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Alemannia-Saisonrückblick 2021/2022 - Teil 3

Alemannias Saison im Rückblick, Teil 3 : Schwarz-gelbes Happy End

Was für eine Spielzeit für die Alemannia: Lange geisterte das Abstiegsgespenst um den Tivoli, Trainer und Verantwortliche wurden ausgetauscht und im Winter gab es eine Kaderkorrektur – mit Happy End. In drei Artikeln blicken wir zurück auf die vergangenen Monate. Lesen Sie hier den dritten Teil.

Auf die Spielzeit 2021/2022 wird man bei der Alemannia nur in Teilen gerne zurückblicken. Nach der schlechtesten Rückrunde aller Zeiten in der Vorsaison wollten die Schwarz-Gelben ab dem Sommer wieder sportliche Highlights setzen. Doch der dafür geholte Coach Patrick Helmes und sein Team kamen nicht in die Gänge, wieder gerieten die Aachener in Abstiegsgefahr. Erst mit dem Comeback des Rekordtrainers kam die Zuversicht zurück an den Tivoli – und der Schulterschluss zwischen Mannschaft und Fans gelang, obwohl das Band schon zerrissen schien. Am Ende wurde der Klassenerhalt geschafft – mit einer beeindruckenden Mentalität. Ein Rückblick auf die wichtigsten Stationen der Saison 2021/2022.

Im finalen dritten Teil gibt es für die Alemannia-Fans Grund zur Freude. Auf dem Rasen kämpfte und punktete eine Mannschaft, die das Ziel „Klassenerhalt“ mit allem verfolgte, was sie in die Waagschale werfen konnten. Grätschen und gewonnene Zweikämpfe wurden bejubelt wie Siege, so dass der Schulterschluss mit der Anhängerschaft gelang. Die Schwarz-Gelben vom Tivoli agierten wieder als Einheit, Rasen und Ränge pushten sich gegenseitig und so gelang am Ende der nach der Hinrunde kaum für möglich gehaltene Klassenerhalten – dank der Kurskorrekturen im Winter.

13. März 2022: Schulterschluss mit den Fans durch einen 1:0-Heimsieg gegen Lotte

Im Abstiegskampf darf man sich nicht viele Fehler leisten, schon gar nicht gegen die direkte Konkurrenz. Unter diesem Motto stand auch das Heimspiel der Alemannia gegen die Spielfreunde Lotte Mitte März im Rahmen des 29. Spieltags.

Fast 4000 Fans waren auf dem Tivoli – die Stehplätze waren coronabedingt allerdings immer noch gesperrt und so mussten die Alemannia-Anhängerschaft von der Sitzgeraden die Mannschaft unterstützen. Und wie! Der Funke sprang über auf das Team von Fuat Kilic, der nach dem Spiel sagte: „Das ist Leidenschaft, das ist Fußball. So will ich meine Mannschaft sehen.“

Das galt für die zweite Hälfte, in der ersten Halbzeit hielten sich seine Spieler zu sehr zurück, der unbedingte Wille und die Leidenschaft fehlten, doch mit dem Start der zweiten 45 Minuten ging es auf dem Tivoli rund. Tim Korzuschek brachte sein Team in der 49. Minute in Führung, die daraufhin mit allem verteidigt wurde, was da war. Die Spieler kämpften und grätschten auf dem Rasen, die Fans trieben sie auf den Rängen unermüdlich an. Als der Schlusspfiff erfolgte kann die Freude keine Grenzen mehr. Das war Tivoli, das war Alemannia! Zumindest an diesem Tag waren sich dann doch alle irgendwie sicher, dass der Klassenerhalt geschafft werden kann. Zusammen!

19. März 2022: Freistoßhämmer in Wegberg

Die Fans bekamen gegen Wegberg-Beeck zwar kein spielerisches Highlight zu sehen, aber das erwartete im Kampf um den Klassenerhalt auch niemand. Dafür sahen sie bei ihrer Mannschaft Wille und Leidenschaft: Erfolgreiche Grätschen, geglückte Tacklings, gewonnene Zweikämpfe wurden wie Tore bejubelt – und zwar von Mannschaft und Fans.

Und dann hatte die Partie am Ende doch zwei Highlights zu bieten, die einander so deckungsgleich waren, dass man sie für Wiederholungen von sich selbst hätte halten können: Innenverteidiger Franko Uzelac zeigte seine Freistoßkünste und zimmerte mit brachialer Gewalt und so unglaublicher Präzision zwei Bälle aus größerer Entfernung in den Kasten der Gastgeber, dass die Alemannia mit 2:0 siegte und drei weitere Punkte für den Verbleib in der Regionalliga sammelte.

