Die Trainer von Alemannia Aachen auf dem Neuen Tivoli

Von Seeberger bis Kilic : Die Alemannia-Trainer auf dem Neuen Tivoli

Im August 2009 zog die Alemannia vom Alten in den Neuen Tivoli um. Seit nunmehr zehn Jahren spielen die Schwarz-Gelben in ihrem neuen Stadion, das viele Spieler kommen und gehen gesehen hat. Doch nicht nur das Personal auf dem Rasen wurde fleißig ausgewechselt.

Auch der Trainerstuhl war zwischenzeitlich ein echter Schleudersitz. Wir zeigen die Verantwortlichen an der Seitenlinie der Alemannia in der ersten Dekade auf dem Neuen Tivoli.

Jürgen Seeberger – Januar 2008 bis September 2009

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Der ins Konstanz geborene Trainer kam im Januar 2008 als Nachfolger von Guido Buchwald nach Aachen und kennt sowohl den altehrwürdigen Tivoli als auch den Neuen Tivoli: Der Saisonabschluss 2008/2009 gegen den FC Augsburg war das letzte Pflichtspiel der ersten Mannschaft auf dem Alten Tivoli. 4:0 siegten die Schwarz-Gelben und verpassten nur knapp die Aufstiegsplätze.

Die große Liebe zwischen Trainer und Fans kam dennoch nie auf. Unter ihm ging Kapitän Matthias Lehmann von Bord, Christopher Moritz, Talent aus den eigenen Reihen, wurde nicht gehalten und entwickelte sich bei Schalke 04 zum Bundesligaspieler und Spieler wie Deniz Naki, geboren in Düren, sollen nach Gesprächen mit Seeberger von einem Wechsel an den Tivoli Abstand genommen haben. Das Pflichtspieldebüt auf dem Neuen Tivoli wurde unter Seeberger krachend verloren: 0:5 hieß es im August 2009 gegen den FC St. Pauli. Zwei weitere Partien später war dann Schluss, Seeberger musste nach dem vierten Spieltag die Koffer packen, obwohl sein Team den FSV Frankfurt mit 3:0 geschlagen hatte. Teile der Mannschaft sollen sich gegen einen Verbleib des Trainers ausgesprochen haben.

Willi Kronhardt – September 2009

Foto: dpa/Roland Weihrauch

Er war Spieler, Trainer und mittlerweile ist er erfolgreich als Scout unterwegs: Willi Kronhardt hat im Fußball schon einige Tätigkeiten ausgeübt. Im Mai 2009 wurde er als Co-Trainer an den Tivoli geholt, um den scheidenden Jörg Jakobs zu ersetzen. Nach der Entlassung von Jürgen Seeberger agierte er bei den Aachenern zwei Spiele lang als Cheftrainer. Seine Bilanz: eine 0:1-Niederlage bei Rot-Weiß Oberhausen und ein 2:0-Sieg zuhause gegen 1860 München. Danach rückte er wieder ins zweite Glied, im kommenden Jahr verließ er die Kaiserstadt und machte Platz für Ex-Spieler Eric van der Luer.

Michael Krüger – September 2009 bis Mai 2010

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Mit fünf Titeln in Afrika zählt der in Scharnebeck geborene Trainer zu den erfolgreichsten deutschen Trainern dort. Seine Ausbeute bei der Alemannia hingegen ist weniger beeindruckend. Als Nachfolger von Jürgen Seeberger wurde Michael Krüger im September 2009 in Aachen vorgestellt. Die 2. Bundesliga kannte er unter anderem von vorherigen Engagements als Cheftrainer bei Hannover 96 und Eintracht Braunschweig. Die Schwarz-Gelben übernahm er auf dem 11. Tabellenplatz und startete mit einem 0:0 bei Fortuna Düsseldorf.

Nach dem Rückspiel ein halbes Jahr später wurde deutlich, dass die Zeit bei der Alemannia nicht auf Dauer ausgelegt sein würde. Die Aachener verloren vor heimischen Publikum mit 0:1 und rangierten immer noch auf Platz 11. Im Anschluss an das Spiel wollte Krüger nichts mehr von den hohen Ansprüchen und dem Niemandsland der Tabelle hören: „Ich will noch ein paar Prämien gewinnen. Mein Gehalt ist nämlich eh kein Gehalt, das ist Schmerzensgeld.“ Auch am Neuen Tivoli ließ er kein gutes Haar, war das Stadion doch der Grund für die angespannte personelle Situation: „Mir ist die wirtschaftliche Lage ja auch bewusst. Schließlich kostet unser Postkasten hier ein paar Euro sechzig.“

Nach dem 34. Spieltag und einem 1:1 zuhause gegen den MSV Duisburg trennten sich die Wege der Alemannia und Krüger wieder. Die Aachener beendeten die Saison auf einem enttäuschenden 13. Platz.

