Aachen: Alemannia plant den Neustart

Aachen: Alemannia plant den Neustart

Am Tag danach atmete die Alemannia erst einmal durch. „Die Konsolidierung beginnt jetzt erst richtig”, kündigte Aufsichtsrats-Chef Jürgen Linden an. Die Stadt spannt einen Schutzschirm über ihren wichtigsten Werbeträger, gewährt eine Bürgschaft über 5,5 Millionen Euro. Doch an Hausaufgaben mangelt es nicht beim vorerst geretteten Zweitligisten, dem Wirtschaftsprüfer aber eine solide Zukunft zutrauen.

Der ehemalige Oberbürgermeister machte am Donnerstag erstmals seine Sicht der Dinge deutlich. Er sieht keine Alternative im gewählten Verfahren, erkennt weder auf Seiten der Stadt noch auf Seiten Alemannias ein Fehlverhalten.

Die Baukosten seien bei einem Budget von 50 Millionen Euro um drei Millionen durch unerwartete Ausgaben überschritten worden. „Bei besseren sportlichen Leistungen wäre auch das kein Problem geworden”, vermutet Linden. So habe der Aufsichtsrat versucht, die Lücken zu stopfen. Die Ideen zur Deckung scheiterten allerdings, und so sei der Klub schon im Herbst an die Stadt herangetreten mit der Bitte um Hilfe.

Linden räumte ein, dass man Geschäftsführer Frithjof Kraemer überlastet habe. „Es war vielleicht ein Fehler, ihn nicht früher durch eine weitere Kraft zu unterstützen.” Das wird jetzt zeitnah nachgeholt.

Und auch die Strukturen werden sich im Verein ändern, wie es ein Wirtschaftsprüfer in seinem Gutachten angeregt hatte. Die Gremien sollen verkleinert werden - sofern die Mitglieder die Satzungsänderung im Juni absegnen.

Das ehemalige Stadtoberhaupt kündigt im Interview an, dass ein Wirtschaftsrat weitere Ressourcen überregional erschließen soll. Linden bleibt zuversichtlich, selbst beim Verkauf der Dauerkarten (aktuell sind es 15500) geht er davon aus, dass das stolze Niveau gehalten werden kann.

Trotz ihrer Zustimmung zur millionenschweren städtischen Bürgschaft machten die Sprecher aller Fraktionen am Tag nach dem Ratsbeschluss deutlich, dass ihr Vertrauen zu den Verantwortungsträgern der Alemannia zuletzt schwer gelitten habe. Sie fordern strengere Kontrollen und personelle Konsequenzen in den Gremien. Die Umsetzung des Sanierungskonzepts müsse streng überwacht werden.

Hauptaufgabe der Alemannia sei es, mit den Kreditgebern für den Stadionbau über niedrigere Zinsen und mit dem Land über eine Verlängerung der Bürgschaft zu verhandeln. Die jährliche Belastung von derzeit sechs Millionen Euro müsse deutlich gesenkt werden.

Geschäftsführer Kraemer nutzte den Tag, um Dankesworte zu sprechen. „Die Stadt gibt ihrem größten Verein, der nach der größten Investition seiner 110-jährigen Geschichte mitten in einer Weltwirtschaftskrise in Schwierigkeiten geraten ist, wichtige Rückendeckung.”

Alemannia wäre natürlich nicht Alemannia, wenn das schon alle Nachrichten für diesen Tag gewesen wären. Am Donnerstag wurde bekannt, dass Reiner Plaßhenrich seine Karriere beendet. Der 33-jährige Kapitän der Aufstiegsmannschaft muss nach sechs Knieoperationen aufgeben, wird dem Verein aber erhalten bleiben.