10. April 2022: Essen vor über 10.000 Zuschauern geärgert

Traditionsduell, Kampf gegen den ewigen Rivalen, Westschlager: Für das Aufeinandertreffen zwischen Alemannia Aachen und Rot-Weiss Essen gibt es mindestens so viele Bezeichnungen, wie es Spiele der beiden Vereine gegeneinander gab.

Im April 2022 konnten die Vorzeichen der Partie kaum unterschiedlicher sein: Die Essener grüßten von der Tabellenspitze und waren auf einem guten Weg, nach Jahren der Regionalliga-Tristesse den Sprung zurück in den Profi-Fußball zu schaffen. Die Alemannia hingegen steckte trotz eines bislang guten Jahres 2022 weiter mitten im Abstiegskampf und wollte auf Biegen und Brechen den Absturz aus der Regionalliga verhindern.

Gänsehaut auf dem Tivoli

Und das mit der Unterstützung ihrer Anhängerschaft im Rücken, die endlich wieder auf ihren Stehplätzen Stimmung machten konnten. Fast 11.000 Zuschauer waren am 14. April auf dem Tivoli, um die Begegnung im Rahmen des 33. Spieltags zu verfolgen, etwas mehr als 2000 von ihnen kamen aus dem Ruhrgebiet.

Der Aufstiegsfavorit ging nach 20 Minuten in Führung, doch die Alemannia-Mannschaft 2022 weigerte sich zu verlieren und wollte den Bonuspunkt von einem der Spitzenteams. Für sich und den Verbleib in der Regionalliga und sicher auch, um den Essenern das Leben im Kampf um den Aufstieg möglichst schwer zu machen. Dann kam die 52. Minute, Dino Bajric steckte den Ball durch zu Marcel Damaschek und der Linksfuß blieb vor dem Tor eiskalt: 1:1. Der Tivoli bebte, die Schwarz-Gelben sicherten sich einen ganz wichtigen Punkt – und Essen ärgerte sich.

27. April 2022: Befreiungsschlag in Ahlen

Wie schon in den Saisons zuvor brachte das Coronavirus auch den Spielplan 2021/2022 immer wieder gehörig durcheinander – dadurch hatte die Alemannia stets eine „Bonuspartie“ in der Hinterhand: das Auswärtsspiel bei Rot Weiss Ahlen. Dieses fand an einem Mittwochabend um 19.30 Uhr in Wersestadt statt.

Wochentag und Zeit zum Trotz reisten dennoch Hunderte Aachener mit, denn das Spiel war eines der bedeutendsten der Vereinsgeschichte. Die Anspannung war groß, doch die Alemannia fuhr gefestigt ins Münsterland. Nach dem emotionalen Punkt gegen Essen gab es einen Auswärtssieg in Straelen, einen weiteren Punkt zu Hause gegen die zweite Mannschaft des 1. FC Köln. Nur gegen Wuppertal zog man mit 1:2 erneut den Kürzeren.

In Ahlen nahmen die Schwarz-Gelben von Beginn an das Heft des Handelns in die Hand, die Aachener brauchten den Sieg nicht nur, sie wollten ihn mit allem, was sie hatten, erzwingen. Doch die Truppe von Fuat Kilic und die Fans mussten bis zur 65. Minute auf die Erlösung warten: Hamdi Dahmani markierte das 1:0 und während der Gästeblock den Treffer noch bejubelte, ließ Jannik Mause direkt das 2:0 folgen. Selten durfte es in Ahlen an einem Mittwochabend so laut gewesen sein. Mit dem Auswärtssieg hatten die Kaiserstädter nun alle Trümpfe in der eigenen Hand, um das Abstiegsgespenst endgültig vom Tivoli zu vertreiben. Die Schwarz-Gelben verließen die Abstiegsränge und katapultierten sich auf Platz 13.

6. Mai 2022: Sieg zu Hause gegen Düsseldorf bedeutet die Rettung

Das letzte Heimspiel der Saison 2021/2022 stand am 6. Mai an. Der Gegner: Fortuna Düsseldorf II. In der Regel kein Zuschauermagnet. Aber was war in der Saison 2021/2022 bei der Alemannia schon die Regel? An diesem Freitagabend ging es ab 19.30 Uhr auf dem Tivoli um den Klassenerhalt in der Regionalliga nach einer Hinrunde des Grauens und einer phänomenalen Willensleistung in der Rückrunde nach Korrekturen auf der Trainerbank und in der Mannschaft.

