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Alemannia-Saisonrückblick 2021/2022 - Teil 1

Alemannias Saison im Rückblick, Teil 1 : Helmes kommt, Helmes geht

Was für eine Spielzeit für die Alemannia: Lange geisterte das Abstiegsgespenst um den Tivoli, Trainer und Verantwortliche wurden ausgetauscht und im Winter gab es eine Kaderkorrektur – mit Happy End. In drei Artikeln blicken wir zurück auf die vergangenen Monate. Lesen Sie hier den ersten Teil.

Auf die Spielzeit 2021/2022 wird man bei der Alemannia nur in Teilen gerne zurückblicken. Nach der schlechtesten Rückrunde aller Zeiten in der Vorsaison wollten die Schwarz-Gelben ab dem Sommer wieder sportliche Highlight setzen. Doch der dafür geholte Coach Patrick Helmes und sein Team kamen nicht in die Gänge, wieder gerieten die Aachener in Abstiegsgefahr. Erst mit dem Comeback des Rekordtrainers kam die Zuversicht zurück an den Tivoli – und der Schulterschluss zwischen Mannschaft und Fans gelang, obwohl das Band schon zerrissen schien. Am Ende wurde der Klassenerhalt geschafft – mit einer beeindruckenden Mentalität. Ein Rückblick auf die wichtigsten Stationen der Saison 2021/2022.

Im ersten von drei Teilen müssen Alemannia-Fans stark sein: Wir blicken auf das erste Saisondrittel, in dem die Alemannia kaum einen Fuß auf den Boden brachte und den Grundstein für eine bis zum Ende nervenzerreißende Saison legte.

3. Juli 2021: Trainingsauftakt am Tivoli

Nach der verkorksten Saison 2020/2021 mit der schlechtesten Rückrunde der Vereinsgeschichte wurden die Uhren am Tivoli im Sommer auf null gestellt: Mit Patrick Helmes übernahm ein neuer Trainer die Geschicke, der ehemalige Bundesligaprofi und Nationalstürmer wollte mit der Alemannia wieder „sportliche Highlights“ setzen, „ein paar Mannschaften in der Tabelle ärgern“ und den „Spaß zurück an die Krefelder Straße“ bringen.

Nachdem die Fans in der Vorsaison aufgrund der Corona-Krise keine aktive Rolle während der Spiele einnehmen konnten, war die Vorfreude auf die neue Spielzeit umso größer. Endlich wieder Fußball live vor Ort im Stadion, endlich wieder das Team anfeuern, endlich wieder Emotionen ausleben können. Dem Trainingsauftakt durften 100 Schwarz-Gelbe beiwohnen, Freude auf beiden Seiten: „Die haben wir richtig vermisst“, sagte Aachens dienstältester Spieler Peter Hackenberg.

14. August 2021: Eine Auftaktniederlage in Münster, die Mut macht

Gleich zum Saisonbeginn musste die Alemannia bei einem der beiden Topfavoriten auf die Meisterschaft ran: Preußen Münster. 400 Schwarz-Gelbe reisten ins Münsterland, um den ersten Auftritt ihrer Mannschaft vor Ort zu erleben. Es dauerte keine Viertelstunde, da konnte der Gästeblock auch schon jubeln: Neuzugang Tjorben Uphoff markierte in der 13. Minute die Führung für die Kaiserstädter. Nach einer Ecke vom ebenfalls neuen Spielmacher Christian Gartner hielt der Innenverteidiger den Fuß hin und spitzelte den Ball ins Netz. Ein Auftakt nach Maß!

Doch im Laufe der Partie zeigte sich, warum Münster neben Rot-Weiss Essen als Anwärter auf die Meisterschaft galt. Noch vor der Pause kassierten die Aachener den Ausgleich. In der zweiten Hälfte schwanden dann die Kräfte, die Alemannia versuchte mit allen Mitteln, den einen Punkt zu sichern, doch in der Nachspielzeit macht Münster mit der letzten Aktion den Siegtreffer. Bitter! „Da haben die Jungs gesehen, was noch fehlt“, sagte Helmes damals, war aber dennoch zufrieden mit der Leistung. Ebenso wie die mitgereiste Anhängerschaft. Doch dieses Gefühl sollte nicht allzu lange Bestand haben.

4. September 2021: Blamage gegen Uerdingen

Im Rahmen des 5. Spieltags der Regionalliga West musste die Alemannia beim Drittligaabsteiger KFC Uerdingen ran. Die Krefelder, die nach dem Zwist mit Investor Michail Ponomarjow in die Insolvenz gehen mussten, hatten erst kurz vor Saisonbeginn überhaupt einen Kader zusammenbekommen. Der setzte sich hauptsächlich aus vielen jungen und unerfahrenen Spielern zusammen. Nach den ersten vier Spieltagen standen null Punkte auf dem Konto, dafür aber bereits 20 Gegentore.

