Aachen: Alemannias Alt-Gläubiger können ihre Ansprüche anmelden

Aachen : Alemannias Alt-Gläubiger können ihre Ansprüche anmelden

Alemannias Gläubigerversammlung wird am 23. März im Aachener Amtsgericht fortgesetzt. Vorgesehen ist für das Treffen nun ein kleiner Gerichtssaal. Man erwartet keinen großen Ansturm, auch wenn theoretisch Hunderte Gläubiger um 10 Uhr vorbeischauen könnten.

Geladen sind nämlich auch die Gläubiger aus dem ersten Verfahren. Ausschlaggebend hierfür sei die sogenannte Wiederauflebungsklausel, schreibt Insolvenzverwalter Christoph Niering in seiner Einladung. Die Klausel ermögliche es Gläubigern aus Alemannias erstem Verfahren, ihre Forderung erneut anzumelden, „wenn der Insolvenzplan aus dem ersten Insolvenzverfahren nicht oder nicht vollständig erfüllt wurde“.

Die Zweckgesellschaft, in der die verbleibenden Ansprüche gesammelt werden, sei noch nicht liquidiert, so sieht es Niering. Statt der aktuell vier Millionen kämen weitere 68 Millionen Euro an Alt-Forderungen im aktuellen Verfahren dazu. Die Rechtsposition ist strittig.

Rolf-Dieter Mönning, Insolvenzverwalter im ersten Verfahren, hatte bereits den Verdacht geäußert, dass die eingesammelte Million der Zweckgesellschaft „die Fantasie beflügelt habe. Gesetzt den Fall, die Zweckgesellschaft hätte nicht so erfolgreich gearbeitet, und es gäbe hier nichts zu verteilen: Wäre man dann auf die Idee gekommen, die Altgläubiger zu Gläubigern des neuen Verfahrens zu machen?“

Auch Johannes Klefisch, der als Treuhänder Hunderte Anleihegläubiger und Gläubigergruppen vertrat, teilt Mönnings Bedenken. Der Fachanwalt für Insolvenzrecht geht sehr wohl davon aus, dass der alte Insolvenzplan sehr wohl erfüllt sei.

Einig sind sich die Verfahrensbeteiligten allerdings, dass ein jahrelanger, kostspieliger Rechtsstreit vermieden werden sollte. Ein Vergleich könnte so aussehen, dass Niering für sein aktuelles Verfahren „einen Liquiditätszufluss von mindestens 100.000 Euro“ von der Zweckgesellschaft erhalte. Über diesen Vorschlag sollen die Gläubiger am 23. März entscheiden.

Kleinstgläubiger sollten allerdings zum Taschenrechner greifen, bevor sie erneut ihre Ansprüche anmelden (Frist ist der 13. März). Es droht nämlich eine Gerichtsgebühr von 20 Euro, darüber ist noch nicht abschließend befunden. Niering geht derzeit „selbst bei einem günstigen Verlauf des Insolvenzverfahrens“ von einer Zahlung aus, die bei „maximal fünf Prozent“ der Forderung liegen könnte.

So gesehen, würden sich die Forderungen erst ab einer Summe von mindestens 400 Euro rechnen.

(pa)
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