Peter Hyballa – Juni 2010 bis September 2011

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

„Who let the dogs out?“ Diese Frage wurde am Tivoli mit Peter Hyballa beantwortet. Am 4. Juni 2010 wurde der bis dahin im deutschen Jugendfußball erfolgreiche Trainer als Nachfolger von Michael Krüger vorgestellt. Kurios: Eigentlich hatte Hyballa im April zuvor einen Zweijahresvertrag als Cheftrainer bei Rot-Weiss Essen unterschrieben. Nach der Insolvenz der Essener sicherte sich die Alemannia die Dienste des gebürtigen Bocholters.

Gleich in seiner ersten Saison begeisterten Hyballa und sein junges Team die Fans mit sensationellen Auftritten im DFB-Pokal. Die Aachener „Straßenköter“ schalteten in der zweiten Runde den bis dahin ungeschlagenen Bundesliga-Tabellenführer FSV Mainz 05 aus, im Achtelfinale wurde mit Eintracht Frankfurt der zweite Bundesligist aus dem Wettbewerb gekegelt.

Doch nach etwas mehr als einem Jahr war Schluss. Der Start in die Saison 2011/2012 verlief alles andere als rund: Nach sieben Spieltagen stand die junge Aachener Mannschaft mit gerade einmal drei Punkten auf dem letzten Platz, Hyballa musste nach einem torlosen Unentschieden in Paderborn seinen Spind am Tivoli räumen.

Ralf Aussem – September 2011

Foto: dpa/Jonas Güttler

Nach dem Aus von Peter Hyballa betreute der in Manheim geborene Trainer die erste Mannschaft der Aachener in einer Partie. Das Heimspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth endete 0:0. Aussem war im Sommer ein Jahr zuvor von Rot-Weiss Essen an den Tivoli gewechselt und betreute eigentlich die zweite Mannschaft. Nach dem Interimsauftritt ging es für ihn zurück zu den Amateuren. Es sollte aber nicht seine letzte Partie als Cheftrainer am Tivoli bleiben.

Friedhelm Funkel – September 2011 bis April 2012

Foto: dpa/Jonas Güttler

Nach dem bis dahin als Cheftrainer unerfahrenen Peter Hyballa wurde ein alter Hase im Trainergeschäft am Tivoli als neuer Übungsleiter vorgestellt: Friedhelm Funkel sollte den schlechten Start vergessen machen und die Mannschaft wieder stabilisieren. Sportdirektor Erik Meijer kannte den mittlerweile erfolgreichsten Zweitligatrainer Deutschlands aus gemeinsamen Tagen in Uerdingen.

Kurios: Erst fünf Tage vor seiner Unterschrift in Aachen wurde Funkel beim Ligakonkurrenten Bochum nach vier Pleiten in Folge und Tabellenplatz 17 entlassen. So viel Erfolg Funkel auch mit anderen Teams in der 2. Bundesliga hatte und mehrere Aufstiege ins Oberhaus feiern konnte, so wenig Erfolg hatte er in Aachen. Trotz Erfahrung von mehr als 1100 Spielen als Spieler und Trainer in den ersten beiden Ligen Deutschlands, damit ist er Rekordhalter, so wenig passten seine Vorstellung von Fußball und die Zusammenstellung des Alemannia-Kaders zusammen.

Nach einer Niederlagenserie von fünf Spielen und dem Abrutschen auf einen direkten Abstiegsplatz im Frühjahr 2012 wurde er am 1. April bereits wieder entlassen.

Ralf Aussem – April 2012 bis September 2012

Foto: dpa/Roland Weihrauch

Bereits nach der Beurlaubung von Peter Hyballa im September 2011 hatte Ralf Aussem den Posten als Alemannias Cheftrainer für ein Spiel übernommen. Nach der Entlassung von Friedhelm Funkel Anfang April 2012 wurde der Trainer der Amateurmannschaft interimsmäßig bis Ende der Saison als Coach der ersten Mannschaft installiert und sollte das Team vor dem Abstieg bewahren.

In den verbleibenden sechs Spielen gelangen unter ihm drei Siege, für die Relegation oder gar den Klassenerhalt reichte das aber nicht mehr. Die Alemannia stieg als letzter ab und war 13 Jahre nach dem Aufstieg aus der Regionalliga West/Südwest 1999 wieder drittklassig. Direkt nach dem Abstieg wurde Aussem als Cheftrainer für die anstehende Saison bestätigt. Er sollte aus dem Scherbenhaufen eine neue und schlagkräftige Truppe erstellen. Doch bereits nach acht Spieltagen war Schluss, nach einem 1:3 bei den Kickers in Stuttgart musste Aussem den Trainerstuhl wieder freigeben.

