Aachen: Alemannia: Rückkehr der beiden „Stubenältesten”?

Aachen: Alemannia: Rückkehr der beiden „Stubenältesten”?

Friedhelm Funkel stellte dann keine zwei weiteren Fahrscheine aus. Als der Mannschaftsbus von Alemannia Aachen am Donnerstag Richtung Franken rollte, hatte der Cheftrainer nur einen 16er-Kader an Bord.

Lautete die Frage noch vor kurzem „Welche zwei Feldspieler müssen zu Hause bleiben?”, so stellte sich nun die Denksport-Aufgabe „Welche zwei nehme ich noch mit?” Unter der Woche hatten Stürmer Denis Pozder und Mittelfeldspieler Sascha Marquet aus dem NRW-Liga-Team mit den Profis trainiert. Die Aufgabe am Freitagabend (18 Uhr) beim Tabellenführer SpVgg Greuther Fürth erschien Funkel letztlich als ungeeignet, um die 22-Jährigen erstmals Zweitliga-Luft schnuppern zu lassen.

Es sind größere Umbauarbeiten nötig bei den Schwarz-Gelben, die nach der finanziellen Rettung die sportliche Qualifikation für die nächste Saison nachweisen müssen. „Ich bin nach wie vor fest davon überzeugt, dass wir das schaffen”, sagt Funkel. Die Partie in Fürth zählt zu den Spielen, in denen es Bonus-Punkte zu verdienen gibt: Ein Remis wäre eine Überraschung, ein Sieg fast schon eine Sensation. Die personelle Lage (Streit und Olajengbesi gesperrt, Falkenberg verletzt, Hadouir in die U 23 versetzt) und die aktuelle Form - die eigene und die des Gegners - haben im Trainer den Plan reifen lassen, die Defensive noch mehr zu stärken als ohnehin üblich.

Nur eine Spitze

4-1-4-1: So wurde noch am Donnerstagvormittag trainiert. Und übernimmt Funkel die Aufstellung, dann gibt es am Freitag zwei Überraschungen. Als einzige Spitze läuft dann nicht der Konterstürmer Sergiu Radu auf, sondern Kapitän Benny Auer. Und in der Innenverteidigung pausiert Olajengbesi-Partner Tobias Feisthammel, Alemannias zwei „Stubenälteste” kämen zum Zug. Thomas Stehle und Mirko Casper, die bereits im Trainingslager in der Türkei heftig mit den Hufen gescharrt hatten, spielten zuletzt am Sonntag auch beim 5:1 der „Zweiten” in Schermbeck Seite an Seite. „Beide sind gleichauf”, sagt der Coach. „Am Freitag werde ich den beiden meine Entscheidung mitteilen.” Vielleicht heißt es dann nicht mehr „Stehle oder Casper”, sondern „Stehle und Casper”.

Viel Herz, mehr Mut

Mit dem Einzug einer zweiten Viererkette untermauert Friedhelm Funkel im wahren Sinne des Wortes seine Forderung: „Wir müssen sehr gut in der Defensive stehen” gegen „aggressive und laufstarke Fürther. Da brauchen wir viel Herz”, mehr Mut als zuletzt beim 0:3 gegen den SC Paderborn, der höchsten Saison-Niederlage. Der Trainer erinnert an die Ausflüge zu anderen Spitzenmannschaften wie Eintracht Frankfurt, wo Alemannia nach einer beispiellos schlechten ersten Halbzeit fast noch einen Punkt geholt hätte, und Fortuna Düsseldorf. „Da haben wir uns gut aus der Affäre gezogen. Und ich gehe davon aus, dass wir auch in Fürth eine Chance haben”, dem Kahlschlag im Kader zum Trotz.

Steht die Null gegen die Tormaschine der Liga, dann wäre schon mal ein Punkt gewonnen. Gelingt womöglich noch ein „lucky punch”, dann hätte der Spieltag sein Gesprächsthema. Alemannia arbeitet auch gegen die Dürre vor dem gegnerischen Tor: Seit fünf Stunden und zehn Minuten, seit Feisthammels Führungstreffer in Cottbus, wartet nicht nur Friedhelm Funkel auf einen Freudensprung.

In Fürth reden sie nur noch über die Höhe des Siegs

„Wir gewinnen am Freitag, und dann sehen wir mal, wie die Konkurrenz darauf reagiert.” Sagt der bislang zwölffache Torschütze Olivier Occean und gibt damit das Stimmungsbild rund um die SpVgg Greuther Fürth wieder.

Der Tabellenführer schießt und trifft gerade zu Hause aus allen Lagen (22:3 Tore in den letzten fünf Spielen), Alemannia erscheint für die Fans als das nächste Opfer. Diskutiert wird nur noch über die Höhe des Siegs. Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah - über den auch Aachen nachgedacht hatte, bis David Odonkor verpflichtet wurde - fällt mit Muskelfaserriss aus. Christopher Nöthe, erst seit Montag wieder im Mannschaftstraining, sitzt zunächst nur auf der Bank, Sercan Sararer rückt in den Angriff.

Trainer Mike Büskens fordert von seiner Mannschaft: „Wir brauchen die perfekte Bereitschaft, von Offensive auf Defensive umzuschalten.” Wenn denn Alemannia Nadelstiche setzen sollte. (sch)