Böden.

Alemannia Aachens Angreifer genießt den heraufziehenden Frühling, am Sonntag bei Fortuna Düsseldorf II soll der Wettkampf wieder auf grüner Wiese stattfinden.

Die Regionalliga biegt langsam auf die Zielkurve ein, in zwei Monaten ist die Saison bereits abgehakt. Für Mickels beginnen entscheidende Tage. „Das hier ist gerade die wichtigste Phase in Aachen für mich“, sagt er. Er steht unter Beweispflicht, dass er dieser Mannschaft weiterhelfen kann, vielleicht in ein paar Wochen auch Seite an Seite mit dem dann wieder genesenen Junior Torunarigha.

In Oberhausen hat er gerade sein erstes Ligaspiel über die kompletten Runden hinter sich. Bislang ist er nicht über die Jokerrolle hinausgekommen. „Natürlich war die erste Phase enttäuschend, weil ich einen anderen Anspruch habe“, sagt der 23-Jährige, der eigentlich ein Überfallkommando an guter Laune ist.

Im Winter war auch die schnelle Trennung von Mickels ein Thema, zu unbefriedigend waren die ersten gemeinsamen Monate verlaufen. Alemannia hätte ihn nicht eingesperrt in der Kabine, wenn er um die Freigabe gebeten hätte. Das Thema hatte sich dann erledigt, als es Daniel Hammel zu den Stuttgarter Kickers zog. Dann verletzte sich Junior Torunargiha, und plötzlich ist Joy-Slayd Mickels erste Wahl als Mittelstürmer. „Das ist jetzt meine Chance, aber ich muss liefern.“

Im Trainerstab gilt er als gelehriger Schüler. „Er ist bemüht, Korrekturvorschläge anzunehmen“, sagt Fuat Kilic. „Bemühen“ wäre in einem Arbeitszeugnis ein vergiftetes Lob. Alemannias Trainer hat aber einen anderen Eindruck. Er beobachtet eine Entwicklung bei seinem jungen Angreifer, der in der Vergangenheit die Bälle häufig schon bei der Annahme „verflipperte“: „Er soll nicht den zweiten vor dem ersten Schritt machen. Er muss mehr Ruhe in seinem ersten Ballkontakt finden, um dann eine saubere Folgeaktion zu finden.“ Sein Naturell hemme die Entwicklung, meint Kilic.

Mickels hat die Lektion verstanden, sagt der Stürmer. Er versucht, sein Spiel umzustellen, das Risiko zu dosieren, weniger hektisch zu agieren. Es ist eine Gratwanderung für einen Stürmer, der von seiner Intuition lebt. Der Vertrag läuft in ein paar Wochen schon wieder aus. Er will in Aachen bleiben, macht keinen Hehl aus seinen Ambitionen. „Hier habe ich einen Trainer, der mich weiterbringen kann.“ Unverändert gibt es in der Familie die Idee, dass er mit seinem Zwillingsbruder Joy-Lance gemeinsam für die Alemannia auf Torejagd gehen will.

Im Winter hat er versucht, Joy-Lance zu einer Rückkehr von Wacker Nordhausen nach Aachen zu überreden. Vergeblich. „Es ist schwer vorstellbar, zwei solche Spieler mit einem so hohen Betreuungsbedarf in einer Mannschaft zu haben“, grinst Kilic. Zukunftsmusik. Erst einmal muss Joy-Slayd Mickels seinen Trainer überzeugen, dass er eine Zukunft am Tivoli hat.

Mögliche Aufstellung: Depta - Heinze, Hackenberg, Fiedler - Winter, Kühnel, Pütz, Buchta - Fejzullahu, Mickels, Yesilova

Schiedsrichter: Philip Holzenkämpfer (Rheine)

Bilanz: 11 Spiele/5 Siege/3 Remis/3 Niederlagen/ 21:14 Tore

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