Aachen: Alemannia: Wenn Mittelfeldspieler die Stürmer ersetzen...

Aachen: Alemannia: Wenn Mittelfeldspieler die Stürmer ersetzen...

Mittelstürmer 1, Sascha Rößler, fehlt nach einem Kreuzbandriss noch monatelang. Mittelstürmer 2, Denis Pozder, fällt mit seiner Zerrung des Innenbands wohl noch den kompletten November aus. Mittelstürmer 3, Timmy Thiele, war zuletzt formschwach und zudem gesperrt.

Und Mittelstürmer 4, Freddy Borg, der als Mittelstürmer 1 geholt wurde, kann im Moment dieser Mannschaft nicht einmal weiterhelfen, wenn Mittelstürmer 1 und 2 und 3 ausfallen.

So machte Alemannias Trainer René van Eck aus der Not eine Tugend, in Heidenheim beim 1:1 tauchten dann im Wechsel nur Mittelfeldspieler im Sturm auf. Die Taktik war eine Denksportaufgabe für die Gastgeber, an der sie sich eine Stunde lang die Zähne ausbissen. Die Übergaben zwischen den Linien klappten nicht, und so bekamen die Gäste ausreichend Gelegenheiten, diese Partie mit schnellen Spielzügen früh zu entscheiden.

„Das war die holländische Schule, so wollen wir eigentlich Fußball spielen”, fasste der Niederländer später die erste Stunde zusammen. Das Problem war auch diesmal die chronische Harmlosigkeit der Aachener, die in 17 Spielen gerade einmal 16 Tore erzielt haben. Besonders Marcel Heller, der mit vielen guten Läufen Heidenheim „gefährdete”, ließ wieder Gelegenheiten der gehobenen Kategorie aus. „Er braucht dieses Erfolgserlebnis, sonst droht er zu verkrampfen”, sagt sein Trainer.

„Torabschluss und Standards” stehen laut van Eck ständig auf dem Lehrplan, um endlich mehr Sicherheit zu erreichen. Der Erfolg stellt sich nicht ein bislang. In Heidenheim holte das Team wieder acht Ecken heraus. Doch bei ruhenden Bällen ist Alemannia genau so ungefährlich wie die Nationalmannschaft oder der FC Bayern. Wenn irgendwann Außerirdische auf diesem Planeten landen, müsste man ihnen nur einen Zusammenschnitt der Standards in den letzten zwei Jahren zeigen, und schon wären sie überzeugt, dass von diesen Erdenbürgern wirklich keine Gefahr ausgeht.

Das neue System ist auch im nächsten Heimspiel eine denkbare Variante, sagt van Eck, obwohl Thiele dann wieder einsatzbereit wäre. Der Mittelstürmer war wegen seiner Undiszipliniertheit zwei Wochen lang zur U 23 abkommandiert worden. Den Umweg musste auch Robert Leipertz machen, dem gerade sein bestes Profi-Spiel bisher gelang. In der Nachwuchsmannschaft tauchten am Sonntag in der Partie gegen Windeck (0:1) auch Mario Erb und Sascha Marquet auf. Mit den Einwechselspielern war van Eck nicht annähernd zufrieden. „Sie haben ihre Kollegen im Stich gelassen.”

In Heidenheim kamen die Aachener nach einer Stunde vom Pfad der Tugend ab, stellten ohne erkennbaren Anlass auf weite Bälle um - angeführt von Keeper Michael Melka. Die körperbetonten Heidenheimer kamen erst mit freundlicher Unterstützung in Fahrt. „Ich weiß nicht, warum wir das machen bei Innenverteidigern von 2,50 Metern Größe”, schüttelte Albert Streit den Kopf.

Der Kapitän war „Leidtragender” des neuen Systems. Er spielte häufig in vorderster Linie und wurde auch diesmal ziemlich übel malträtiert. Gegenspieler David Schlittenheim bewarb sich mit einem halben Dutzend derber Attacken um eine Vorstrafe, die erst in der Schlussminute ausgesprochen wurde. „Es wäre schön, wenn der Schiedsrichter mich mal schützen würde.”

Am Samstag gegen Halle im Duell zweier gefährdeter Teams könnte es Streit wieder nach vorne verschlagen, wenn Alemannia erneut versucht, die eigene Spielidee nicht ohne Not nach 60 Minuten über Bord zu werfen...

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