Alemannia Aachen : Von Abwehrspielern, die nicht aus ihrer Haut wollen

Der Jubel fiel durchaus unterschiedlich aus. Dimitry Imbongo wagte ein kleines Tänzchen, dann fiel er nach der ausgedehnten Gratulationscours begeistert auf die Knie und breitete die Arme aus. Alemannias Torjäger zelebrierte seinen Treffer bei RW Essen.

Matti Fiedler schaute nur auf einen schnellen Klaps beim Kollegen vorbei, dann folgte gleich der energische Hinweis an die jubelnden Kollegen: „Zurück in die Ordnung, Spannung hochhalten.“

Abwehrspieler können und wollen auch nicht aus ihrer Haut, auch wenn es etwas zu feiern gibt. „Wir haben schon zu oft erlebt, dass es Sekunden später den Gegentreffer gibt“, sagte Fiedler. als der Sieg bei RW Essen am Wochenende feststand.

Solche 1:0-Erfolge mit Schwerarbeiterzulage sind ganz nach dem Geschmack der Abwehrspieler, die Gegentreffer als Prügel am eigenen Leib erleben. Ob Fiedler allerdings am Samstag gegen den kessen Neuling SV Lippstadt auflaufen kann, steht noch in den Sternen. Der Oberschenkel zwickt seit Donnerstagabend, Einsatz ungewiss.

Auch Fuat Kilic ist eher kein Freund von minutenlangen einstudierten Siegestänzen. „Lieber während des Spiels ein bisschen kürzer und nach dem Spiel ein bisschen länger“, grinst der Trainer. Da kommt Fiedler wieder ins Spiel, der irgendwann im Laufe der Saison zum Kabinen-DJ befördert wurde. Auch auf der Position am Mischpult hat es einen kleinen Wechsel gegeben, als die Ergebnisse ausblieben.

Das hat sich geändert. Inzwischen sind die Aachener seit acht Runden unbesiegt, sie könnten den bislang besten Neuling in der Regionalliga bei einem Erfolg in der Tabelle überflügeln.

„Die Mannschaft hat mit einer grandiosen Mentalität einen großen Entwicklungsschritt getan“, sagt Kilic. Vor drei Spielen hat Aachens Trainer auf eine Viererkette umgebaut, seitdem punktet das Team maximal. „Wir sind durch diese Umstellung wesentlich stabiler geworden“, beobachtet der 45-Jährige.

Matti Fiedler ist in dem Riesen-Riegel mit seinen 190 Zentimetern tatsächlich der kleinste Spieler. In dieser Saison verteidigte er bereits im Zentrum, auf der linken und nun auf der rechten Seite. „Er hat tolle Voraussetzungen, weil er schnell und kopfballstark ist“, sagt sein Trainer. „Aber er ist noch zu lieb, er muss noch ekliger sein“, fordert Kilic. „Der Gegenspieler muss ihn fürchten.“

Immerhin hat Fiedler inzwischen drei Gelbe Karten eingesammelt. „Es hat sich einiges verbessert“, lacht er. So langsam entdeckt er zudem ein bisschen Stürmerblut in seinen Adern, zuletzt tauchte er als Vorbereiter in der Statistik auf. Ein Treffer ist ihm noch nicht gelungen trotz einiger Gelegenheiten.

Ohnehin steht die mangelnde Effizienz der Gruppe bei den eigenen Standards unverändert auf dem Stundenplan. Eines Tages wird sicher auch der rechte Verteidiger treffen. Ausgedehnten Jubel wird es dann nicht geben. "Das ist nicht mein Ding", sagt Fiedler, der Abwehrspieler.

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