Aachen: Alemannia-Trainer Peter Schubert reicht den Abschied ein

Aachen : Alemannia-Trainer Peter Schubert reicht den Abschied ein

Am Ende des letzten Heimspiels musste Peter Schubert seine Bodenhaftung aufgeben: Die Fans wollten ihn „auf dem Zaun“ sehen, Alemannias Trainer folgte etwas ungelenk der Aufforderung und mit ihm seine Kollegen Reiner Plaßhenrich und Ralf Westig. Es war der stimmungsvolle Heimabschied einer unerwartet guten Saison.

Alemannia gewinnt hochverdient 2:0 gegen den SC Verl und schiebt sich auf den zweiten Tabellenplatz. Mehr ist in dieser Spielzeit nicht mehr möglich, am 33. Spieltag krönte sich Borussia Mönchengladbach II zum Meister.

Noch einmal 12.700 Zuschauer waren zum Kehraus an den Tivoli gekommen. „Aachen hat eine phantastische Saison gespielt, wie es keiner erwartet hätte. Peter Schubert hat hier eine tolle Mannschaft aufgebaut“, kam das Lob aus berufenem Mund. Verls Trainer Andreas Golombek zollte dem Kollegen großen Respekt.

Die Wertschätzung in den eigenen Reihen dagegen ist nicht so ausgeprägt, am Ende der Feierlichkeiten rief Schubert seine Mannschaft in der Kabine zusammen und teilte ihr nach Informationen unserer Zeitung seine Entscheidung mit. Er wird den Verein, auf dessen Angebot er seit Wochen wartet, nach dem letzten Spieltag verlassen. Zu zerrüttet ist das Verhältnis mit dem neuen Sportdirektor Alexander Klitzpera, der ihn schon vor Wochen öffentlich attackierte. Der 48-Jährige will sich nicht verbiegen lassen. Offiziell bestätigen wollte Schubert die Trennung nicht. Er blieb allgemein in der Pressekonferenz: „Bei Alemannia Aachen arbeiten zu dürfen, ist ein Privileg.“

Dieses letzte Heimspiel ist schnell erzählt. Eine Halbzeit lang konnten die Gäste noch gut mithalten. Hamadi Al Ghaddioui (22.) scheiterte freistehend mit einem Heber an Frederic Löhe, der später auch Manuel Rasp die Führung vom Stiefel nahm (33.).

Verl zog bei Aachener Angriffen gleich fünf Spieler auf die letzte Linie. Gelegenheiten gab es dennoch regelmäßig, weil viele Räume blieben. Fabian Graudenz schlängelte sich in den Hochsicherheitstrakt der Gäste, sein Schuss wurde eine Beute von Torwart Sebastian Lange (18.). Die Aachener setzten sich fest in der gegnerischen Hälfte. Schöner Doppelpass zwischen Dennis Dowidat und Viktor Maier, der aus acht Metern erneut an Lange scheiterte (23.). Die Aachener Führung war verdient, das Team investierte mehr Energie an diesem Nachmittag. Viktor Maier sauste auf dem rechten Flügel davon, seine Hereingabe ließ Graudenz geschickt passieren für den heranstürmenden Behrens. Der Stoßstürmer schob aus zwölf Metern mühelos zum 1:0 ein (38.). Es hätte ein schöner Doppelschlag werden können. Nur 40 Sekunden später stand Maier völlig frei vor Lange, der den Schuss noch an die Unterkante der Latte lenken konnte.

Dann wurden die Seiten getauscht, und Verl ging langsam, aber sicher die Puste aus. Das Team war noch am Donnerstag zwei Stunden im Westfalenpokal unterwegs. Es wurde eine einseitige Partie, Aachen ließ die Westfalen nicht mehr zur Ruhe kommen, spielte sie müde. Graudenz staubte zum zwölften Saisontor nach präziser Vorarbeit von Behrens zum 2:0 ab (65.). Das letzte Rudel der Saison endete zudem mit einer Gelben Karte für Behrens und einer tiefroten Karte für Hamadi Al Ghaddioui, die sich aus dem Weg schubsten (69.). Die Führung hätte stetig ausgebaut werden können, Ernst zeigte noch einmal einige seiner schönen Flankenläufe, an die man sich gewöhnen könnte. Seine Vorlagen führten nicht mehr zu Treffern. Die eingewechselten Tim Lünenbach und Rafael Garcia verpassten das 3:0 im Fünfmeterraum (87.), ebenso wie Maier mit einem zu hoch angesetzten Kopfball (89.). Die Mannschaft war erneut nicht sonderlich zupackend bei ihren Möglichkeiten, das ist das Manko einer guten Spielzeit, in der sich Alemannia zum heimstärksten Team entwickelt hat. „Die Mannschaft hat es geschafft, diese sensationelle Atmosphäre für sich zu nutzen und in positive Energie umzuwandeln“, freute sich Schubert über diese Entwicklung.

So endete das letzte Heimspiel einer Saison, die sich erst einmal süß-sauer anfühlte. „Einerseits haben wir wirklich etwas geschaffen, andererseits haben wir in einigen Spielen Punkte liegen gelassen“, war Fabian Graudenz noch unentschieden. Der Verbleib des besten Torjägers, auch am Sonntag wieder einer der Besten, ist ungewiss. Bei fünf Spielern aus der Startformation (Lejan, Behrens, Ernst, Graudenz, Hoffmann) läuft der Vertrag aus. Die bisherigen Angebote haben sie ausgeschlagen. „Vieles ist noch nicht geklärt“, sagte Klitzpera auch am Sonntag.