Peter Schubert – September 2012

Foto: ZVA/Christoph Pauli

Obwohl Ralf Aussem nicht den gewünschten Erfolg brachte, zog die Alemannia nach seiner Entlassung erneut den Verantwortlichen der zweiten Mannschaft hoch. Für eine Woche übernahm Peter Schubert die Verantwortung. Ein Spiel stand in dieser Woche allerdings nicht auf dem Plan. Er leitete zunächst lediglich ein paar Trainingseinheiten. Seine Zeit als Cheftrainer am Tivoli sollte noch kommen.

René van Eck – September 2012 bis Juni 2013

Foto: dpa/Rolf Vennenbernd

Nach Aussem, Funkel und Schubert, die allesamt der Kategorie der ruhigen Trainer zuzuordnen sind, verpflichtete die Alemannia im September 2012 einen Paradiesvogel unter den Übungsleitern. René van Eck, der zuvor vor allem beim FC Carl Zeiss Jena und in Luzern erfolgreiche Arbeitet geleistet hatte, übernahm die Geschicke am Tivoli und sollte die Mannschaft stabilisieren.

Bei den Fans war der langhaarige Trainer, der in seiner Freizeit verschiedenen Kampfsportarten nachgeht, sehr beliebt. In seine Regentschaft musste die Alemannia allerdings erstmals Insolvenz anmelden. Das eigentliche Ziel, der Wiederaufstieg, war schon nach dem ersten Saisondrittel fast abgehakt, nach dem nötigen Ausverkauf im Winter ging es dann allerdings gegen den Abstieg, der aufgrund der wirtschaftlichen Situation kaum noch abzuwenden war.

Gerne wären die Verantwortlichen der Schwarz-Gelben mit van Eck in die Regionalliga West gegangen, der Niederländer lehnte das Angebot allerdings ab: „Ich habe Verantwortung für meine drei Kinder und will sie unterstützen, das würde mit dem Gehalt aber nicht mehr gehen.“ Bereits im Januar hatte er Gehaltseinbußen zugestimmt, eine weitere Kürzung wäre für ihn in Ordnung gewesen, nicht aber, um dem Unterhalt für seine Kinder nachzukommen. Und so trennten sich die Wege am Saisonende wieder.

Peter Schubert – Juni 2013 bis Juni 2015

Foto: Andreas Steindl

Seit dem einjährigen Aufenthalt von Peter Hyballa am Tivoli wurde der Trainerstuhl bei den Schwarz-Gelben immer mehr zum Schleudersitz. Nachdem René van Eck die Aachener aufgrund persönlicher Gründe verlassen hatte, kam der Nachfolger wieder einmal aus den eigenen Reihen. Peter Schubert, der das bereits im September 2012 eine Woche den Cheftrainer am Tivoli gab, wurde nun komplett in die Verantwortung genommen. Zur Seite stand ihm dabei der ehemalige Alemannia-Profi und –Kapitän Reiner Plaßhenrich als Co-Trainer. Die beiden sollten den Neustart in der Regionalliga West einleiten und die Alemannia auf Sicht wieder aus der erstmaligen Viertklassigkeit in der Vereinsgeschichte herausführen.

In der Spielzeit 2014/2015 sah es schließlich auch lange gut aus für die Schwarz-Gelben: Im Februar 2015 wurde Rot-Weiss Essen zuhause vor der Rekordkulisse von 30.313 Zuschauern geschlagen, Aachen war Tabellenführer, die Zeichen standen auf Rückkehr in den Profi-Fußball. Entsprechend sollten auch wieder die nötigen Strukturen geschaffen werden. Dazu wurde mit Ex-Spieler Alexander Klitzpera ein neuer Sportdirektor installiert. Doch schnell wurde offensichtlich, dass der neue Sportdirektor und das Trainergespann nicht gut miteinander konnten. Es kam intern zu Querelen, teilweise wurde nicht mehr direkt miteinander gesprochen und auf dem Platz wurden wichtige Punkte liegen gelassen.

Am Ende verpasste die Alemannia den ersten Platz, das erfolgreiche Trainer-Duo und die Verantwortlichen konnten sich nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen und so war Ende Mai 2015 Schluss.

Christian Benbennek – Juni 2015 bis Dezember 2015

Foto: Andreas Steindl

Nach der verpassten Aufstiegsrelegation in der Saison 2014/2015 holte Sportdirektor Alexander Klitzpera Christian Benbennek als Trainer nach Aachen. Dieser hatte zuvor in Wolfsburg als Co-Trainer der zweiten Mannschaft und der U19 gearbeitet und wechselte nach Stationen in Braunschweig und Babelsberg vom TSV Havelse an den Tivoli. Er erhielt einen Zweijahresvertrag und sollte das Projekt „Aufstieg“ angehen. Und gleich der Start war einer für die Geschichtsbücher: Nach sieben Spieltagen standen fünf Siege, ein Unentschieden und nur eine Niederlage in der Bilanz, die Alemannia marschierte mit dem Tabellenführer aus Lotte punktgleich mit.

