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Alemannia-Saisonrückblick 2021/2022 - Teil 2

Alemannias Saison im Rückblick, Teil 2 : Die Rückkehr von Fuat Kilic

Was für eine Spielzeit 2021/2022 für die Alemannia: Lange geisterte das Abstiegsgespenst um den Tivoli, Trainer und Verantwortliche wurden ausgetauscht und im Winter gab es eine Kaderkorrektur – mit Happy End. In drei Artikeln blicken wir zurück auf die vergangenen Monate. Lesen Sie hier den zweiten Teil.

Auf die Spielzeit 2021/2022 wird man bei der Alemannia nur in Teilen gerne zurückblicken. Nach der schlechtesten Rückrunde aller Zeiten in der Vorsaison, wollten die Schwarz-Gelben ab dem Sommer wieder sportliche Highlight setzen. Doch der dafür geholte Coach Patrick Helmes und sein Team kamen nicht in die Gänge, wieder gerieten die Aachener in Abstiegsgefahr. Erst mit dem Comeback des Rekordtrainers kam die Zuversicht zurück an den Tivoli – und der Schulterschluss zwischen Mannschaft und Fans gelang, obwohl das Band schon zerrissen schien. Am Ende wurde der Klassenerhalt geschafft – mit einer beeindruckenden Mentalität. Ein Rückblick auf die wichtigsten Stationen der Saison 2021/2022.

Im zweiten von drei Teilen treffen die Alemannia-Fans auf einen alten Bekannten. Nach der Freistellung von Patrick Helmes übernahm Fuat Kilic wieder die Geschicke am Tivoli – und krempelte den Kader im Winter gewaltig um. Auch auf der Geschäftsstelle wurden Posten neu vergeben. Das zweite Saisondrittel stand für (erneut) große personelle Veränderungen, die letztlich den Grundstein für einen freudigen Saisonabschluss legten.

29. Oktober 2021: Comeback von Fuat Kilic

Fuat Kilic ist Alemannias Rekordtrainer – zumindest, wenn es um die längste Amtszeit am Stück geht. Zwischen Januar 2016 und Sommer 2020 war er bei den Aachenern Trainer und Sportdirektor in Personalunion, unter ihm gelang der FVM-Pokalsieg 2019 und damit verbunden der Einzug in die erste DFB-Pokalhauptrunde.

 Freitags den Vertrag unterschrieben und samstags schon an der Seitenlinie beim Westschlager in Essen: Fuat Kilic.
Freitags den Vertrag unterschrieben und samstags schon an der Seitenlinie beim Westschlager in Essen: Fuat Kilic. Foto: Jérôme Gras

Nach seinem freiwilligen Abgang im Sommer 2020 wurde der Trainerstuhl am Tivoli wieder zum Schleudersitz: Stefan Vollmerhausen (Juli 2020 bis Februar 2021), Dietmar Bozek/Kristoffer Andersen (Februar 2021 bis Juni 2021), Patrick Helmes (Juli 2021 bis Oktober 2021) und für ein FVM-Pokalspiel im Oktober noch Uwe Grauer folgten aufeinander..

Nach der Freistellung von Patrick Helmes geisterten zwar einige Namen um den Tivoli, doch die Verantwortlichen legten sich schnell auf den Ex-Coach fest. Es brauchte nicht viele Gespräche, bis Kilic zurück in der Kaiserstadt war: „Ich habe Alemannia auch nach meinem Abschied nicht aus den Augen verloren. Es fühlt sich an, wie nach Hause zu kommen“, sagte der Fußballlehrer zu seiner Rückkehr.

Kilic leitete noch am Tag seiner Rückkehr das erste Training, bereits einen Tag später stand das Comeback an der Seitenlinie an: Die Alemannia musste an der Hafenstraße gegen das Top-Team der Liga ran. Wie schon so häufig in der Vergangenheit trafen die Aachener in Krisenzeiten auf den ewigen Rivalen aus Essen. 800 Schwarz-Gelbe wollten die Kilic-Rückkehr vor Ort verfolgen – und wurden nicht enttäuscht.

Die Alemannia lieferte am 14. Spieltag einen großen Kampf ab und konnte den Rot-Weissen fast einen Punkt abnehmen. Nach einem frühen Rückstand in der 7. Minute glich Hamdi Dahmani noch vor der Halbzeit für die Gäste aus. Und die Aachener hielten das Unentschieden lange fest. 90 Minuten waren bereits rum, doch dann kam die Nachspielzeit. Die Essener erhöhten noch einmal den Druck, doch die Kilic-Elf hielt dagegen. Eine Minute, zwei Minuten, drei Minuten, vier Minuten, doch die fünfte Minute über der Zeit war zuviel. Essen markierte mit der letzten Aktion des Spiels den Siegtreffer. Bitter!

