Aachen: Alemannia: Insolvenz fast vom Tisch

Aachen: Alemannia: Insolvenz fast vom Tisch

„Wir haben eine stolze Vergangenheit. Bitte sorgen Sie dafür, dass die Alemannia eine Chance bekommt auf eine stolze Zukunft.“ Mit diesen eindrücklichen Worten warb Alemannias Schatzmeister Oliver Laven Montagabend bei der Jahreshauptversammlung für „den Deal“ mit Rechtehändler Michael Kölmel.

Sein Werben wurde erhört. Die drohende Insolvenz des Muttervereins ist damit — den Vertragsabschluss mit Kölmel vorausgesetzt —abgewendet.

Denn um nichts Geringeres ging es Montagabend im Europasaal des Eurogress. Im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung stand der Vergleichsvorschlag, den das Restpräsidium um Schatzmeister Laven und Beisitzer Christoph Terbrack mit Rechtehändler Michael Kölmel erarbeitet hatte. Hätten die Mitglieder diesem ihre Zustimmung versagt, wäre die Insolvenz des Muttervereins wegen der Kölmel-Forderung von 2,4 Millionen Euro nicht mehr zu verhindern gewesen — und damit auch der Lizenzentzug der Spielbetriebs-GmbH, die Alemannias Regionalligateam und das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) unterhält. „Die Insolvenz des Muttervereins führt geradewegs in die Kreisklasse“, stellte Oliver Laven gleich zu Beginn seines Berichts klipp und klar fest.

Doch soweit sollte es nicht kommen. Die deutliche Mehrheit der rund 394 anwesenden Mitglieder befürwortete nach einer überraschend sachlichen Diskussion bei nur drei Gegenstimmen den „Deal“ mit Kölmel. Und der sieht vor, dass Kölmel auf rund 2,4 Millionen Euro verzichtet, die ihm nach Ansicht des Oberlandesgerichts (OLG) Köln aus einem 15 Jahre alten Vertrag mit der Alemannia zustehen. Im Gegenzug veräußert der Verein für eine Laufzeit von acht Jahren 15 Prozent der Fernsehgelder, die er nach Abschluss des Insolvenzverfahrens der GmbH und einem Aufstieg in die dritte Liga erwirtschaften wird.

„Allerdings“, so berichtete Oliver Laven von seinen Verhandlungen mit dem Rechtehändler, „will Michael Kölmel nur Geld aus TV-Einnahmen aus der ersten und zweiten Bundesliga sowie dem DfB-Pokal.“ Damit gehe Kölmel das Risiko ein, überhaupt kein Geld zu bekommen, wenn die Alemannia nach einem Aufstieg in die dritte Liga acht Jahre lang dort bliebe, oder „was Gott verhüten möge“, wie Laven sagte, wieder absteigen würde.

Die Abstimmung der Mitglieder ist übrigens kein Beschluss nach dem Vereinsrecht. Denn „rein juristisch“, so Laven, „könnte der Vorstand den Vergleich mit Kölmel schließen, ohne zu fragen“. Doch ihm gehe es um Transparenz. Außerdem „werden im nächsten März die Vereinsgremien neu gewählt“, kündigte Oliver Laven an. „Wer dort gewählt wird, ist offen.“ Daher wünschte er sich „wenn schon keinen Beschluss, so doch ein positives Signal“ für das weitere Handeln des Restvorstands. Und dieses Signal kam dann mit dem Votum der Mitglieder, dass der Vorstand nun mit Kölmel weiterverhandeln kann.

Das Handeln Kölmels könnte übrigens noch weiter gehen. Wie Oliver Laven erläuterte, habe der Unternehmer auch großes Interesse, den Tivoli zu übernehmen. „Und da der Zuschuss zum Spielbetrieb im Tivoli durch die Stadt nur bis zum Ende der Saison läuft, könnte man doch auch mal über einen neuen Besitzer unseres Stadions nachdenken.“

Denn Kölmel habe ein großes Interesse am Fortbestand der Alemannia, so Laven. Aus diesem Grund habe er auch das Angebot der Alemannia ausgeschlagen, bereits in der dritten Liga 15 Prozent der TV-Gelder zu erhalten. „In der dritten Liga will ich keinen Euro von der Alemannia“, zitierte Laven aus seinen Verhandlungen mit Kölmel, „denn sie werden jeden Euro brauchen, um in die zweite Liga zu kommen.“