Danach gab es allerdings einen Bruch. Bis zum 19. Spieltag konnten die Schwarz-Gelben nur noch drei Siege einfahren. Beim Auswärtsspiel in Köln am 18. Spieltag setzte es gar eine 0:6-Niederlage gegen die Viktoria. Die Mannschaft schrieb einen Brief an die Führungsetage und forderte den Rausschmiss des Trainers. Der trat einen Spieltag später, am 5. Dezember, selbst zurück. Kurz zuvor gab es ein 0:0 zuhause gegen Lotte.

Doch auch für die Mannschaft sollte das noch Konsequenzen haben: Mitte Dezember mussten gleich drei Spieler ihre Spinde räumen: Keeper Frederic Löhe, Verteidiger Peter Hackenberg und Mittelfeldspieler Bastian Müller wurden freigestellt. Galten sie bis dahin als Führungsspieler und Leistungsträger, wurden sie nun als Störfaktoren identifiziert, die die Mannschaft gegen den Trainer aufgebracht haben sollten. Peter Hackenberg kehrte in der Winterpause der Saison 2017/2018 zurück an den Tivoli und hatte auch bald wieder das Kapitänsamt inne.

Sven Schaffrath – Dezember 2015

Foto: Andreas Steindl

Christian Benbennek als Alemannia-Coach war ein kurzes Gastspiel. Interimsweise übernahm Sven Schaffrath die Rolle des Cheftrainers. Der gebürtige Dürener, der in seiner Jugend die U-Mannschaften von Deutschland durchlief und dabei unter anderem mit Bastian Schweinsteiger und Mario Goméz zusammenspielte, war bei der Alemannia seit 2013 als Spielertrainer in der zweiten Mannschaft unterwegs und schnürte im Frühjahr 2013 auch für die erste Mannschaft der Aachener in der 3. Liga die Schuhe. Ihm zur Seite stand Ex-Spieler Aïmen Demai. Den beiden gelang zum Jahresabschluss mit der Mannschaft dank eines verwandelten Elfmeters von Dennis Dowidat ein 1:0-Erfolg zuhause über Rot Weiss Ahlen. Gejubelt wurde aber dennoch nicht, im Gegenteil. Die Mannschaft ging nach dem Spiel nicht zur Stehplatztribüne, die Fans quittierten das Fernbleiben mit einem Pfeiffkonzert. Kein schöner Jahresabschluss.

Fuat Kilic – seit Dezember 2015

Foto: Jérôme Gras

Als Spieler hat Alexander Klitzpera einen festen Platz im Geschichtsbuch der Alemannia: DFB-Pokal-Finale, UEFA-Cup, Bundesligaaufstieg. Als Sportdirektor machte der ehemalige Innenverteidiger am Tivoli keine gute Figur. Er und das erfolgreiche Trainerduo Schubert und Plaßhenrich konnten nicht miteinander und gingen getrennte Wege, sein Wunschtrainer Benbennek und die Mannschaft passten nicht zusammen, drei Spieler wurden zum Ende des Jahres 2015 unter ihm suspendiert und der Aufstieg war in weite Ferne gerückt. Für eine Verpflichtung müssen ihm die Fans aber dankbar sein, denn eine der letzten Amtshandlungen des Sportdirektors Klitzpera bei der Alemannia war es Fuat Kilic als Trainer zu holen.

Der Deutsch-Türke war lange Zeit als Co-Trainer die rechte Hand von Milan Šašic. Mit ihm arbeitete er beim 1. FC Kaiserslautern, MSV Duisburg und 1. FC Saarbrücken. Bei den Saarländern wurde er nach der Entlassung von Šašic Cheftrainer und konnte nach dem Abstieg aus der 3- Liga fast den direkten Wiederaufstieg feiern, sein Team scheiterte allerdings in der Relegation an den Würzburger Kickers.

In Aachen musste er eine unzufriedene Mannschaft wieder auf Kurs bringen. Ein erstes Ausrufezeichen setzte er direkt bei seinem Debüt mit einem 1:1 bei der Zweitvertretung von Borussia Mönchengladbach. Nach der Beurlaubung von Sportdirektor Alexander Klitzpera im Frühjahr 2016 übernahm Kilic zusätzlich zu seiner Arbeit als Trainer auch die des Kaderplaners – mit Erfolg. Trotz engem finanziellem Rahmen stelle er jede Saison eine schlagkräftige Truppe zusammen.