Und dennoch: Der Kilic-Effekt war sichtbar, die Spieler zeigten eine andere Einstellung, es machte sich ganz vorsichtig ein bisschen Zuversicht und Optimismus breit.

6. November 2021: Spektakuläres Heimspieldebüt von Kilic

Rund eine Woche nach seiner Rückkehr nach Aachen stand für Fuat Kilic die Rückkehr an seinen vertrauen Platz auf dem Tivoli an. Beim Heimspiel gegen den SV Straelen nahm Kilic wieder auf der Trainerbank Platz, die er viereinhalb Jahre besetzte. Oder besser: Er stand wie gewohnt davor, gab lautstark Kommandos von außen und feuerte seine Mannschaft an.

Mit Erfolg: Es waren keine fünf Minuten gespielt und Hamdi Dahmani, der unter Kilic sichtlich aufblühte, sorgte für das schnelle 1:0 für die Hausherren. Sechs Minuten später vermeldete Stadionsprecher Robert Moonen bereits das 2:0 durch Dino Bajric. Nach einem Gegentreffer erhöhte dann Jannik Mause noch vor der Halbzeit auf 3:1. So viele Treffer auf der richtigen Seite gab es auf dem Tivoli schon lange nicht mehr. Da konnten doch alle beruhigt in die Halbzeit gehen, denn das Ding war doch quasi durch, oder?

Alemannia Aachen schlägt Straelen mit 5:3

Vielleicht bei anderen Mannschaften, nicht aber beim Alemannia-Team im November 2021 … Es waren keine 15 Minuten mehr zu spielen, da gab es in zwischen der 78. und 80. Minute einen Doppelschlag der Straelener und plötzlich stand es 3:3. Ein sicher geglaubter Sieg schien dahin. Doch es waren noch zehn Minuten zu spielen und die Achterbahnfahrt an diesem 15. Spieltag hielt ein spektakuläres Ende bereit: Die Alemannia schlug mit Treffern von Mause kurz vor Schluss und André Dej in der Nachspielzeit zurück: 5:3 hieß es am Ende beim Heimdebüt von Rückkehrer Kilic.

13. November 2021: 0:5-Klatsche in Wuppertal

Keimte nach dem guten Auftritt in Essen trotz der Niederlage und dem spektakulären Sieg zu Hause gegen Straelen etwas Euphorie nach der Rückkehr von Fuat Kilic auf, wurden alle, die es mit der Alemannia halten, in Wuppertal auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Im Stadion am Zoo setzte es im Dauerregen am 16. Spieltag eine 0:5-Klatsche.

Bereits zur Halbzeit lagen die Schwarz-Gelben nach haarsträubenden Fehlern mit 0:2 zurück, in der zweiten Halbzeit fing man sich zehn Minuten nach Wiederanstoß das 0:3 und ergab sich daraufhin dem Schicksal. „Wir haben den Gegner zu Gegentoren eingeladen“, urteilte Alemannias sichtlich enttäuschter Trainer nach Spielschluss. „Am Ende können wir froh sein, nicht noch höher verloren zu haben.“ Und mehr muss man zu dieser Nicht-Leistung im Nachhinein auch nicht schreiben.

26. November 2021: 0:3-Debakel in Düsseldorf

Das 0:5 in Wuppertal hätte ein Weckruf für die Mannschaft sein können, doch eine wirkliche Reaktion blieb aus. Zwar gab es zwischenzeitlich einen Sieg im FVM-Pokal gegen den SV Helpenstein, doch wirklich überzeugend war der nicht. In der Liga hingegen wurde das Heimspiel gegen Fortuna Köln mit 0:1 verloren, danach ging es am 18. Spieltag an einem Freitagabend in die Landeshauptstadt.

Dort musste die Alemannia im Paul-Janes-Stadion gegen die zweite Mannschaft von Fortuna Düsseldorf ran. Vor Ort waren gerade einmal 366 Zuschauer, 300 davon hielten es mit der Alemannia, doch was sie zu sehen bekamen, war alles andere als leicht zu ertragen.