Die Heimspiele konnte der ehemalige Bundesligist nicht in der altehrwürdigen Grotenburg austragen, gespielt wurde im Stadion Velbert – auch an diesem sonnigen Septembertag. Abgesehen von der Sonne war es das aber an diesem Tag auch schon an positiven Erlebnissen für alle Schwarz-Gelben.

In den 90 Spielminuten schaffte es die Mannschaft von Patrick Helmes, keine einzige echte Torchance zu kreieren. Die Hausherren hingegen warfen alles in die Waagschale, um endlich ihren ersten Punktgewinn feiern zu können – mit Erfolg. Während die Uerdinger ihr Team (zu Recht) feierten, war der Frust aufseiten der Aachener groß. Nach fünf Spieltagen gab es immer noch keinen Sieg und einen weiteren Auftritt, der nicht die Werte der Alemannia widerspiegelte. Entsprechende Unmutsäußerungen gab es aus dem Gästeblock in Richtung der eigenen Mannschaft – ein Bruch, der bis ins nächste Jahr nicht mehr zu kitten war.

16. September 2021: Mause-Dreierpack in Köln

Geht doch! Am 7. Spieltag war es endlich so weit: Die Alemannia konnten ihren ersten Saisonsieg feiern. Und das beim Auswärtsspiel in Köln bei der zweiten Mannschaft des FC. In diesem Spiel trafen mit den Hausherren die torhungrigste Mannschaft (5 Spiele/16 Tore) und mit den Gästen das torärmste Team (6/3) aufeinander.

Und für die Aachener konnte das Spiel vor den Augen des ehemaligen Trainers Fuat Kilic gar nicht schlechter beginnen: Nach rund 20 Minuten wurde ein Treffer von Aachens Stürmer Jannik Mause, der im Sommer vom Ligakonkurrenten Wegberg-Beeck an den Tivoli gewechselt war, nicht gegeben, direkt im Gegenzug kassierten die Kaiserstädter das Gegentor zum 0:1.

Doch statt auch im sieben Spiel sieglos zu bleiben, schlugen die Schwarz-Gelben dieses Mal zurück. Und wie! Zwischen der 33. und 40. Minute drehte Mause die Partie für seine Mannschaft mit einem Hattrick. Das gelang zuletzt Emmanuel Krontiris in einem Aachener Trikot. 18 Jahre zuvor traf der Debütant für die Alemannia im Rheinenergiestadion gegen die erste Mannschaft des FC. Der damals 21-Jährige brauchte dafür 21 Minuten, Mause hingegen erzielte seine drei Treffer innerhalb von nur acht Minuten – Vereinsrekord von Rolf Kucharski aus der Saison 1974/1975 eingestellt.

Die Alemannia konnte endlich den ersten Saisonsieg feiern und die Freude darüber kaschierte die auch in diesem Spiel offensichtlichen Schwächen des Teams in der Defensive, im Spielaufbau und in der Offensive. Doch man wähnte sich endlich auf einem guten Weg: „Die Jungs haben erlebt, dass sie jeden Gegner schlagen können, wenn sie die Chancen nutzen“, sagte Helmes nach dem Spiel.

2. Oktober 2021: „Team Hochscherff“ gewinnt die Präsidiumswahl

Einen Tag nach einer 0:1-Niederlage der Alemannia in Lotte, der sechsten im zehnten Saisonspiel, fand auf dem Tivoli die Präsidiumswahl statt. Zwei Teams hatten sich den Mitgliederinnen und Mitgliedern zur Wahl gestellt, nachdem der bisherige Präsident Martin Fröhlich verkündet hatte, nicht erneut antreten zu wollen. Da war zum einen das „Team Gronen“, das sich vor allem aus dem bisherigen Präsidium zusammensetzte. Auf der anderen Seite war das „Team Hochscherff“, das die Alemannia wieder emotionaler, familiärer und nahbarer machen wollte – und damit wohl den richtigen Ton traf.

Rund 70 Prozent der gültigen Stimmen der Mitgliederversammlung entfielen auf Ralf Hochscherff und sein Team, Machtwechsel am Tivoli.

