Robert Moonen ist seit 1973 Stadionsprecher im alten und neuen Tivoli

Danke, danke! Bitte, bitte! : Seine Stimme ist ein Stück Tivoli

Manche Dinge und Personen sind so miteinander verwoben, dass sie quasi zu einer Zweieinigkeit geworden sind: Laurel geht nicht ohne Hardy, „Dinner for one“ nicht ohne Freddie Frinton und Asterix nicht ohne Obelix. Zumindest für die letzten 46 Jahre gibt es auch bei der Alemannia diese Bruderschaft im Geiste, oder besser: im Herzen. Denn der Tivoli geht nicht ohne Robert Moonen.

Irgendwie scheint der Mann, der auch im zweiten Stadion des Klubs am Spielfeldrand – stets Höhe Mittellinie – steht, schon immer die Stimme des Tivoli gewesen zu sein. Nur die wirklich Älteren erinnern sich noch an Jö Schäfer, Robert Moonens Vorgänger im (Ehren-)Amt. 1973 erfolgte die Mikrofonübergabe. Und seither hat der Ur-Öcher fast jedes Heimspiel der Alemannia moderiert. Eine Hand hat zu viele Finger, um die Zahl der versäumten Partien zu zählen. Er kannte jede Ecke im alten Tivoli, und er kennt jede Ecke im neuen Stadion.

Als man Robert Moonen, gelernter Versicherungsfachwirt, erstmals aus der Lautsprecheranlage hörte, liefen sich noch damals blutjunge Alemannia-Heroen wie Nobby Lenzen und Jo Montanes warm. Die später legendäre Gegengerade mit dem S-Block lud noch unüberdacht zu den „Regenschauern überm Tivoli“ ein, und die Fans konnten in der Halbzeit noch vom Würselener auf den Aachener Wall und umgekehrt wechseln, um dem gegnerischen Torwart die Stimmung zu vermiesen.

All das hat Robert Moonen stringenter mitbekommen als irgendein anderer Betrachter. Der alte Tivoli war bis vor zehn Jahren sein Wohnzimmer. Und doch sagt er am Ende eines Gespräches über die beiden Stadien einen bemerkenswerten Satz: „Man sollte das neue Stadion lieben und mit den alten Geschichten abschließen. Den jungen Leuten sind die doch oft schon fremd.“

Diese Sichtweise ist schon besonders für einen Mann, der am alten Standort so viel erlebt hat. In Stichworten: die jahrzehntelangen Bemühungen um den Wiederaufstieg in die 1. Liga, die beim Abstieg aus der 2. Liga endgültig gescheitert schienen, die hochemotionale Meisterschaftstragödie um Werner Fuchs und die goldenen Jahre um 2004/06 mit dem tatsächlichen Aufstieg ins Oberhaus und der kleinen Serie, als Bayern München eigentlich schon gar nicht mehr zum Tivoli kommen wollte.

Im alten Stadion war er fest an seine Sprecherkabine gebunden. Foto: ZVA/Harald Krömer

Dabei hat der spätere Einzelhändler der Modebranche erst Ende der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts seinen Platz am Spielfeldrand gefunden. In gewisser Weise war das der überalterten Technik des Stadions geschuldet: „Die Lautsprecheranlage war so schwach, dass man mich kaum noch verstehen konnte. Das wurde erst mit der neuen Technik und dem Funkmikrofon besser.“ Aber auch die wurde in einer Garage im Stadioninneren neben dem Spielertunnel deponiert.

Bis dahin saßen zudem die Sprecher in einer geschlossenen Kabine oberhalb der Sitzplatztribüne, direkt neben der Übertragungsstelle des Rundfunks, und „da musste ich mich auch schon mal mit Werner Hansch und Jochen Hageleit verständigen, um mit meinen Ansagen nicht deren Übertragungen zu übertönen“. Vieles funktionierte mit gezielter Improvisation, weniges dann manchmal auch schon mal nicht. Einen Vorteil hatte der alte Tivoli gegenüber dem neuen dann doch: „Wenn früher 7000 bis 8000 Zuschauer kamen, wirkte die Bude voll. Heute scheinen bei dieser Zahl die Ränge leer.“

Der alte Tivoli war bis vor zehn Jahren sein Wohnzimmer. Foto: ZVA/Harald Krömer

Heute hat die „Stimme des Tivoli“ die Entscheidungsgewalt über die Durchsagen. Dies bei „perfekten Arbeitsbedingungen, auch ohne ausgewiesenen Arbeitsplatz“. Aber das ist vielleicht genau der Vorteil im Stadion: Robert Moonen ist ganz nah dran am Geschehen, an den Anweisungen der Offiziellen, dem Geschehen auf den Rängen: „Ich kann die Durchsagen machen, wie ich sie für geboten halte.“ Absprachen über Inhalte der Moderation trifft er zwei Stunden vor Anpfiff nur mit Daniel Kosch, der hoch über den Logen des Stadions Regie führt. Sprechfunk garantiert den Austausch über Musik und Filmeinspielungen. Dinge, die im alten Stadion undenkbar waren.

Ein paar nostalgische Momente gönnt sich der Sprecher, der persönlich nur ein paar Fotos und den Kassettenrecorder aus dem alten Stadion mitgenommen hat, dann doch. Bevor es auf den Platz geht, wenn der Blick in der Mixed Zone des Einlaufareals kreist, dann bleibt Robert Moonens Blick meist an einem an die Wand geschraubten Stück Aluriffelblech hängen. Das wurde aus dem alten Spielertunnel – damals als Verkleidung der Rasenheizung – in die neue Spielstätte gerettet. Wenn die Zeit ist, schweifen seine Gedanken dann manchmal kurz in die Vergangenheit. Und natürlich sind damit emotionale Augenblicke verbunden.

Zum Beispiel der legendäre Ballwurf beim Pokalspiel gegen Waldhof Mannheim 1997, als ein Zuschauer während eines Elfmetertors im Nachschuss durch Alemannia-Stürmer Mario Krohm einen zweiten Ball aufs Spielfeld warf. Schiri Markus Merk gab das Tor nicht. Es wäre möglicherweise der Siegtreffer für den damaligen Drittligisten gewesen. Dem Spiel drohte der Abbruch, und es war gewiss der besonnenen Ansprache Moonens zu verdanken, dass es nach Unterbrechung zu Ende gebracht werden konnte. Wenn auch mit einer Niederlage.

Im alten Stadion war er fest an seine Sprecherkabine gebunden. Foto: ZVA/Harald Krömer

Robert Moonen ist nach eigener Einschätzung wahrscheinlich der dienstälteste Stadionsprecher im deutschen Profifußball und in Zeiten, in denen sich mancher seiner Kollegen als schreiender Entertainer versteht, wegen seiner sachlichen Art überall geschätzt. Er selbst geht seit 1957 zum Tivoli und wäre, hätte er kein Amt, garantiert Dauerkarteninhaber. Ans Ende seiner Sprechertätigkeit denkt er nicht und spielt den Ball an die Fans zurück: „Ich mache das, solange sie mich mögen.“ Robert Moonen füllt den Satz „Liebe kennt keine Liga“ mit Leben. Und man darf ergänzen: Seine Liebe ist nicht vom Stadion abhängig.

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