Zwar hatten die Aachener zunächst noch ein optisches Übergewicht, doch mit katastrophalen Schnitzern brachte man sich in der Defensive in Bedrängnis, die Gegenspieler wurden nicht gedeckt und am Ende brach alles in sich zusammen. 0:3 hieß es nach dem Schlusspfiff aus Aachener Sicht. „In der Woche schont sich keiner im Training, aber hier schonen wir am Ende den Gegner. Das war kein Aufbäumen, das geht so nicht“, urteile Kapitän Peter Hackenberg. Sein Innenverteidiger-Kollege Frank Uzelac ergänzte: „So werden wir es schwer haben, Punkte zu holen.“

Und das sagen auch die mehr als bedienten mitgereisten Anhängerinnen und Anhänger so. Die Mannschaft konnte sich am Gästeblock einiges anhören, vieles davon war nicht sehr freundlich formuliert, die Emotionen kochten über. Kein Wunder nach mehr als einem Jahr, in dem es meist von einem zum nächsten Tiefpunkt ging, in einer Situation, in der ein Abstieg aus der Regionalliga ein immer denkbareres Szenario wurde und bei der Angst der treuesten der Treuesten um ihren Verein. Der Geduldsfaden der Fans war endgültig zerrissen, neben den sportlichen Problemen auf dem Platz musste sich Trainer Kilic auch Gedanken machen, wie man das Faustpfand Fans wieder für sich gewinnen konnte. Es wurde Zeit für die Winterpause!

15. Dezember 2021: Das Aus von Martin Bader

Bader hatte frühzeitig Patrick Helmes als neuen Trainer installiert, lotste gemeinsam mit dem Kölner im Sommer neue Spieler an den Tivoli und war auch weiter von „seinem“ Trainer überzeugt, als sonst alle rund um die Alemannia bereits mit im abgeschlossen hatten. Spätestens mit der Freistellung von Helmes war Martin Bader am Tivoli angezählt, denn seine Entscheidung – trotz sportlicher Leitung – war es nicht.

Mitte Dezember wurde er dann von den neuen Gremien, die erst seit Anfang Oktober am Tivoli in Amt und Würden waren, über seine fristlose Kündigung „aus wichtigem Grund“ informiert. In diesem Gespräch ging es auch um eine „unterschiedliche strategische Ausrichtung“ des Vereins, den Bader eigentlich bis mindestens Mitte 2023, solange galt sein Arbeitsvertrag, mitführen sollte.

Damit war die Ära Bader am Tivoli, sofern man nicht einmal zwölf Monate so betiteln kann, nach etwas mehr als einem halben Jahr schon wieder beendet. Wenn man davon absieht, dass sich die beiden Parteien noch vor dem Arbeitsgericht sehen werden.

Zum Jahresende stand die Alemannia damit sportlich und kaufmännisch ohne Geschäftsführer da.

21. Dezember 2021: Alexander Heinze kehrt zurück an den Tivoli

Am Endes des Jahres 2021 stand die Alemannia nach 20 von 38 absolvierten Partien auf dem 18. Platz der Regionalliga West. Allein der Trainerwechsel von Patrick Helmes zurück zu Ex-Ex-Ex-Ex-Coach Fuat Kilic konnte den freien Fall bis fast ans Tabellenende nicht stoppen – die Spiele bis dahin hatten klare Mängel in der Kaderzusammenstellung deutlich gemacht. Einige Spieler konnten an bisherige Leistungen in ihren ehemaligen Vereinen nicht anknüpfen, andere schienen einfach nicht besser zu sein. Und bei anderen war es wohl eine Kopf- und/oder Mentalitätsfrage.

Kilic musste Köpfe rollen lassen, „zum Wohle des Vereins“. Zudem musste frisches Blut in den Kader, es sollten Spieler her, die zum einen das Alemannia-Gen bereits in sich trugen und zum anderen unvorbelastet an die wohl schwierigste und wichtigste Rückrunde der Vereinsgeschichte rangehen konnten.

Ein zentraler Baustein in Kilics Überlegungen war sein einstiger „Rohdiamant“ Alexander Heinze. Heinze kam im Sommer 2017 an den Tivoli und wurde schnell zum Stammspieler. Über Jahre hinweg lieferte der 1,96 Meter große Innenverteidiger konstant seine Leistung. Nach der schwachen Saison 2020/2021 entschied Patrick Helmes im Sommer, dass er nicht mit Heinze arbeiten werde und stattdessen auf die Dienste von Tjorben Uphoff bauen wolle. Heinze verließ den Tivoli, blieb aber in Aachen – als Fan. Fit hielt er sich beim SV Breining.

Ein halbes Jahr später war er zurück im Alemannia-Dress. Genauso wie Sebastian Schmitt. Zudem wurde Tim Korzuschek von Saarbrücken ausgeliehen und Selim Gündüz, der nach seinem bis dahin letzten Engagement in Halle monatelang vereinslos war, verpflichtet. Sie alle hatten am Ende maßgeblichen Anteil daran, dass die Schwarz-Gelben das Ruder tatsächlich rumreißen und den Klassenerhalt schaffen konnten.

