Alemannia versaut die Generalprobe beim SV Straelen

Niederlage in Straelen : Alemannia versaut die Generalprobe

Mit der Besprechung des Spiels wollte Fuat Kilic diesmal nicht warten. Schon ein Viertelstündchen nach der 0:2-Niederlage beim SV Straelen sprach Alemannias Trainer mit seiner Mannschaft, er wollte diese Partie so schnell wie möglich abhaken, um den Fokus auf das anstehende wichtige Pokalspiel zu lenken.

Aus seiner Enttäuschung machte Kilic keinen Hehl. Alemannia wird am Ende der Saison Aufbaugegner für abstiegsgefährdete Mannschaften. „Wir dürfen uns nicht den Vorwurf aussetzen, dass wir nicht alles investieren in dieser Phase der Saison", war der 45-Jährige erkennbar gereizt. „Dafür bin ich nicht der Richtige." Fast leidenschaftslos hatte die Mannschat am Ende der Partie die Niederlage entgegengenommen.

Kilic hatte das Programm „Schonung und Belohnung" herausgeholt und die halbe Mannschaft ausgewechselt vor dem anstehenden Pokalspiel am 1. Mai. Die Gäste übernahmen dennoch nach zehn Minuten die Regie, sie hatten höhere Ballbesitzanteile, aber herausgespielte Chancen waren eine Rarität. Alan Stulin versuchte sich mit einem Volleyschuss aus dem Hinterhalt, aber da stellte sich Yannik Stevens, der ebenfalls eine Aachener Vergangenheit hat, in den Weg (26.). Der Aufsteiger verschanzte sich, besuchte Alemannias Hälfte nur sporadisch. Die beste Gelegenheit besaß Marvin Tenbült, dessen Kopfball auf das Netz flog (29.).

Aachens Torwart Daniel Zeaiter erlebte bei seinem nächsten Comeback vorerst einen ruhigen Nachmittag. Aus der Ferne konnte er beobachten, wie Manuel Glowacz mit einer Flanke seinen Straelener Kollegen David Buchholz ein bisschen in Not brachte (35.). Buchholz hätte fast dafür gesorgt, dass der erste Durchgang noch eine Pointe bekam. Er riskierte ein waghalsiges Dribbling gegen Aachens Mittelstürmer Vincent Boesen, er verlor das Duell, aber der Ball hoppelte ins Aus, bevor Alemannias Angreifer Fakten schaffen konnte (42.). Das Halbzeitfazit von Kapitän Peter Hackenberg fiel noch zufrieden aus: „Wir haben Ball und Gegner gut laufen lassen."

In den ersten Minuten nach dem Wechsel kam vorerst nicht der Verdacht auf, dass sich der Schlendrian eingeschlichen hatte. Stulin hatte wieder Pech mit einem abgefälschten Fernschuss, der knapp am Ziel vorbei flog (50.). Dann aber durfte sich Yannik Stevens auf den Weg machen – und die Aachener standen brav Spalier. „Wir haben uns wie leblose Dummies verhalten", ärgerte sich Kilic am Spielfeldrand.

Stevens jedenfalls konnte unbehelligt durchziehen, um mühelos zur Führung einzuschieben (59.). Aachens Trainer wechselte alles ein, was mit Spielwitz zu tun haben könnte, Batarilo, Bösing und auch Temür kamen hinzu. „Ich hatte erhofft, dass wir so mehr zum Leben erwachen, ich war überrascht, dass es so nicht war." Heraus kam eine Doppelchance, Salata wurde noch abgeblockt, der Nachschuss von Schmitt flog vor die Fäuste von Keeper Buchholz (68.). Temür scheiterte noch einmal mit einem gekonnten Drehschuss (85.). Mehr Gelegenheiten gab es kaum, dafür war auch die Qualität bei den Flanken und ruhenden Bällen viel zu schwach. Die Hausherren brachten die Beute ungefährdet in die Höhle, zumal Kevin Weggen mit einem Freistoß aus etwa 30 Metern Aachens Torwart Zeaiter düpierte (80.).

Straelens Inka Grings hätte den historischen Fußball-Moment ein bisschen genießen können. Sie ist die erste Trainerin, die in einer der oberen vier Männer-Ligen einen Sieg feiert. Sie wollte es nicht. „Der Sieg ist wichtig für die Mannschaft, nicht für mich", blieb die ehemalige Bundesliga-Torjägerin nüchtern. „Der Sieg tut der Seele enorm gut, mehr aber auch nicht."

Bei ihrem Aachener Kollegen war dagegen der Vorrat an guter Laune im Laufe der Partie völlig aufgebraucht worden. Kilic konnte sich nur mit der alten Theaterweisheit trösten, dass auf eine versaute Generalprobe eine gelungene Premiere folgt. Nach dem tristen Ligaalltag steht am Mittwoch der bisherige Saisonhöhepunkt an: das Pokalhalbfinale beim 1. FC Düren.

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