Aachen: Alemannia: Letzte Ausfahrt VfL Bochum?

Aachen: Alemannia: Letzte Ausfahrt VfL Bochum?

Wer Alemannias Spieler zuletzt auf dem Weg zum Trainingsplatz beobachtete, wurde zwangsläufig an Mönche auf dem Weg zur Morgenandacht erinnert. Ruhig, bedächtig, jeder in seiner eigenen Gedankenwelt.

Wer den selben Spielern Dienstagmorgen begegnete, hatte den Eindruck, hier ist eine Horde munterer junger Männer auf dem Weg in die Diskothek. Das Leben ist am Tivoli zurückgekehrt, ein gutes Spiel hat gereicht, um zumindest intern so etwas wie Aufbruchstimmung zu schüren. Zuversicht wird nicht mehr in ganz kleinen Buchstaben geschrieben. „Wir geben nicht auf, diese Mannschaft lebt. Es kann noch viel passieren”, sagt das Orakel Erik Meijer nach dem Osterausflug nach Ingolstadt.

Das erste Zwischenhoch seit vielen, vielen Monden hängt dann wohl mit dem neuen Übungsleiter zusammen. Ralf Aussem ruht zwar in sich wie ein buddhistischer Tempelmönch. Und doch ist er seine Aufgabe viel radikaler angegangen, als viele vermutet hatten. Aus der Abstellkammer des Vereins hat er Marco Stiepermann geholt. „Da haben einige vermutlich gedacht, der Aussem hat nicht mehr alle Latten am Zaun”, grinst der 51-Jährige nach seinem Coup. Verzichtet hat er vorerst auf seine beiden Kapitäne. Die Maßnahme hätte den neuen Mann schnell in Verruf bringen können. Stattdessen war diese Partie trotz des unbefriedigenden Ausgangs zum ersten Mal seit Wochen ein erkennbarer Fortschritt. „Wir haben wieder einen Plan”, war David Odonkor begeistert. Drei Treffer in der Ferne gelangen Alemannia noch nie in dieser Saison, das runderneuerte Team erspielte sich plötzlich wieder Chancen.

Bei der Zwischenstation in Ingolstadt wurde Zuversicht getankt. Zum ersten Mal seit Wochen hat das Team die Ausstrahlung, dass die 3. Liga noch etwas warten sollte. Die Lage hat sich definitiv nicht verbessert, aber sie fühlt sich besser an. Aussem hat ein Sechs-Spieltagerennen ausgerufen. „Wir sind nach der ersten Etappe noch im Rennen, wir sind nicht gestürzt, wir haben uns behauptet”, sagt er.

Er wird nicht viel ändern gegen den VfL Bochum, das kreative, schnellere Mittelfeld bleibt zusammen. Vorne soll Stiepermann seine Ein-Tages-Form bestätigen. Nur in der Abwehrzentrale tauchen neue Namen auf. Olajengbesi ist gesperrt, für ihn kehrt Tobias Feisthammel zurück. Mirko Casper wird am Mittwoch entscheiden, ob er seine Grippe besiegt hat. Andernfalls wird er von Thomas Stehle ersetzt. Aussem verändert die Abläufe, er zieht die Profis nicht schon am Vorabend zusammen, sondern erwartet sie erst am Mittwoch im Tageshotel.

Und dann ziehen sie los: „Wir müssen wieder das Publikum gewinnen, der Funke muss vom Spielfeld auf die Ränge überspringen.” Die Zuversicht ist zwar gewachsen, aber die Lage spitzt sich weiter zu. Immer noch betreut Aussem die schlechteste Mannschaft, das schlechteste Heimteam der 2. Liga. „Wir haben ein vernünftiges Spiel gemacht, erreicht haben wir gar nichts”, sagt er. „Wir müssen gegen Bochum ernten, was wir ausgesät haben.” Es wird für das Team schon fast die letzte Möglichkeit sein, noch einmal die Abfahrt zum Relegationsplatz 16 zu finden.

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