Die Alemannia hatte es 2022 endlich wieder geschafft, die Fans hinter sich zu bringen, das Team auf dem Rasen und die Anhängerschaft auf den Rängen war zu einer Einheit verschmolzen. Das bedeutete für den Abschluss auf heimischem Rasen: fast 10.000 Schwarz-Gelbe auf den Rängen.

Und die trieben ihr Team an, DAS war Tivoli, DAS war Alemannia und in der 11. Minute fiel das 0:1 … Doch weder Fans noch Mannschaft ließen sich davon beirren und drehten gemeinsam die Partie. Kurz vor der Pause glich Franko Uzelac nach einer Ecke von Dino Bajric aus. Der Tivoli verwandelte sich mehr und mehr in ein Tollhaus.

In der zweiten Halbzeit waren keine zwei Minuten gespielt, da flankte Selim Gündüz den Ball in den Strafraum, Hamdi Dahmani servierte für Tim Korzuschek und der bedankte sich mit dem Treffer zum 2:1. Eskalation auf den Rängen!

Alemannia bringt den Tivoli zum Kochen

In der 84. Minute machte Dahmani dann mit dem 3:1 nach einem erneuten Eckball von Bajric den Deckel drauf, die Alemannia siegte, der Abstieg war fast verhindert, der Jubel kannte keine Grenzen, Kapitän Peter Hackenberg bedankte sich im Namen des gesamten Vereins bei den Tausenden Anhängerinnen und Anhängern, von denen die letzten das Stadion erst gegen 22 Uhr verließen. Rund um den Tivoli wurde weiter gesungen, die Menschen fuhren mit den Schals am Auto und der Vereinshymne laut aufgedreht nach Hause, ein perfekter Abend!

Und der wurde am Folgetag noch durch die Ergebnisse der Konkurrenz vergoldet: Die Alemannia hatte den Klassenerhalt geschafft! All die Mühe, die Arbeit, der Wille, die Leidenschaft und der Zusammenhalt hatten sich ausgezahlt.

14. Mai 2022: Letzter Spieltag in Homberg und letztes Spiel für Hacki

Zum Abschluss der turbulenten Saison 2021/2022 musste die Alemannia noch beim VfB Homberg in Duisburg ran. 1000 Schwarz-Gelbe begleiteten die Mannschaft von Fuat Kilic auf der letzten Dienstreise einer Saison, die so sicher keiner hat kommen sehen und so schneller auch keiner mehr braucht.

Der letzte Betriebsausflug 2021/2022 lieferte sportlich keine Highlights mehr, das höhepunktarme Spiel endete im Flair eines Tags im Freibad 0:0.

Und doch hatte es noch seine emotionalen Komponenten, denn diese Partie war die letzte von Kapitän Peter Hackenberg, der seine Karriere beendete. Um 15.11 Uhr verließ Hacki den Platz, nach 184 Spielen im schwarz-gelben Dress und fast neun Jahren in Aachen war Schluss. Alemannias Nummer 24 verabschiedete sich.

Das taten nach Spielschluss auch der Trainer und sein Team – wobei, nicht ganz. Nach den letzten 90 Minuten dieser Saison ging es zurück zum Tivoli, gemeinsam feierten das Team und die Fans dort den Klassenverbleib nach Monaten der Ungewissheit, des Zitterns und Bibberns. Aber auch nach Monaten des Zusammenhalts, der Leidenschaft und des Willens. Was für eine Saison!

Unser Fazit der Saison 2021/2022

Was für eine Spielzeit, was für nervenaufreibende Monate, was für ein Ärger, was für ein Frust, aber was auch eine Leidenschaft und was ein Zusammenhalt. Nach der erschreckenden Rückrunde 2020/2021 hatten sich alle rund um den Tivoli für die nun abgelaufene Spielzeit viel vorgenommen.

Mit Martin Bader als sportlichem und kaufmännischem Geschäftsführer wurde schon weit vor dem Sommer ein Name des deutschen Fußballs installiert, mit dem in und um Aachen sicher niemand gerechnet hätte. Dann wurde mit Patrick Helmes ein Trainer verpflichtet, der zumindest als Spieler wusste, wo das Tor stand, wie offensiver, mitreißender Fußball aussieht. Als Kölner kannte er auch die Alemannia – wenn auch aus Sicht des Gegners.