8. Oktober 2021: Erster Heimsieg des Jahres

Der Name „Tivoli“ ist in der Fußballwelt vor allem mit dem Alten Tivoli verknüpft. Egal welche Mannschaft die Reise nach Aachen antreten musste: Vor dem Kultkasten, der Atmosphäre und der Stimmung hatten alle immer einen großen Respekt. Hier zu punkten, war nicht leicht. Zu Hause konnte die Alemannia stets mit allen mithalten und allen Paroli bieten.

Seit dem Umzug in den Neuen Tivoli ist dieser Mythos ein wenig ins Wanken geraten. Besonders ersichtlich wurde das im Jahr 2021. In diesem Jahr spielten die Schwarz-Gelben nicht nur die schlechteste Rückrunde der Vereinsgeschichte (letzter Platz der Rückrundentabelle 2020/2021), es dauerte acht Monate, ehe der erste Heimsieg in diesem Jahr gefeiert werden konnte.

Am 11. Spieltag der Regionalliga West empfingen die Schwarz-Gelben den FC Wegberg-Beeck auf dem Tivoli. In der zuvor angesprochenen Rückrunde gelang der Alemannia damals ein wichtiger Auswärtssieg in einer heiklen Phase. Und auch an diesem Freitagabend, am 8. Oktober 2021, befanden sich die Kaiserstädter wieder in einer solchen Phase. Nach Spieltagen standen gerade einmal sechs Punkte auf der Habenseite, im gesamten Kalenderjahr gab es noch keinen Dreier zu Hause.

„Wow, was für ein Abend“, sagte Aachens Trainer Patrick Helmes, nachdem sein Team endlich wieder einen Heimsieg feiern konnte. Mit 3:2 behielten die Hausherren am Ende die Oberhand, Matti Cebulla, Tim Buchheister und André Dej trafen für die Alemannia – keiner von ihnen sollte im Laufe der Saison noch eine Rolle spielen. Cebulla kam kaum noch zu Einsätzen, ihm wurde noch vor Saisonende freigestellt, schon einmal bei anderen Klubs vorspielen zu können. Buchheister wurde im Winter ein Wechsel nahegelegt, später wurde der Vertrag aufgelöst. Und Dej wechselte zwischen den Jahren zum Ligakonkurrenten Fortuna Köln. An diesem Abend allerdings wurden ihre Tore bejubelt, doch die Freude über den Sieg hielt nicht lange an.

25. Oktober 2021: Beurlaubung von Patrick Helmes

Am 13. Spieltag gastierte Rot Weiss Ahlen am 23. Oktober 2021 auf dem Tivoli. Und dieser Samstag endete für die Alemannia in einem sportlichen Desaster. Dabei lagen die Schwarz-Gelben nach nicht einmal zehn Minuten durch Tim Buchheister mit 1:0 in Führung. Doch Ahlens Jan Holldack und Andreas Ivan hatten sich für diesem Samstag vorgenommen, die ultimativen Spielverderber für Aachen zu sein: Noch vor der Pause fiel der Ausgleich, kurz nach dem Wiederanpfiff war das Spiel gedreht. Am Ende erzielten beide einen Doppelpack und die Rot Weissen siegten mit 4:1.

Nach dem Debakel tagte Alemannias Aufsichtsrat – und zwar täglich, bis Montagabend eine Entscheidung gefällt wurde: Die Amtszeit von Patrick Helmes am Tivoli war nach nur wenigen Monaten schon wieder beendet. Dabei hatte sich Geschäftsführer Martin Bader zuvor noch für den Kölner starkgemacht. Doch Aufsichtsratsvorsitzender Marcel Moberz, selbst erst kurze Zeit im Amt, zog die Reißleine: „Wir waren von dem Weg mit Patrick Helmes überzeugt, müssen aber nun angesichts ausbleibender Ergebnisse im Sinne der Alemannia handeln. Die Entscheidung ist uns sehr schwergefallen, da Patrick als Typ hervorragend zu diesem Verein passt.“

Und die sportliche Situation sprach wirklich nicht für Helmes: Die Alemannia belegte nach einem Drittel der Saison den 15. Platz, hatte gerade einmal zehn Punkte auf dem Konto und befand sich in größter Abstiegsgefahr.

Nun musste ein neuer Trainer her. Es kursierten ein paar Namen, doch am Ende wurde es ein alter Bekannter, der mit seiner Alemannia-Expertise den Verein wieder auf Kurs bringen sollte.

Weiter geht unser Saisonrückblick mit dem zweiten Teil. Dieser beschäftigt sich mit der Rückkehr eines alten Bekannten auf die Trainerbank, die Neubesetzung der Geschäftsführung und großen Veränderungen im Winter. Im abschließenden dritten Teil wird es emotional – und am Ende gibt es Grund zu Freude.

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