Aachen: Alemannia: Leichte Beute für das Abstiegsgespenst?

Aachen: Alemannia: Leichte Beute für das Abstiegsgespenst?

Wenn denn das berühmte Abstiegsgespenst am Mittwochmorgen über Alemannias Trainingsplatz irgendwo geschwebt sein soll, wird es sich vermutlich erschreckt haben. Da unten bereitet sich eine unerwartet lebhafte Gruppe auf den Einsatz am Freitagabend gegen Dynamo Dresden vor.

Der Trainer unterbricht viele Übungen, die Spieler feuern sich an. Noch lebt diese Mannschaft ist der Eindruck, den das Gespenst gewinnen muss. Also doch keine leichte Beute? Im Trainingsspiel fallen auch diesmal kaum Treffer, aber die Schärfe ist noch vorhanden. Das Team hat sich am Mittwochmittag zurückgezogen. Trainingslager in Genk, der Zaun wird hochgezogen, Medien sind unerwünscht. „Noch mehr Sensibilität für die Situation” will Friedhelm Funkel in Belgien vermitteln. Aus dem Alltag wird ausgebrochen. Mit solchen Mitteln habe er fast immer Erfolg gehabt, blättert Funkel in seiner umfangreichen Spielesammlung zurück.

Vermutlich gibt es aber auch im Nachbarland keine Tankstelle für Selbstvertrauen. Das ist es, was der Mannschaft am meisten abgeht. Sie erholt sich kaum von Rückschlägen. Sie kennt schon wieder seit Wochen nicht mehr das befreiende Gefühl, in Führung zu gehen. Bei Rückstand brechen regelmäßig die Dämme. „Wir wissen, dass wir nicht für zwei, drei, vier Tore gut sind”, sagt Kim Falkenberg. Ein trister Erfahrungswert.

Kim Falkenberg ist rechter Verteidiger und noch mehr: Leistungs- und inzwischen auch Hoffnungsträger. Natürlich kommt er am Freitag nicht im Supermann-Kostüm zur Arbeit. Aber seine Anwesenheit könnte ein wichtiges Detail sein. Hundertprozentig fit ist der 23-Jährige noch nicht, aber er meldet sich zurück. „Ich will helfen.” Also wird er gegen Dynamo Dresden am Freitagabend seine rechte Seite beackern. „Manchmal merkt man erst, wie wichtig ein Spieler ist, wenn er nicht dabei ist”, meint sein Trainer. Den Stellenwert des Neuzugangs werden sie wohl schon vorher erkannt haben, der schnelle Mann ist zum „Spieler der Vorrunde” ausgerufen worden, obwohl er erst spät in der Saison einsatzbereit war.

Zuletzt laborierte er an einem Knochenödem und war nur hilfloser Tribünengast. „Wir müssen unsere Körpersprache ändern, so gewinnst du kein Spiel”, beobachtete er von dort, „der Gegner regis-triert ja auch, wenn die Köpfe runter gehen. Aber eine entschlossene Körpersprache und 90 Minuten Laufbereitschaft kann man immer erwarten.”

Falkenberg gehört nicht zu den Sprachrohren dieser Mannschaft. Am Montagabend gab es eine Aussprache mit den Fans, vorwiegend die erfahrenen Achenbach, Auer, Streit, Sibum und Stehle gaben Auskunft. Sie sind Funkels Anführer. „An ihnen will man sich auch auf dem Platz hochziehen”, sagt Falkenberg. Aber vielleicht ist es auch umgekehrt, dass so ein Po-wer-Spieler wie Falkenberg der Mannschaft gerade mehr hilft. Das holprige Umkehrspiel war der Trainingsschwerpunkt in dieser Woche. Ballgewinn und flott den Vorwärtsgang einschalten - so die Theorie. Der schnelle Mann auf der rechten Seite kann so ein Spiel „beflügeln”.

„Wir stehen mit dem Rücken zur Wand, das ist spätestens seit Freitag dem letzten Träumer klar”, sagt Falkenberg. Selbst die letzte Ausfahrt Relegation ist nicht gesichert. „Diesen 16. Platz müssen wir erst einmal verteidigen, selbst das wird schwer.”

Noch glimmt die kleine Flamme der Hoffnung am Tivoli. Wieder ist eines der Endspiele ausgerufen, von denen sie zuletzt alle mit Wucht vergeigt haben. „Wir müssen endlich wieder eine bessere Leistung bringen, nicht nur über 20 Minuten”, sagt Falkenberg. Er kehrt in die Mannschaft zurück, ein paar andere Positionen sind noch nicht vergeben. „Ich werde bis zuletzt die Spannung hochhalten, wer zum Einsatz kommt”, sagt der Trainer. Noch sind sie etwas einsam in ihrem Kampf. Erst knapp 14 000 Tickets sind für die richtungsweisende Partie verkauft. Der Klub hatte zunächst 5000 Karten a 10 Euro auf den Markt geworfen, inzwischen gibt es kein Limit mehr. Die Hütte soll voll werden, wenn dort am Freitagabend ab 18 Uhr das Abstiegsgespenst wieder unterwegs ist.

Kein Einsatz mehr für Reinhold Yabo

Im Hinspiel gegen Dynamo Dresden hatte Ray Yabo einen enorm unglücklichen Moment, als er kurz vor Spielende den Ball an den Gegner verschenkte, der sich mit dem Ausgleich bedankte. Der Stammspieler ist seit Monaten mit seiner Knieverletzung außer Gefecht, ist derzeit in der Reha. Und laut Trainer Friedhelm Funkel ist mit seinem Einsatz in dieser Saison nicht mehr zu rechnen. Dann endet der Leihvertrag mit dem 1. FC Köln. Und wie es mit dem hochtalentierten Mittelfeldspieler weitergeht, bleibt offen. Weder hüben noch drüben herrscht Planungssicherheit.