4. Januar 2022: Sascha Eller wird Geschäftsführer

„Der Verein liegt mir sehr am Herzen, und ich habe bereits umfassende Einblicke in sämtliche Ebenen bei der Alemannia erhalten“, sagte Sascha Eller zum Jahresbeginn 2022. Der ehemalige Sportliche Leiter in Alemannias Jugendbereich hatte nach dem Aus von Martin Bader als Geschäftsführer die kaufmännischen Aufgaben zunächst interimsweise übernommen. Zum Start ins neue Jahr wurden ihm diese Aufgaben vollständig übertragen.

 Vom sportlichen Leiter des Jugendbereichs zum kaufmännischen Geschäftsführer: Sascha Eller übernahm erst interimsweise und dann als Dauerlösung die Aufgaben von Martin Bader am Tivoli.
Vom sportlichen Leiter des Jugendbereichs zum kaufmännischen Geschäftsführer: Sascha Eller übernahm erst interimsweise und dann als Dauerlösung die Aufgaben von Martin Bader am Tivoli. Foto: Jérôme Gras

Der studierte Sportfachwirt, der seit 2018 am Tivoli tätig ist, wurde vom Aufsichtsrat berufen: „Wir sind der festen Meinung, dass wir mit Sascha jemanden gefunden haben, der unsere Farben und unsere Idee von der Ausrichtung des Vereins voll und ganz verkörpert.“

Gemeinsam mit Fuat Kilic sollte er nun in der Winterpause an einer Korrektur des Kaders arbeiten, um den drohenden Abstieg aus der Regionalliga West zu verhindern.

22. Januar 2022: Start einer Erfolgsserie zum Jahresbeginn

Mit einer Korrektur des Kaders, einem motivierten Trainer und einer großen Aufgabe ging die Alemannia ins neue Jahr. Fuat Kilic hatte sich im Winter von Spielern getrennt, neue Akteure und alte Bekannte (zurück) an den Tivoli geholt. Gemeinsam mit den Fans sollte der große Kraftakt Klassenerhalt gestemmt werden. Und was die Fans zum Jahresstart auf dem Tivoli sahen, ließ hoffen.

Mit Sebastian Schmitt, Tim Korzuschek, Alexander Heinze und Selim Gündüz spielten gleich vier neue Gesichter von Beginn an im Heimspiel gegen den SV Lippstadt am 22. Spieltag. Und das zweite Aufeinandertreffen der beiden Teams war nicht mit dem Hinrundenspiel zu vergleichen, das die Alemannia sang- und klanglos in der Liebelt Arena verloren hatte.

Aachen schlägt Lippstadt deutlich

Sebastian Schmitt, Aldin Dervisevic und Marcel Damaschek erledigten nicht nur ihre Defensivaufgaben bravourös, sie markierten auch die Treffer zum 3:0-Sieg. Mit dem 1:1 vor der Winterpause auf Schalke waren die Aachener damit schon zwei Spiele in Folge ungeschlagen.

Es folgte eine Serie guter Ergebnisse: 3:2 zu Hause gegen Uerdingen, 1:1 bei guten Wiedenbrückern mit einem Traumtor von Peter Hackenberg, 2:0-Heimsieg gegen Homberg und ein ärgerliches 0:0 auf dem Tivoli gegen den Bonner SC. Mit dem anschließenden 2:0 im FVM-Pokal gegen Langerwehe schafften die Schwarz-Gelben es, sieben Pflichtspiele in Folge unbesiegt zu bleiben. Erst am 28. Spieltag gab es mit dem 2:3 im Grenzlandstadion gegen Borussia Mönchengladbach II einen kleinen Rückfall in alte Verhaltensmuster. Doch das sollte schnell korrigiert werden.

9. Februar 2022: Helge Hohl wird neuer Sportdirektor

Im Februar 2022 wechselte er von der Seitenlinie an den Schreibtisch und übernahm das Amt des Sportdirektors bei den Schwarz-Gelben. Damit komplettierte Hohl die sportliche Führung um Trainer Fuat Kilic und Geschäftsführer Sascha Eller.

 Hat trotz seines jungen Alters schon viel Erfahrung im Fußball in der Region: Alemannias neuer Sportdirektor Helge Hohl.
Hat trotz seines jungen Alters schon viel Erfahrung im Fußball in der Region: Alemannias neuer Sportdirektor Helge Hohl. Foto: Jérôme Gras

„Mit Helge Hohl holen wir uns einen Menschen ins Boot, der trotz seines jungen Alters über eine umfassende Erfahrung verfügt und die Region bereits bestens kennt. Mit seinen Ideen, seiner Dynamik und seinem Sachverstand wollen wir uns als Verein weiter professionalisieren, gemeinsam reifen und erfolgreich sein,“ sagte Eller zur Verpflichtung des gebürtigen Bonners.