Aachen: Alemannia verärgert gegen Erfurt erstmals das Publikum

Aachen: Alemannia verärgert gegen Erfurt erstmals das Publikum

90 Minuten hatte das Publikum bemerkenswert positiv das Spiel begleitet. Es war ein Marsch durch das Land der Fehler, die Anfeuerung war dennoch vorhanden. Erst als Schiedsrichter Timo Gerach die Partie zwischen Alemannia Aachen und RW Erfurt beendete, kamen erstmals in dieser Saison Pfiffe auf.

1:1 endete die Partie gegen den Tabellenletzten, Alemannia ist dabei, den sorgsam erarbeiteten Kredit der ersten Spieltage zu verspielen. Auch gegen die angeschlagenen Gäste fiel den Aachenern bedenklich wenig ein.

Alemannias Trend ist nicht gut, die Mannschaft hat seit Wochen kaum eine fußballerische Lösung parat. 13 524 Zuschauer sahen ein quälendes Abendprogramm. „Wir haben zu viele Spieler, die sich bei uns verstecken, die den Ball nicht haben wollen. Das bereitet uns derzeit Sorgen”, analysierte Trainer Ralf Aussem.

Nach 14 Minuten ging Erfurt in Führung. Die Gäste durften das Bällchen ein bisschen vor dem Strafraum hin- und herspielen, in gebührendem Abstand von den Gastgebern beobachtet. Smail Morabit holte den Zirkel raus, zielte aus 18 Metern unbedrängt an den Innenpfosten, von wo aus der Ball ins Netz kullerte.

Die Aachener sind mit einer unfassbaren Sehnsucht unterwegs, sich das Leben schwer zu machen. Zum fünften Mal durfte ein Gegner in Führung gehen. Der Faden war nicht gerissen, er war noch gar nicht gefunden. Kein Flügelspiel, kein Tempo, keine Abschlüsse. Erneut sendete Alemannia Signale der Verwundbarkeit, sie bekam den Außenseiter auch nicht annähernd in Ketten gelegt.

Die schlechteste Mannschaft der Liga durfte ein bisschen Selbstvertrauen tanken, weil sie ziemlich unbehelligt ein paar Kombinationen anschubsen konnten. Marius Strangl zielte aus 16 Metern ohne Gegenpart übers Tor (21.). Zu diesem Zeitpunkt war Erfurt in Überzahl, Rösler wurde nach einem Zusammenprall mit Joan Oumari behandelt, musste mit einer Knieprellung schließlich aufgeben. Für ihn kam Freddy Borg.

Der kantige Schwede setzte sich zur Begrüßung gleich mal im Strafraum durch, legte vor für Flo Müller. Haken mit links, Abschluss mir rechts, schon stand es 1:1 nach 25 zähen Minuten. Auch die Hausherren nutzten ihre erste Gelegenheit. Auf diesen Moment hat der Dauerpatient gut drei Jahre gewartet (12. Mai 2009 1:0 gegen Kaiserslautern), so lange liegt sein letzter Treffer zurück. Immerhin das Jubeln hat er nicht verlernt...

Richtige Freude kam aber auch bei Müller nicht auf, der erstmals seit zwei Jahren wieder starten durfte. „Wir müssen uns zusammen aus diesem Tief herauskämpfen.” Der unerwartete Treffer löste kaum die Handbremse, die seit Wochen eingerastet ist. Nach einer Freistoß-Flanke von Oguzhan Kefkir ließ Erfurts Keeper Marcus Rickert kurz den Ball fallen, Mario Erb kam zu spät (39.). Dann setzte sich Albert Streit resolut gegen Marco Engelhardt durch, verfehlte die Führung aber aus 20 Metern (42.) - das war schon Alemannias komplette Ausbeute der ersten Halbzeit.

Auch die Halbzeitansprache von Ralf Aussem verdunstete: Sein Team kam nicht in Schwung, da stand schon die immens hohe Fehlpassquote vor. Ein Sammelsurium der Unkonzentriertheiten, ein spielerischer Flickenteppich. Ohne große Mühe hielt Erfurt den Gegner auf Distanz. Im Gegenteil: Dominick Drexler hatte noch eine gute Kopfballchance, als er sich gegen Kai Schwertfeger durchsetzte (50.).

Es blieb trostlos, auch diese zweite Halbzeit war in etwa so ereignisreich wie ein 45-minütiger Stau auf der A 4. Erst Sekunden vor dem Pfeifkonzert hatte Aachen eine Großchance. Heller wirbelte sich durch, scheiterte aus elf Metern an Keeper Marcus Rickert.

Es war die letzte Gelegenheit, einen unverdienten Sieg noch zu sichern. „Es kann nicht sein, dass Erfurt mehr Ballbesitz hat als wir in einem Heimspiel. So kann man kein Spiel gewinnen”, ärgerte sich Ralf Aussem.