Die Euphorie im Sommer war durchaus da, die Testspiele – auch wenn es genau nur solche sind – hinterließen einen Eindruck einer torhungrigen Mannschaft, die spielerische Akzente setzen will. Und auch der erste Pflichtspielauftritt in Münster bei einem der Topfavoriten der Liga machte leise Hoffnung, dass das Versprechen in dieser Saison wieder in ruhigere Fahrwasser zu gelangen und dabei den ein oder anderen aus höheren Tabellenregionen zu ärgern, eingelöst werden könnte.

Doch damit war es schnell vorbei. Statt begeisternder Auftritte verzweifelte die Anhängerschaft an dem, was sie geboten bekam. Offensiv ideenlos, defensiv wacklig, kaum Punkte und recht schnell war klar: In dieser Saison ging es nur ums Überleben.

Nach coronabedingten Einschränkungen in den vielen Monaten zuvor, in denen die Leistung auf dem Platz schon nicht stimmte, gab es für die bisherigen Verantwortlichen dann die Quittung bei der Mitgliederversammlung Anfang Oktober. Und das neue Team um Präsident Ralf Hochscherff und Aufsichtsratsvorsitzenden Marcel Moberz zögerten auch nicht lange, um aktiv zu werden.

Patrick Helmes wurde Mitte Oktober freigestellt, sportliche hatte der noch junge Trainer auch nicht wirklich Argumente auf seiner Seite, Martin Bader, sein Förderer am Tivoli, wurde nur wenige Wochen später von seinen Aufgaben entbunden. Wer sollte es jetzt machen? Wer sollte die teils desolate Truppe auf dem Rasen wieder hinkriegen? Wer war in der Lage, die Alemannia noch zu retten?

Fuat Kilic! Die Suche nach einem neuen Trainer war schnell beendet, denn der alte erklärte sich bereit, „nach Hause zu kommen“ und den Retter zu geben. Die einen bejubelten das Comeback, die anderen waren skeptisch, denn Kilic hatte den Tivoli zuvor verlassen, da auch ihm nach viereinhalb Jahren die Perspektiven fehlten. Doch Kilic war wieder Feuer und Flamme für die Alemannia.

Und diese Begeisterung konnte er der Mannschaft vermitteln. Bis zum Winter musste er mit dem Bader-Helmes-Kader arbeiten, dann nahm er Korrekturen vor, unter anderem wurden Sebastian Schmitt und Alexander Heinze zurück an den Tivoli geholt, von Saarbrücken lieh man sich Tim Korzuschek aus und der vereinslose Selim Gündüz wurde zur emotionalen Galionsfigur der neuformierten Truppe.

Diese schaffte etwas, was in den vergangenen Jahren lange keine Mannschaft mehr auf dem Tivoli geschafft hatte: Sie überzeugte die Fans mit ihrer Leidenschaft, ihrem Willen und ihrem Einsatz. Es entstand wieder ein Band zwischen den Rängen und dem Rasen, der Funke sprang über. Niemand rund um den Tivoli braucht in erster Linie spektakulären Fußball, keiner braucht Einzeldribblings durch ganze Abwehrreihen oder Tricks im Mittefeld. Als Zusatz und wenn es klappt: super. Aber zunächst wollen alle spüren, dass jeder, der das Trikot der Alemannia trägt, dies mit Stolz tut. Alemannia ist Wille, Leidenschaft und Einsatz und all dies wurde gelebt.

Nur so konnte der Klassenerhalt nach einem – für die Umstände – wirklich guten Halbjahr 2022 doch noch gesichert werden. Sicherlich niemand möchte eine solche Spielzeit alsbald wieder erleben. Dann doch lieber wieder „langweilig“ Sechster werden, im FVM-Pokal ins Finale einziehen und mal schauen … Aber wenn die Spielzeit 2021/2022 für etwas gut war, dann für eine wiederentfachte Liebe zwischen Rängen und Rasen. Diese muss nun gepflegt werden, Alemannias neues sportliches Dreigestirn um Kilic, Geschäftsführer Sascha Eller und Sportdirektor Helge Hohl muss den Kern der Mannschaft halten, gezielt Schlüsselpositionen neu besetzen und vor allem Spieler holen, die die Alemannia-Werte leben.

Denn eine ganze Saison spielt man auf Sicht nicht nur mit guten Spielern erfolgreich, eine gelebte Einheit und der Zusammenhalt mit den Fans sind Trümpfe, die nicht jeder Verein aufweisen kann. Die Alemannia hat sie im Jahr 2022 bislang perfekt ausgespielt. Und wer weiß, wer weiß …

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