Aachen: Alemannia: Lage schlechter, Stimmung besser

Aachen: Alemannia: Lage schlechter, Stimmung besser

Es ist schon etwas paradox: Da feiert Alemannia nach Monaten noch einmal einen Sieg, aber die Tabelle verweigert grausam die Belohnung. Im Gegenteil: Die Ausgangslage des Klubs hat sich weiter verschlechtert.

Denn wieder ist ein Spieltag abgeheftet, ohne dass Aachen den finstersten Tabellenplatz verlassen kann. Die drei Kellerkinder der Liga - Aachen, Karlsruhe und Rostock - proben munter den Aufstand. Und vermutlich beobachten Teams, die sich eben noch sicher sein konnten, dass da am Horizont drei Reiter auftauchen, die den Colt noch nicht abgegeben haben. FSV Frankfurt, Aue, Cottbus, Ingolstadt und Duisburg können sich ihrer Sache noch nicht völlig sicher sein. „Wir stecken seit Monaten im Schlamassel und kennen uns damit aus”, sagt Ralf Aussem. „Ob das bei anderen Teams der Fall ist, wird man sehen.”

In Aachen rechnen sie wieder, nachdem alle Taschenrechner vor Wochen traurig vergraben wurden. Zwei Spieltage reichten aus, um die Emotionen zurückzuholen. Und das war am Mittwochabend nicht nur in der Szene zu spüren, als das komplette Team David Odonkors Führungstreffer gegen den VfL Bochum spontan bei den neuen Trainern feierte. Dieses souveräne 2:0 gegen den Fast-Aufsteiger der letzten Saison war auch eine der lautesten Partien, die der neue Tivoli in dieser Spielzeit erlebt hat. „Wir haben das Publikum mit ins Boot geholt”, bilanzierte der neue Trainer zufrieden am Ende des Tages. Das war auch die Idee in der Mannschaftssitzung: „Wir müssen die Tivoli-Atmosphäre hinkriegen.”

Was sich geändert hat? Vor allem die Spielweise. „Wir spielen nicht 25 Mal hintenrum, sondern wollen sofort in die Spitze gelangen. Die Jungens lieben mehr dieses Spiel, weil es mit Fußball und Spaß zu tun hat”, sagt Aussem. Und so lässt sich Alemannia nicht mehr so leicht entschlüsseln wie das monatelang der Fall war. Spieler wie Hadouir, Stiepermann, Odonkor oder Uludag sind jederzeit für eine Überraschung gut. Fünf Tore und viele Chancen hat das Team unter seinem neuen Trainer herausgespielt. Für fünf Tore brauchte die Mannschaft unter Friedhelm Funkel alle neun Spiele in diesem Jahr. Aus Angsthasen wurden Hasen.

Die Blockaden sind gelöst. „Wenn wir an unsere Grenzen gehen, dann geht immer was. Und das haben wir gegen Bochum gezeigt. So muss es gegen Duisburg weitergehen”, sagt Odonkor. Offen bleibt, warum die enorm gefährdete Mannschaft nicht schon vorher an ihre Grenzen gegangen ist. Spieler wie Odonkor oder Stiepermann, die monatelang „geschont” wurden, sind müde nach der englischen Woche. „Jetzt ist Eigenverantwortung gefragt, um die Speicher wieder aufzuladen”, gab der Trainer am Donnerstag den Siegern mit auf den Weg. Zur Sicherheit empfahl Aussem den Profis, die erste Siegprämie seit Februar nicht sofort im Rahmen eines vierstündigen Einkaufsbummels auszugeben. Regeneration geht vor.

Entwarnung gab es für Radjabali-Fardi, der einen Schlag aufs Knie erhalten hatte. Die Verletzung ist nur eine Prellung, der Leihspieler soll heute ins Training zurückkehren. In Duisburg könnte er Alper Uludag ersetzen, der sich erneut übermotiviert eine Gelbe Karte abgeholt hat. Aber auf so viel Lebhaftigkeit haben sie lange gewartet in Aachen.

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